Titos Vila Izvor liegt verborgen in den Wäldern des Nationalparks Plitvicer Seen in Kroatien. Das monumentale Gebäude wurde als abgeschirmte Residenz für den jugoslawischen Staatspräsidenten Josip Broz Tito und die damalige Regierung errichtet. Heute ist das auch als Objekt 99 bekannte Anwesen verlassen und teilweise eingestürzt.
Von außen erinnert die Vila Izvor noch immer an ein gewaltiges Berghotel. Hinter der lang gestreckten Fassade verbergen sich jedoch die Überreste einer einst exklusiven Regierungsresidenz. Leere Säle, breite Treppen, lange Korridore und geplünderte Räume zeigen heute den vollständigen Gegensatz zwischen früherer Macht und gegenwärtigem Verfall.
Quelle: Nationalpark Plitvicer Seen: Kulturgeschichte der Vila Izvor
Die Vila Izvor entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach Angaben des Nationalparks wurde das Gebäude vermutlich zwischen 1948 und 1952 von Gefangenen errichtet. Andere Veröffentlichungen nennen 1953 als Jahr der Fertigstellung. Eine umfangreiche Renovierung folgte im Jahr 1973.
Geplant wurde das Anwesen von den kroatischen Architekten Zvonimir Marohnić und Rikard Marasović. Es entstand unmittelbar über der Quelle des Baches Plitvica. Die abgeschiedene Lage im Wald bot der politischen Führung Jugoslawiens Privatsphäre und eine natürliche Distanz zur Öffentlichkeit.
Obwohl die Villa eng mit Tito verbunden ist, hielt er sich nach Angaben des Nationalparks nur wenige Male persönlich dort auf. Die Anlage war gleichzeitig für Mitglieder der Regierung und weitere hochrangige Gäste bestimmt.
Quellen: Nationalpark Plitvicer Seen: Villa Izvor | Secret Croatia: Geschichte der Villa Izvor
Während ihrer Nutzung wurde die Residenz unter der Bezeichnung Objekt 99 geführt. Woher die Zahl genau stammt, ist nicht zweifelsfrei belegt. Um den Namen haben sich deshalb verschiedene Erzählungen entwickelt.
Eine verbreitete Geschichte behauptet, die Zahl stehe für 99 Menschen, die während des Baus gestorben seien. Andere Darstellungen bringen sie mit der Zahl der eingesetzten Arbeiter in Verbindung. Für beide Erklärungen fehlen jedoch belastbare historische Nachweise. Gesichert ist lediglich, dass selbst der Nationalpark die Anlage heute als „Building 99“ bezeichnet.
Quellen: Nationalpark Plitvicer Seen | Secret Croatia: Objekt 99
Die Entstehung der Vila Izvor besitzt eine dunkle Seite. Historischen Berichten zufolge wurden beim Bau Gefangene eingesetzt. Genannt werden unter anderem politische Häftlinge aus jugoslawischen Gefängnissen und Lagern wie Goli Otok, Gradiška, Lepoglava und Mitrovica.
Teilweise sollen gleichzeitig mehrere Hundert Gefangene auf der Baustelle gearbeitet haben. Weil die erhaltenen Angaben voneinander abweichen und die Dokumentation lückenhaft ist, lassen sich die genaue Zahl der Arbeiter und ihre individuellen Schicksale heute nicht abschließend bestimmen.
Quellen: Nationalpark Plitvicer Seen | Pogledaj.to: Titova Vila Izvor
Die Dimensionen des Anwesens werden erst im Inneren deutlich. Die Vila Izvor bestand aus mehreren Gebäudeflügeln und bot Platz für Regierungsmitglieder, Gäste und Personal. Zu den besonderen Einrichtungen gehörten Berichten zufolge ein Kino, eine Bowlingbahn, ein Billardraum und große Gesellschaftsräume.
Außerdem soll es einen Restaurantbereich für größere Empfänge sowie zahlreiche Gästezimmer und Apartments gegeben haben. Wertvolle Holzarten, Naturstein und eine aufwendige Innenausstattung sollten den repräsentativen Charakter der Residenz unterstreichen.
Die genaue Gesamtfläche wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben. Deshalb lässt sie sich nicht zuverlässig auf eine einzelne Zahl festlegen. Unabhängig davon gehörte die Vila Izvor zu den größten und aufwendigsten Regierungsresidenzen im sozialistischen Jugoslawien.
Quellen: Dark Tourism: Villa Izvor | Secret Croatia: Ausstattung der Villa
Mehrere Berichte erwähnen ein unterirdisches Tunnelsystem unter der Villa. Dieses soll die Residenz mit Nebengebäuden oder einem geschützten Ausgang verbunden haben. Im Fall eines Angriffs hätte die politische Führung die Anlage dadurch unbemerkt verlassen können.
Über Länge und genauen Verlauf des Tunnels existieren allerdings unterschiedliche Angaben. Einige Veröffentlichungen nennen nur eine kurze Verbindung zu den Nebengebäuden, während andere von einer wesentlich längeren Fluchtroute sprechen. Ohne zugängliche Bauunterlagen sollten solche Angaben daher nicht als gesicherte Tatsache behandelt werden.
Quellen: Secret Croatia: Tunnelsystem | Dark Tourism: Villa Izvor
Nach Titos Tod im Jahr 1980 verlor die Residenz zunehmend ihre ursprüngliche Bedeutung. Spätestens mit dem Zerfall Jugoslawiens und dem Krieg in Kroatien endete ihre Nutzung. Das Gebäude wurde aufgegeben, geplündert und im Laufe der folgenden Jahrzehnte immer stärker beschädigt.
Von der früheren Ausstattung ist fast nichts erhalten geblieben. Böden und Decken sind an verschiedenen Stellen eingebrochen. Feuchtigkeit dringt in das Gebäude ein, während Pflanzen und Witterung den Verfall weiter beschleunigen. Der Nationalpark beschreibt die Villa inzwischen offiziell als verlassen und teilweise eingestürzt.
Quellen: Nationalpark Plitvicer Seen: heutiger Zustand | Dark Tourism: Verfall der Villa
Titos Vila Izvor wurde als geschütztes Kulturgut eingestuft. Trotzdem ist die Zukunft des Gebäudes ungewiss. Verschiedene Ideen für eine neue Nutzung oder Sanierung wurden diskutiert, bislang konnte der fortschreitende Verfall jedoch nicht dauerhaft aufgehalten werden.
Die Villa ist keine regulär erschlossene Sehenswürdigkeit. Ihr Inneres birgt durch instabile Bauteile, offene Schächte und teilweise eingestürzte Bereiche erhebliche Gefahren. Außerdem liegt das Gebäude innerhalb eines geschützten Nationalparks. Absperrungen, Zugangsverbote und die Vorschriften der Parkverwaltung müssen daher beachtet werden.
Quelle: Nationalpark Plitvicer Seen: geschütztes Kulturgut Villa Izvor
Weitere verlassene Orte findest du auf meiner Übersichtsseite über Lost Places in Kroatien. Besonders eindrucksvoll sind der unterirdische Militärflugplatz Aerodrom Željava, das monumentale Denkmal auf dem Petrova Gora und die verlassene Radarstellung Command Center Duga.
Ich besuchte Titos Vila Izvor im Jahr 2012. Schon die Annäherung durch den dichten Wald vermittelte das Gefühl, auf ein nahezu vergessenes Bauwerk zu stoßen. Erst unmittelbar vor der Villa wurde mir bewusst, welche gewaltigen Dimensionen sich zwischen den Bäumen verbergen.
Im Inneren führten lange Korridore durch leere Räume und große Säle. Von der luxuriösen Ausstattung war kaum noch etwas vorhanden. Dennoch ließen die Architektur, die breiten Treppen und die Größe der Räume erahnen, welche politische Bedeutung das Anwesen früher hatte.
Besonders eindrucksvoll war für mich der Kontrast zwischen dem früheren Machtanspruch und der völligen Leere. Meine Fotografien dokumentieren den Zustand der Villa im Jahr 2012. Einen genauen Zugang oder Standort veröffentliche ich nicht.
Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.
This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.