Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Aerodrom Željava: Unterirdischer Militärflugplatz

Der verlassene Aerodrom Željava

Direkt an der Grenze zwischen Kroatien und Bosnien und Herzegowina liegt einer der größten unterirdischen Militärflugplätze Europas. Der Aerodrom Željava war eine streng geheime Basis der jugoslawischen Luftwaffe. Große Teile des Komplexes wurden unter dem Berg Plješevica verborgen.

Hinter mehreren betonierten Tunneleingängen entstand ein kilometerlanges System aus Flugzeugkavernen, Wartungsbereichen, Technikräumen und militärischen Einrichtungen. Auf den Startbahnen außerhalb des Berges konnten Kampfflugzeuge innerhalb kurzer Zeit starten und nach ihrer Rückkehr wieder im geschützten Tunnelsystem verschwinden.

Während des Zerfalls Jugoslawiens wurde die Anlage gezielt zerstört. Die beschädigten Startbahnen, dunklen Tunnel und zurückgelassenen Bauwerke machen Željava heute zu einem der bekanntesten Lost Places in Kroatien.

Meine Fotografien entstanden bei meinem Besuch im Jahr 2012. Sie zeigen den Zustand des Flugplatzes zwei Jahrzehnte nach seiner Zerstörung.

Objekat 505: Jugoslawiens geheime Luftwaffenbasis

Die Militäranlage trug den Codenamen Objekat 505 und wurde auch als Flugplatz Bihać bezeichnet. Die strategische Lage wurde bewusst gewählt. Der Berg Plješevica bot natürlichen Schutz, während die Region gleichzeitig nahe genug an wichtigen Teilen des jugoslawischen Luftraums lag.

Planung und Bau erstreckten sich über viele Jahre während der 1950er- und 1960er-Jahre. Spätestens gegen Ende der 1960er-Jahre war die Anlage weitgehend einsatzbereit. Amerikanische Aufklärungssatelliten dokumentierten den Flugplatz bereits 1968.

Der Aerodrom sollte im Fall eines Angriffs auch dann weiter funktionieren, wenn oberirdische Einrichtungen zerstört worden wären. Flugzeuge, Personal, Treibstoff, Munition und technische Systeme konnten deshalb in den Berg verlegt werden.

Die häufig genannte Bausumme von ungefähr sechs Milliarden US-Dollar lässt sich heute nur schwer unabhängig überprüfen. Sie verdeutlicht jedoch, welchen Stellenwert die Anlage in der jugoslawischen Verteidigungsplanung besaß. Željava gilt als eines der teuersten militärischen Bauprojekte des ehemaligen Jugoslawiens.

Quellen: Željava-LYBI: Dokumentation des Flugplatzes | Dark Tourism: Željava Air Base

Das unterirdische Tunnelsystem

Das Herzstück der Anlage befand sich im Berg. Die unterirdischen Galerien erreichten zusammen eine Länge von ungefähr 3,5 Kilometern. Mehrere große Eingänge verbanden die Kavernen direkt mit den Start- und Rollbahnen.

Die Form einiger Tunnelöffnungen wurde an das Profil der eingesetzten MiG-21-Kampfflugzeuge angepasst. Dadurch konnten die Maschinen aus eigener Kraft oder mit Unterstützung von Zugfahrzeugen in die geschützten Bereiche bewegt werden.

Massive zurückfahrbare Tore sollten die Eingänge verschließen. Innerhalb des Berges befanden sich Abstellplätze, Wartungsbereiche, Munitionslager, Treibstoffsysteme und Räume für das Personal. Auch eine eigene Strom- und Wasserversorgung gehörte zum Komplex.

Die Angaben über die genaue Zahl der untergebrachten Flugzeuge unterscheiden sich. Belegt ist, dass Željava mehrere Einheiten mit MiG-21-Jagd- und Aufklärungsflugzeugen beherbergte. Dazu gehörten zwei Jagdstaffeln und eine Aufklärungsstaffel.

Der Komplex sollte über einen begrenzten Zeitraum unabhängig von der Außenwelt funktionieren. Häufig wird eine mögliche autarke Betriebszeit von bis zu 30 Tagen genannt. Vollständig überprüfen lässt sich diese Angabe anhand öffentlich zugänglicher Dokumente jedoch nicht.

Quellen: Dark Tourism: Tunnel, Flugzeuge und Schutzanlagen | Željava-LYBI: Aufbau des unterirdischen Komplexes

Startbahnen auf zwei Staatsgebieten

Außerhalb des Berges entstand ein weitläufiges System aus Startbahnen, Rollwegen und Abstellflächen. Die längste Startbahn erreichte ungefähr 2,8 Kilometer. Weitere Bahnen waren zwischen rund zwei und zweieinhalb Kilometer lang.

Zur Zeit Jugoslawiens verlief innerhalb der Anlage keine internationale Grenze. Nach dem Zerfall des Staates änderte sich das. Heute liegen Teile des ehemaligen Flugplatzes in Kroatien und andere Bereiche in Bosnien und Herzegowina.

Die neue Grenze erschwert eine einheitliche Nutzung und Sicherung des Geländes. Einige Bahnen wechseln zwischen beiden Staatsgebieten oder verlaufen unmittelbar entlang der Grenzlinie.

Auf dem Außengelände steht außerdem eine alte Douglas C-47. Das Transportflugzeug gehörte nicht zum ursprünglichen unterirdischen Betrieb der MiG-21-Staffeln, entwickelte sich aber zu einem der bekanntesten Fotomotive des verlassenen Flugplatzes.

Quellen: Dark Tourism: Startbahnen und Grenzlage | Željava-LYBI: Pläne und Dokumentation

Radar und Luftverteidigung auf dem Plješevica

Auf dem Gipfel des Plješevica befanden sich Radar- und Kommunikationsanlagen. Von dort konnte ein großer Teil des jugoslawischen Luftraums überwacht werden. Die Informationen wurden an die unterirdischen Kommandoeinrichtungen weitergeleitet.

Željava war damit nicht nur ein geschützter Flugzeughangar. Die Basis war in ein umfassendes System zur Luftraumüberwachung und Luftverteidigung eingebunden.

Jugoslawien gehörte während des Kalten Krieges weder zur NATO noch zum Warschauer Pakt. Die militärische Planung musste deshalb mögliche Bedrohungen aus unterschiedlichen Richtungen berücksichtigen. Der geschützte Flugplatz sollte die Einsatzfähigkeit der Luftwaffe auch während eines größeren Angriffs bewahren.

Der Aerodrom im Jugoslawienkrieg

Im Jahr 1991 wurde der Flugplatz während der beginnenden Jugoslawienkriege noch intensiv genutzt. Von Željava starteten Flugzeuge der jugoslawischen Luftwaffe zu verschiedenen Einsätzen.

Mit dem militärischen Rückzug begann die gezielte Zerstörung der Anlage. Zunächst wurden Teile der Startbahnen gesprengt. Bereits beim Bau waren dafür Bereiche vorbereitet worden, in denen Sprengladungen platziert werden konnten.

Im Mai 1992 folgte die massive Zerstörung des unterirdischen Komplexes. Häufig wird berichtet, dass dabei ungefähr 56 Tonnen Sprengstoff eingesetzt wurden. Die Explosionen beschädigten Tunnel, technische Einrichtungen und Zugänge schwer.

Der Flugplatz sollte auf diese Weise für gegnerische Kräfte unbrauchbar gemacht werden. Bewohner der nahe gelegenen Stadt Bihać berichteten von starken Erschütterungen. Aus den zerstörten Tunnelöffnungen soll noch lange danach Rauch ausgetreten sein.

Da sich die genaue Sprengstoffmenge überwiegend auf spätere Berichte stützt, sollte sie als häufig überlieferte Größenordnung und nicht als zweifelsfrei bestätigte Zahl verstanden werden.

Quellen: Ex Utopia: Zerstörung der Željava Air Base | Dark Tourism: Željava während des Krieges

Warum ist Željava heute gefährlich?

Die größte Gefahr beschränkt sich nicht auf einsturzgefährdete Tunnel. Durch den Krieg befinden sich in der Umgebung weiterhin Minen und möglicherweise nicht explodierte Kampfmittel. Besonders Flächen abseits befestigter Straßen und deutlich genutzter Wege dürfen deshalb nicht betreten werden.

Im November 2000 kam ein bosnischer Luftwaffenoffizier in der Umgebung ums Leben, nachdem er beim Pilzesuchen eine Antipersonenmine ausgelöst hatte. Der Vorfall zeigt, dass die Warnungen vor Minen nicht nur theoretischer Natur sind.

Auch innerhalb der Tunnel bestehen erhebliche Risiken. Dazu gehören herabfallende Bauteile, offene Schächte, scharfkantige Metallreste, schlechte Luft und vollständige Dunkelheit. Hinzu kommt die Lage direkt an einer internationalen Grenze.

Die Tatsache, dass Fotos und Videos aus Teilen des Geländes im Internet zu finden sind, bedeutet nicht, dass jeder Bereich sicher oder rechtlich frei zugänglich ist. Lokale Warnschilder, Absperrungen und behördliche Anweisungen müssen unbedingt beachtet werden.

Quellen: Dark Tourism: Minengefahr auf dem Gelände | KÜRE Encyclopedia: Gefahren und heutiger Zustand

Verfall im Inneren des Berges

Von der früheren technischen Ausstattung ist nur noch ein kleiner Teil vorhanden. Viele Räume wurden durch die Explosionen zerstört oder später geplündert. Zurück blieben beschädigte Leitungen, Betontrümmer, Lüftungsschächte und vereinzelte militärische Markierungen.

An den Wänden sind Rußspuren und Folgen der Brände zu erkennen. Wasser dringt in verschiedene Bereiche ein und beschleunigt den Verfall. Gleichzeitig bleiben die Grundstruktur und die enorme Ausdehnung der Anlage weiterhin sichtbar.

Die langen, gebogenen Galerien vermitteln einen Eindruck davon, wie viele Menschen und Flugzeuge hier untergebracht werden konnten. Ohne die ursprüngliche Beleuchtung verlieren sich die Tunnel bereits nach wenigen Metern in vollständiger Dunkelheit.

Željava ist deshalb kein gewöhnlicher verlassener Flughafen. Oberirdische Startbahnen, unterirdische Flugzeugkavernen und die Spuren einer gezielten militärischen Zerstörung verbinden sich zu einem außergewöhnlichen historischen Ort.

Weitere Relikte des ehemaligen Jugoslawiens

In Kroatien dokumentierte ich außerdem das Petrova Gora Monument. Das 37 Meter hohe Denkmal erinnert an den antifaschistischen Widerstand während des Zweiten Weltkriegs und verfällt seit dem Zerfall Jugoslawiens.

Ein weiterer futuristischer Erinnerungsort ist der Podgarić Spomenik. Weitere militärische Anlagen, Hotels und Denkmäler findest du in meinem Archiv über Lost Places in Kroatien.

Mein Besuch im Aerodrom Željava 2012

Ich besuchte den Aerodrom Željava im Jahr 2012. Bereits die beschädigten Startbahnen vermittelten einen Eindruck von der Größe des ehemaligen Flugplatzes. Zwischen den breiten Betonflächen wuchs an vielen Stellen bereits Vegetation.

Die Eingänge im Berg wirkten wie schwarze Öffnungen in der Landschaft. Ihre besondere Form erinnerte noch immer an die MiG-21-Kampfflugzeuge, die hier einst ein- und ausfuhren.

Im Inneren verschwanden Licht und Geräusche innerhalb weniger Meter. Die gebogenen Tunnel machten es unmöglich, weit vorauszusehen. Beschädigte Leitungen, Trümmer und Rußspuren zeigten deutlich die Folgen der Sprengungen.

Besonders eindrucksvoll war die Verbindung aus technischer Größe und vollständiger Leere. Wo früher Kampfflugzeuge gewartet wurden und Hunderte Menschen arbeiteten, waren nur noch Wasser, Dunkelheit und der langsame Verfall geblieben.

Meine Fotografien dokumentieren den Zustand von Željava im Jahr 2012. Aufgrund der Minengefahr und der militärischen Altlasten veröffentliche ich keine Hinweise zu ungesicherten Bereichen oder möglichen Zugängen.

Atmosphere / Atmosphäre
78%
Risk / Gefahr
55%
Vandalism / Vandalismus
19%
Decay / Verfall
61%

Croatia, visited in 2012

Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.

This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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