Auf dem Gipfel Veliki Petrovac erhebt sich eines der außergewöhnlichsten Bauwerke des ehemaligen Jugoslawiens. Das Petrova Gora Monument ist ein 37 Meter hohes Denkmal aus Beton, Stahl und reflektierenden Edelstahlplatten. Seine futuristische Form ragt weit sichtbar über die bewaldeten Hügel Zentral-Kroatiens hinaus.
Der offizielle Name lautet „Denkmal für den Aufstand der Bevölkerung von Banija und Kordun“. In kroatischer Sprache heißt es „Spomenik ustanku naroda Banije i Korduna“. Das Monument erinnert an den Widerstand gegen das faschistische Ustaša-Regime und an die Opfer des Zweiten Weltkriegs in der Region.
Das von Vojin Bakić entworfene Denkmal wurde 1981 eröffnet. Nach dem Zerfall Jugoslawiens verlor der Erinnerungsort jedoch seine frühere Funktion. Große Teile der Edelstahlverkleidung verschwanden und die Innenräume wurden geplündert. Heute gehört Petrova Gora zu den bekanntesten Lost Places in Kroatien.
Die Regionen Kordun und Banija wurden während des Zweiten Weltkriegs zu Schauplätzen schwerer Gewalt. Nach der Besetzung Jugoslawiens errichtete das mit den Achsenmächten verbündete Ustaša-Regime den sogenannten Unabhängigen Staat Kroatien.
Besonders die serbische Bevölkerung der Region wurde verfolgt und ermordet. Im Jahr 1941 formierte sich bewaffneter Widerstand. Partisanengruppen und Teile der örtlichen Bevölkerung nutzten die bewaldeten Gebiete von Petrova Gora als Rückzugsraum.
In den Wäldern entstand außerdem ein Partisanenkrankenhaus. Dort wurden verwundete Kämpfer und Zivilisten unter schwierigen Bedingungen versorgt. Die Erinnerung an den Widerstand, die getöteten Bewohner und das Krankenhaus bildete später die Grundlage für den großen Gedenkkomplex.
Das Monument sollte nicht nur an militärische Ereignisse erinnern. Es war als gemeinsamer Erinnerungsort für die Menschen aus Kordun und Banija gedacht, die gegen Besatzung, Verfolgung und das Ustaša-Regime gekämpft hatten.
Quellen: Spomenik Database: Monument to the Uprising at Petrova Gora | Balkan Insight: Croatia’s Anti-Fascist Monuments
Bereits 1970 wurde ein jugoslawischer Wettbewerb für die Gestaltung des geplanten Denkmals ausgeschrieben. Der erste ausgewählte Entwurf stammte nicht von Vojin Bakić. Nachdem die Anforderungen an das Gebäude verändert worden waren, folgte einige Jahre später ein weiterer Wettbewerb.
Schließlich setzte sich der Entwurf des kroatischen Bildhauers Vojin Bakić durch. Bei der architektonischen Umsetzung arbeitete er unter anderem mit Berislav Šerbetić und Tomislav Odak zusammen.
Bakić entwickelte keinen klassischen Turm und keine figürliche Heldenskulptur. Stattdessen entstand ein abstrakter, organisch geformter Baukörper. Seine geschwungenen Flächen sollten je nach Blickwinkel und Tageszeit unterschiedlich wirken.
Für die Fassade wurden Edelstahlplatten verwendet. Ihre spiegelnden Oberflächen reflektierten ursprünglich den Himmel und den umliegenden Wald. Dadurch sollte das große Monument trotz seiner Masse mit der Landschaft verbunden werden.
Quellen: Spomenik Database: Entwurf und Architektur | UNC Press: Colossal Monuments to Yugoslavia
Die Bauarbeiten am heutigen Monument begannen im September 1980. Bereits am 4. Oktober 1981 wurde der Gedenkkomplex eröffnet. Das Datum erinnerte an den 40. Jahrestag des Aufstands und an die Gründung des Partisanenkrankenhauses.
Das Gebäude erreicht eine Höhe von 37 Metern. Seine tragende Konstruktion besteht aus Beton und Stahl. Darüber lag ursprünglich eine fast geschlossene Haut aus schwedischen Edelstahlplatten.
Im Inneren waren mehrere Museumsebenen, Ausstellungsflächen, Verwaltungsräume, eine Bibliothek und ein Lesesaal vorgesehen. Zusätzlich entstanden unterirdische Bereiche für Veranstaltungen, Filmvorführungen und Konferenzen.
Ein Teil der geplanten Räume und Ausstellungen wurde jedoch nie vollständig ausgebaut. Die häufig wiederholte Behauptung, der Tod von Josip Broz Tito im Jahr 1980 sei allein dafür verantwortlich gewesen, lässt sich nicht eindeutig belegen. Fest steht, dass der Komplex trotz seiner Eröffnung in Teilen unvollendet blieb.
Von einer Aussichtsplattform im oberen Bereich konnten Besucher über die Wälder von Petrova Gora blicken. Dadurch verband das Gebäude Gedenkstätte, Museum, Aussichtspunkt und gesellschaftlichen Treffpunkt.
Quellen: Spomenik Database: Bau und Eröffnung 1981 | Kathmandu & Beyond: Petrova Gora Monument
Petrova Gora wird häufig als „Spomenik“ bezeichnet. Das Wort bedeutet in den südslawischen Sprachen zunächst einfach „Denkmal“. International wird der Begriff inzwischen oft speziell für die modernistischen Gedenkbauten des sozialistischen Jugoslawiens verwendet.
Das Monument von Petrova Gora ist jedoch mehr als eine monumentale Skulptur. Hinter der metallischen Fassade befindet sich ein mehrgeschossiges Gebäude mit Treppenhäusern, Aufzügen, Räumen und Aussichtsebenen.
Die äußere Form besteht aus mehreren unregelmäßig geschwungenen Volumen. Aus manchen Blickwinkeln wirkt das Bauwerk wie eine futuristische Maschine. Von anderen Positionen erinnert es an eine Blüte, einen Turm oder eine abstrakte Flamme.
Gerade diese Offenheit machte das Monument zu einem wichtigen Beispiel jugoslawischer Nachkriegsarchitektur. Es verband moderne Kunst, Architektur, politische Erinnerung und die umgebende Landschaft zu einem gemeinsamen Gesamtkonzept.
Quellen: Spomenik Database: Gestaltung des Petrova-Gora-Denkmals | The Architect’s Newspaper: A Memorial Disappears
Mit dem Zerfall Jugoslawiens und dem Beginn des Kroatienkriegs im Jahr 1991 veränderte sich die Situation grundlegend. Die Jugoslawische Volksarmee nutzte Teile des Gedenkkomplexes für militärische Zwecke.
Im Inneren wurden unter anderem militärische Einheiten, Ausrüstung und Kommunikationsanlagen untergebracht. In der Umgebung entstand zeitweise erneut ein Krankenhaus. Während dieser Nutzung wurden große Teile der ursprünglichen Einrichtung beschädigt oder entfernt.
Nach der kroatischen Militäroperation Oluja im Jahr 1995 blieb der Komplex weitgehend ungenutzt. Museumsexponate, Bücher, technische Anlagen und Einrichtungsgegenstände waren zu diesem Zeitpunkt bereits verschwunden oder zerstört.
In den folgenden Jahren wurden immer mehr Edelstahlplatten von der Fassade entfernt. Dadurch liegt heute ein großer Teil der tragenden Konstruktion offen. Regen, Frost und Feuchtigkeit können seitdem ungehindert in das Gebäude eindringen.
Quellen: Balkan Insight: Petrova Gora nach dem Zerfall Jugoslawiens | The Architect’s Newspaper: Verlust der Edelstahlfassade
Seit vielen Jahren wird über eine mögliche Sicherung oder Restaurierung des Monuments diskutiert. Verschiedene Initiativen beschäftigten sich mit seiner historischen Bedeutung und einer zukünftigen Nutzung. Eine umfassende Wiederherstellung wurde bislang jedoch nicht umgesetzt.
Die Schäden sind erheblich. Große Teile der Fassade fehlen, Betonflächen sind der Witterung ausgesetzt und viele Innenräume wurden vollständig entkernt. Eine Restaurierung müsste daher sowohl die Konstruktion sichern als auch die historische Gestaltung rekonstruieren.
Zusätzlich ist der Umgang mit jugoslawischen Denkmälern in den Nachfolgestaaten politisch umstritten. Die Bauwerke erinnern an antifaschistischen Widerstand, aber zugleich auch an die politische Erinnerungskultur des sozialistischen Jugoslawiens.
Auf dem Dach wurden technische Sendeanlagen installiert. Diese funktionale Nutzung schützt das Monument jedoch nicht vor dem weiteren Verfall seiner Architektur.
Quellen: Remembering Yugoslavia: Zukunft und Restaurierung von Petrova Gora | Balkan Insight: Croatia’s Unwanted Heritage
Die futuristische Architektur machte das verlassene Monument zu einer eindrucksvollen Filmkulisse. Im Jahr 2019 fanden dort Dreharbeiten für die deutsche Science-Fiction-Serie „Tribes of Europa“ statt.
In der 2021 veröffentlichten Netflix-Produktion diente Petrova Gora als Teil der sogenannten Crimson Base. Sowohl Außenaufnahmen als auch Szenen im Inneren des Monuments wurden in Kroatien gedreht.
Die Nutzung als Drehort machte das Gebäude einem neuen internationalen Publikum bekannt. Gleichzeitig führte sie zu Diskussionen darüber, wie mit einem beschädigten historischen Denkmal als kommerzieller Filmkulisse umgegangen werden sollte.
Quellen: Filming in Croatia: Drehorte von Tribes of Europa | Spomenik Database: Petrova Gora und Tribes of Europa
Petrova Gora ist nicht das einzige monumentale Bauwerk aus der Zeit Jugoslawiens. Das Podgarić Spomenik erinnert ebenfalls an den antifaschistischen Widerstand und besitzt eine futuristische Formensprache.
Ein völlig anderes Relikt des ehemaligen Jugoslawiens ist der unterirdische Militärflugplatz Željava an der Grenze zwischen Kroatien und Bosnien und Herzegowina.
Weitere Denkmäler, Hotels, Industrieanlagen und militärische Relikte findest du in meinem Länderarchiv über Lost Places in Kroatien.
Ich besuchte das Petrova Gora Monument im Jahr 2014. Schon auf dem Weg durch den Wald war die Spitze des Bauwerks zwischen den Bäumen zu erkennen. Aus der Nähe wirkte die unregelmäßig geschwungene Fassade noch wesentlich größer.
Viele Edelstahlplatten fehlten bereits. Dadurch waren die tragenden Elemente und die dahinterliegenden Räume sichtbar. Im Inneren führten dunkle Treppen durch mehrere nahezu leere Ebenen. Immer wieder fiel Licht durch die offenen Stellen der beschädigten Außenhaut.
Besonders eindrucksvoll war der Kontrast zwischen der futuristischen Architektur und dem Zustand des Gebäudes. Petrova Gora wirkte gleichzeitig wie ein Denkmal aus der Vergangenheit und wie eine Kulisse aus einer unbekannten Zukunft.
Von den oberen Bereichen öffnete sich der Blick über die bewaldete Landschaft. Gleichzeitig machten fehlende Geländer, offene Schächte und beschädigte Bauteile deutlich, wie gefährlich das ungesicherte Gebäude geworden war.
Meine Fotografien dokumentieren Petrova Gora im Zustand des Jahres 2014. Seitdem haben Witterung, Vandalismus und der Verlust weiterer Fassadenteile das Erscheinungsbild erneut verändert.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.