Das Podgarić Spomenik in Kroatien gehört zu den markantesten Denkmälern des ehemaligen Jugoslawiens. Seine gewaltigen Betonflügel und das metallische Zentrum erinnern an den Widerstand der Bevölkerung von Moslavina während des Zweiten Weltkriegs.
Der jugoslawische Bildhauer Dušan Džamonja schuf das abstrakte Monument in den 1960er Jahren. Es ist kein klassischer Lost Place, sondern ein historischer Gedenkort und ein außergewöhnliches Beispiel monumentaler Erinnerungskultur.
Nach der Besetzung Jugoslawiens durch die Achsenmächte im April 1941 wurde das Gebiet des heutigen Kroatiens Teil des sogenannten Unabhängigen Staates Kroatien. Das mit den Besatzungsmächten verbündete Ustascha-Regime verfolgte Serben, Juden, Roma sowie politische Gegner.
In der Region Moslavina bildeten sich Widerstandsgruppen, die sich den jugoslawischen Partisanen anschlossen. Das bewaldete Gebiet rund um Podgarić entwickelte sich ab dem Winter 1941 zu einem bedeutenden Zentrum des Widerstands.
Quelle: Spomenik Database: Geschichte von Podgarić und Moslavina
In den abgelegenen Wäldern entstanden mehrere geheime Krankenhäuser für verwundete Partisanen. Die ersten Patienten wurden dort im Januar 1942 behandelt.
Der Komplex umfasste nicht nur medizinische Einrichtungen. Dazu gehörten auch Werkstätten, Bäckereien, Schulen und weitere Versorgungsbereiche. Gleichzeitig nutzte die Führung der Partisanen das Gebiet für politische und militärische Beratungen.
Während des Krieges starben zahlreiche Verwundete in den Krankenhäusern oder bei Angriffen auf das Gebiet. Ihre Erinnerung wurde später ein zentraler Bestandteil der Gedenkanlage.
Quelle: Spomenik Database: Partisanenkrankenhäuser bei Podgarić
Der Bildhauer Dušan Džamonja entwarf das zentrale Monument. Unterstützt wurde er bei der Ausarbeitung durch den Maler und Architekten Vladimir Veličković. Die Bauarbeiten dauerten von 1965 bis 1967.
Die abstrakte Skulptur ist ungefähr zehn Meter hoch und zwanzig Meter breit. Zwei asymmetrische Flügel aus Stahlbeton umschließen ein rundes Zentrum aus Metallelementen.
Džamonja verband schweren Beton mit reflektierendem Metall. Die Flügelformen werden als Symbol des Sieges gedeutet, während das zentrale Element an eine stilisierte Sonne oder ein übergroßes Auge erinnert. Das Monument wurde bewusst in die umliegende Landschaft eingebunden.
Quellen: Architectuul: Architektur und Entwurf des Denkmals | Denkmal für die Revolution der Einwohner von Moslavina
Das Monument wurde am 7. September 1967 in Anwesenheit des jugoslawischen Staatspräsidenten Josip Broz Tito eingeweiht. Es erinnert an den Widerstand der Bevölkerung und die gefallenen Partisanen aus der Region Moslavina.
Auf dem Weg zur Hauptskulptur befindet sich eine Gedenkstätte mit den sterblichen Überresten von rund 900 Partisanen. Sie waren während des Krieges in den umliegenden Krankenhäusern an ihren Verletzungen gestorben.
Zur gesamten Anlage gehören außerdem ein monumentaler Betondurchgang und die gestaltete Landschaft rund um das Denkmal. Ein kleiner künstlicher See unterhalb der Anhöhe wurde ebenfalls in das landschaftliche Konzept einbezogen.
Quellen: The Calvert Journal Archive: Das Monument von Podgarić | Spomenik Database: Gedenkanlage Podgarić
Viele antifaschistische Denkmäler wurden während und nach dem Zerfall Jugoslawiens beschädigt oder vollständig zerstört. Das Podgarić Spomenik blieb dagegen weitgehend erhalten.
Die Anlage weist Spuren von Alterung und mangelnder Pflege auf. Dennoch finden dort weiterhin Gedenkveranstaltungen statt. Das Monument ist deshalb weder eine aufgegebene Ruine noch ein vergessener Lost Place, sondern ein historischer Erinnerungsort mit sichtbaren Spuren der Zeit.
Ich besuchte das Podgarić Spomenik im Jahr 2014. Schon aus der Entfernung dominierten die beiden Betonflügel die Landschaft. Je näher ich dem Monument kam, desto stärker wirkte der Kontrast zwischen seiner massiven Konstruktion und der ruhigen, grünen Umgebung.
Besonders auffällig war das metallische Zentrum zwischen den asymmetrischen Flügeln. Abhängig vom Blickwinkel wirkte es wie eine Sonne, ein Auge oder ein technisches Bauteil aus einer futuristischen Architektur.
Meine Fotografien dokumentieren nicht nur die ungewöhnliche Form des Denkmals. Sie zeigen zugleich einen Ort, der an Widerstand, Krieg und zahlreiche Tote erinnert. Diese historische Bedeutung steht für mich hinter der spektakulären Architektur.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.