Das Sanatorium Medea in Tskaltubo gehört zu den eindrucksvollsten Relikten der sowjetischen Kurarchitektur in Georgien. Monumentale Säulen, geschwungene Treppen und eine weitläufige Gartenanlage erinnern an eine Zeit, in der Tskaltubo zu den bedeutendsten Kurorten der Sowjetunion gehörte.
Die Thermalquellen von Tskaltubo waren bereits lange vor der Sowjetzeit bekannt. Im Jahr 1920 erhielt der Ort offiziell den Status eines balneologischen Kurortes. Anschließend entstanden rund um den zentralen Kurpark zahlreiche Sanatorien, Badehäuser und Erholungsanlagen.
Während der Sowjetzeit reisten Kurgäste aus unterschiedlichen Teilen des Landes nach Tskaltubo. Die Sanatorien verbanden medizinische Anwendungen mit Erholung, repräsentativer Architektur und großzügig angelegten Parkanlagen.
Quelle: Georgian Travel Guide: Balneological Resorts in Georgia
Das Gebäude war ursprünglich unter dem Namen Sanatorium Tsekavshiri bekannt. Die Planungen stammen aus dem Jahr 1954. Fertiggestellt wurde der Komplex 1962 nach Entwürfen der Architekten Aleksandre Intskirveli und Toma Potskhishvili.
Das Sanatorium verfügte über mehr als 300 Betten. Seine Dimensionen und die repräsentative Gestaltung zeigen, welchen Stellenwert Erholung und Gesundheitsversorgung innerhalb der sowjetischen Architektur einnahmen.
Quellen: Urbex.nl: Hotel Medea in Tskaltubo | Abandoned Recreation: Tskaltubo Sanatoriums
Das Sanatorium Medea wurde im Stil des sozialistischen Klassizismus errichtet. Besonders bekannt ist die halbkreisförmige Säulenhalle an der Rückseite des Gebäudes. Doppelte Säulenreihen, offene Treppenanlagen und dekorative Balustraden verleihen ihr eine beinahe palastartige Wirkung.
Im Inneren setzten sich die symmetrische Raumgestaltung und die repräsentativen Dimensionen fort. Gleichzeitig verband sich die Architektur mit der umgebenden Parklandschaft, die als wichtiger Bestandteil des Kurbetriebs geplant worden war.
Quelle: Urbex.nl: Architektur und Geschichte des Sanatoriums Medea
Nach dem Ende der Sowjetunion verlor Tskaltubo einen großen Teil seiner früheren Kurgäste. Zahlreiche Sanatorien wurden geschlossen und verfielen. Ab 1992 fanden Menschen, die durch den Krieg in Abchasien vertrieben worden waren, in mehreren Gebäuden des Kurortes eine neue Unterkunft.
Auch das Sanatorium Medea wurde zeitweise von Binnenvertriebenen bewohnt. Dadurch war das Gebäude nicht einfach ein leerer Lost Place, sondern über viele Jahre das Zuhause von Menschen, die ihre ursprünglichen Wohnorte verloren hatten.
Quellen: The Guardian: Tskaltubo und die Vertriebenen aus Abchasien | Abandoned Recreation: Sanatorium Medea
Meine Fotografien zeigen den Zustand des Gebäudes im Jahr 2019. Seitdem hat sich die Situation in Tskaltubo weiter verändert. Mehrere ehemalige Sanatorien wurden verkauft, abgesperrt oder für mögliche Bauarbeiten vorbereitet.
Aktuelle Reiseinformationen berichten, dass auch das Sanatorium Medea inzwischen eingezäunt und für Besucher geschlossen ist. Ob und in welcher Form das Gebäude vollständig restauriert wird, bleibt abzuwarten. Ein Betreten ohne ausdrückliche Genehmigung ist nicht gestattet.
Quelle: Wander-Lush: Aktueller Besucherhinweis zu Tskaltubo
Ich besuchte das Sanatorium Medea im Jahr 2019. Schon beim ersten Blick auf die monumentale Säulenhalle wirkte das Gebäude weniger wie eine ehemalige medizinische Einrichtung als wie ein verlassener Palast.
Zwischen den Säulen, Treppen und überwucherten Bereichen der Parkanlage war der frühere Glanz noch deutlich erkennbar. Gleichzeitig zeigten beschädigte Oberflächen, Feuchtigkeit und fehlende Einrichtungsgegenstände den fortschreitenden Verfall.
Besonders das warme Licht in der offenen Säulenhalle machte Medea zu einem der eindrucksvollsten Orte meiner Reise durch Georgien. Meine Fotografien dokumentieren den Zustand des Sanatoriums, bevor das Gelände vollständig abgesperrt wurde.
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