Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Buran Shuttle im verlassenen Hangar von Baikonur

Der Buran Shuttle in Baikonur

Mitten in der kasachischen Steppe stehen zwei Raumfähren aus dem sowjetischen Buran-Programm in einer gewaltigen Montagehalle. Der Gebäudekomplex gehört zum Kosmodrom Baikonur, einem der bedeutendsten Orte der Raumfahrtgeschichte. Heute gilt der verlassene Buran-Hangar als einer der spektakulärsten Lost Places in Kasachstan.

Die beiden Raumfähren erinnern an eine Zeit, in der die Sowjetunion mit enormem technischem und finanziellem Aufwand ein eigenes wiederverwendbares Raumfahrtsystem entwickelte. Obwohl das Programm erfolgreich einen Orbiter ins Weltall brachte, endete es nach nur einem Flug. Zurück blieben unvollendete Raumfähren, verlassene Anlagen und eine Geschichte, die bis heute von technischen Höchstleistungen und politischen Umbrüchen erzählt.

Meine Fotografien entstanden bei meinem Besuch im Jahr 2019. Sie dokumentieren die beiden sowjetischen Raumfähren und den fortschreitenden Verfall ihrer Montagehalle. Einen genauen Zugang oder Koordinaten veröffentliche ich nicht.

Die sowjetische Antwort auf das Space Shuttle

Die Entwicklung des Buran-Programms begann während des Kalten Krieges. Nachdem die Vereinigten Staaten ihr Space-Shuttle-Programm vorangetrieben hatten, befürchtete die sowjetische Führung, dass die amerikanischen Raumfähren auch militärisch eingesetzt werden könnten. Deshalb sollte ein eigenes wiederverwendbares Raumfahrtsystem entstehen.

Der Name „Buran“ bedeutet übersetzt etwa „Schneesturm“. Das Projekt entwickelte sich zum größten und teuersten Raumfahrtprogramm der Sowjetunion. Neben mehreren Raumfähren entstanden neue Startanlagen, Montagehallen, Testeinrichtungen und die leistungsstarke Energija-Trägerrakete.

Auf den ersten Blick ähnelt der Buran stark dem amerikanischen Space Shuttle. Die äußerliche Ähnlichkeit verdeckt jedoch wichtige technische Unterschiede. Beim amerikanischen System befanden sich die Haupttriebwerke am Orbiter. Der Buran wurde dagegen von den Triebwerken der Energija-Rakete beschleunigt. Dadurch konnte die Trägerrakete theoretisch auch andere schwere Nutzlasten ins All transportieren.

Quellen: Smithsonian National Air and Space Museum: The Soviet Buran Shuttle

Technik und Abmessungen des Buran

Mit einer Länge von rund 36 Metern, einer Spannweite von fast 24 Metern und einer Höhe von mehr als 16 Metern erreichte der Buran ähnliche Dimensionen wie das amerikanische Space Shuttle. Der große Frachtraum war für Satelliten, Raumstationsmodule und andere schwere Nutzlasten vorgesehen. Außerdem war eine spätere bemannte Version mit Platz für bis zu zehn Personen geplant.

Eine der bemerkenswertesten Fähigkeiten war die automatische Flugsteuerung. Der Buran konnte ohne Besatzung starten, die Erde umkreisen, wieder in die Atmosphäre eintreten und selbstständig landen. Genau diese Fähigkeit stellte das Raumfahrtsystem bei seinem einzigen Weltraumflug unter Beweis.

Für Versuche entstanden neben den eigentlichen Orbitalfahrzeugen mehrere Modelle und Testfahrzeuge. Sie dienten unter anderem zur Erprobung der Konstruktion, der aerodynamischen Eigenschaften und der technischen Abläufe am Boden. Deshalb wird heute häufig jedes erhaltene Fahrzeug vereinfachend als „Buran“ bezeichnet. Tatsächlich trug jedoch nur der Orbiter 1.01, der 1988 ins All flog, offiziell diesen Namen.

Quellen: European Space Agency: 1988 launch of Soviet Buran shuttle | Smithsonian National Air and Space Museum: The Soviet Buran Shuttle

Der einzige Flug des Buran Shuttles

Am 15. November 1988 startete die Raumfähre Buran auf einer Energija-Trägerrakete vom Kosmodrom Baikonur. An Bord befand sich keine Besatzung. Nach dem Erreichen der Umlaufbahn umkreiste der Orbiter die Erde zweimal.

Nach rund dreieinhalb Stunden leitete das Raumfahrzeug selbstständig die Rückkehr ein. Der Buran trat wieder in die Erdatmosphäre ein und landete automatisch auf der dafür errichteten Landebahn in Baikonur. Trotz schwieriger Wetterbedingungen verlief die Mission erfolgreich.

Der Flug bewies, dass das sowjetische System technisch funktionierte. Dennoch sollte der Buran nie wieder ins Weltall zurückkehren. Weitere unbemannte und später auch bemannte Missionen waren geplant, wurden jedoch nicht mehr verwirklicht.

Quellen: European Space Agency: Der Buran-Flug von 1988 | Smithsonian National Air and Space Museum: Geschichte des Buran

Welche Raumfähren stehen im verlassenen Hangar?

Die beiden Raumfähren in meinen Fotografien werden häufig mit dem 1988 geflogenen Buran verwechselt. Tatsächlich handelt es sich um zwei andere Fahrzeuge aus demselben Raumfahrtprogramm. Keines von ihnen erreichte jemals das Weltall.

Bei einem der Fahrzeuge handelt es sich um den weitgehend fertiggestellten zweiten Orbiter des Programms. Er wird häufig als Ptichka bezeichnet und war für eine spätere Weltraummission vorgesehen. Das zweite Fahrzeug war ein originalgetreues Testmodell. Es wurde für technische Versuche und die Vorbereitung von Arbeitsabläufen am Boden genutzt.

Nach dem Ende des Programms blieben beide Raumfähren in der riesigen Halle zurück. Seitdem setzen Staub, Temperaturschwankungen, Korrosion und der schlechte Zustand des Gebäudes den Fahrzeugen zu. Dennoch sind zahlreiche Bauteile und die empfindlichen Hitzeschutzkacheln bis heute erkennbar.

Quellen: WIRED: The Quest to Get Photos of the USSR’s First Space Shuttle | National Geographic: Soviet Space Shuttles in Kazakhstan

Das Ende des Buran-Programms

Der Zerfall der Sowjetunion entzog dem Buran-Programm seine wirtschaftliche und politische Grundlage. Die weitere Entwicklung wurde zunächst gestoppt. Im Jahr 1993 folgte schließlich die offizielle Einstellung des Projekts. Zu diesem Zeitpunkt waren weitere Raumfähren bereits teilweise fertiggestellt.

Auch der Orbiter Buran 1.01, der den einzigen Weltraumflug absolviert hatte, wurde anschließend in Baikonur eingelagert. Am 12. Mai 2002 stürzte das Dach seiner Montagehalle während Arbeiten am Gebäude ein. Acht Arbeiter kamen dabei ums Leben. Gleichzeitig wurden der geflogene Buran und Teile einer Energija-Rakete zerstört.

Die beiden Fahrzeuge aus meinen Fotografien befanden sich in einer anderen Halle und überstanden dieses Unglück. Ihr langfristiger Erhalt bleibt dennoch ungewiss.

Quellen: Spaceflight Now: Baikonur hangar collapse | Smithsonian National Air and Space Museum: Das Ende des Buran-Programms

Mein Besuch im Buran-Hangar 2019

Im Jahr 2019 konnte ich die beiden Raumfähren selbst fotografieren. Selbst in der gewaltigen Montagehalle dominierten sie den gesamten Raum. Erst aus unmittelbarer Nähe wurde deutlich, welche Dimensionen diese Maschinen besitzen. Menschen wirkten neben den Fahrwerken, Tragflächen und Leitwerken beinahe winzig.

Besonders beeindruckend war der Kontrast zwischen der hoch entwickelten Raumfahrttechnik und dem Zustand ihrer Umgebung. Über den Raumfähren spannte sich eine zunehmend beschädigte Hallenkonstruktion. Staub bedeckte große Teile der Fahrzeuge, während Licht durch Öffnungen im Gebäude auf die weißen Außenflächen und die schwarzen Hitzeschutzkacheln fiel.

Trotz des sichtbaren Verfalls wirkten die Raumfähren nicht wie gewöhnlicher Schrott. Sie standen noch immer auf ihren Fahrwerken und erinnerten an eine Zukunft, die niemals Wirklichkeit wurde. Genau dieser Gegensatz machte den Buran-Hangar für mich zu einem der eindrucksvollsten Lost Places, die ich bisher dokumentiert habe.

Da sich der Ort nicht in einem regulär zugänglichen Besucherbereich befindet, veröffentliche ich weder genaue Koordinaten noch Hinweise zum Zugang. Meine Aufnahmen sollen die Geschichte dokumentieren und nicht zu einem unbefugten Betreten des Geländes auffordern.

Atmosphere / Atmosphäre
100%
Risk / Gefahr
93%
Vandalism / Vandalismus
9%
Decay / Verfall
52%

Kazakhstan, visited in 2019

Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.

This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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