Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Vergnügungspark Prypjat: Das Riesenrad und die verlassenen Fahrgeschäfte

Prypjat entstand ab 1970 als Satellitenstadt für die Beschäftigten des Kernkraftwerks Tschernobyl und ihre Familien. Die Stadt wuchs schnell. Kurz vor der Katastrophe lebten dort rund 49.000 Menschen. Viele von ihnen waren jung, und zahlreiche Kinder gehörten zum Stadtbild. Der Vergnügungspark war Teil des geplanten Alltags in dieser neuen Stadt: ein Ort für Freizeit und gemeinsames Erleben.

Auch die Eröffnung war auf ein öffentliches Ereignis ausgerichtet. Der Park sollte am 1. Mai 1986 feierlich in Betrieb genommen werden. Damit war er für die Bewohner als Teil eines bevorstehenden Stadtfestes gedacht. Heute kennt man ihn vor allem wegen seines Riesenrads und der verlassenen Fahrgeschäfte.

Quelle: IAEA: Pripyat Urban Scenario | Kernkraftwerk Tschernobyl: Geschichte der Stadt Prypjat | Bundesamt für Strahlenschutz: Vergnügungspark und geplante Eröffnung

Die geplante Eröffnung am 1. Mai 1986

Am 26. April 1986 ereignete sich der Reaktorunfall im Kernkraftwerk Tschernobyl. Die geplante Eröffnung des Vergnügungsparks sollte fünf Tage später stattfinden. Doch bereits am folgenden Tag begann die Evakuierung von Prypjat. Sie startete um 14 Uhr und dauerte etwa drei Stunden. Rund 45.000 Menschen wurden aus der Stadt gebracht.

Der zeitliche Abstand ist knapp, aber entscheidend: Der Park stand kurz vor seinem vorgesehenen Eröffnungstermin, als der Alltag in Prypjat abrupt endete. Die Menschen verließen ihre Wohnungen zunächst in der Annahme, nur wenige Tage fortzubleiben. Eine Rückkehr fand für die meisten nicht statt. Damit blieb auch der Vergnügungspark als unvollendeter Teil des Stadtlebens zurück.

Quelle: Kernkraftwerk Tschernobyl: Unfall und Evakuierung von Prypjat | Kyiv Regional State Administration: Memory Zone

Das Riesenrad wurde nie genutzt

Das Riesenrad von Prypjat ist das bekannteste Motiv des Parks. Das Bundesamt für Strahlenschutz hält fest, dass es nie genutzt wurde. Die gelben Gondeln, der hohe Stahlrahmen und die sichtbare Lage zwischen den Bäumen machen das Rad zu einem markanten Wahrzeichen der verlassenen Stadt.

Seine Wirkung entsteht aus dem Gegensatz zwischen Zweck und Zustand: Das Riesenrad war für Vergnügen und Bewegung gedacht. In Prypjat steht es seit Jahrzehnten unbewegt in einer Stadt, deren Bewohner evakuiert wurden. Ich beschreibe deshalb gezielt, was belegt ist: Die Eröffnung war für den 1. Mai vorgesehen, und das Riesenrad kam nie zum Einsatz.

Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz: Das ungenutzte Riesenrad in Prypjat

Autoscooter, Fahrgeschäfte und verrostete Konstruktionen

Der Vergnügungspark besteht in meinen Aufnahmen nicht nur aus dem Riesenrad. Zu sehen sind auch die zurückgelassenen Autoscooter, einzelne Fahrgastschalen und weitere Fahrgeschäftkonstruktionen. Viele dieser Motive liegen zwischen Laub und Bewuchs. In den Aufnahmen aus der ehemaligen Autoscooterhalle ist das Dachgerüst noch zu erkennen, während die Wagen darunter längst nicht mehr genutzt werden.

Die Farben der Fahrzeuge sind stellenweise noch sichtbar, doch Lack und Metall sind verwittert. Manche Autoscooter stehen einzeln auf dem Boden, andere sind in Gruppen angeordnet. Bei den kleineren Fahrgeschäften wirken rostige Sitze, Streben und Plattformen inzwischen wie Bestandteile einer Ruine. Der Park zeigt damit verschiedene Stufen des Verfalls auf engem Raum.

In weiteren Bildern wird deutlich, wie die Natur den Ort verändert hat. Bäume und Sträucher wachsen zwischen den Anlagen. Rehe stehen neben einer alten Bank und vor einer verwitterten Wand. Diese Motive machen den Vergnügungspark zu mehr als einer Ansammlung rostiger Attraktionen: Sie zeigen, wie sich ein vormals gestalteter Freizeitbereich langsam in die Umgebung einfügt.

Ein verlassenes Stück Stadtgeschichte

Der Vergnügungspark ist eng mit dem Schicksal von Prypjat verbunden. Die Stadt wurde für die Beschäftigten eines großen Kernkraftwerks und ihre Familien errichtet. Innerhalb weniger Stunden wurde ein großer Teil der Bevölkerung evakuiert. Der Park bewahrt die Spuren eines Alltags, der für seine Bewohner weitergehen sollte, dann aber nicht zurückkehrte.

Für mich liegt die besondere Wirkung des Ortes im Kontrast zwischen der ursprünglichen Idee und dem heutigen Zustand. Ein Riesenrad, Autoscooter und Fahrgeschäfte stehen für Freizeit und Bewegung. In meinen Fotografien erscheinen sie still, verwittert und von Pflanzen umgeben. So dokumentiert der Park nicht nur den Verfall einzelner Anlagen, sondern auch den abrupten Abbruch eines städtischen Lebens.

Der Vergnügungspark gehört zu meiner Fotodokumentation der Sperrzone von Tschernobyl. Dort zeige ich weitere verlassene Orte aus Prypjat und der Umgebung des Kernkraftwerks.

Mein Besuch im Vergnügungspark Prypjat 2017

Ich besuchte den Vergnügungspark im Jahr 2017 während meiner Reise in die Sperrzone. Mich beschäftigten dort nicht nur das bekannte Riesenrad, sondern auch die kleineren Spuren des früheren Freizeitbetriebs: verlassene Autoscooter, einzelne Fahrgastschalen, rostige Sitze und die Vegetation, die sich ihren Weg durch das Gelände bahnt.

Meine Fotografien halten den Zustand des Parks fest, wie ich ihn damals vorgefunden habe. Sie zeigen ein Gelände, das als Ort der Erholung geplant war und dessen vorgesehene Eröffnung nie Wirklichkeit wurde. Das Riesenrad bleibt das stärkste Bildmotiv, doch erst zusammen mit den übrigen Fahrgeschäften wird sichtbar, wie viel von der geplanten Freizeitwelt in Prypjat zurückblieb.

Atmosphere / Atmosphäre
72%
Risk / Gefahr
22%
Vandalism / Vandalismus
41%
Decay / Verfall
61%

Zone, visited in 2017

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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