
Luxemburg gehört zu den kleinsten Ländern Europas. Trotzdem habe ich dort eine erstaunliche Vielfalt verlassener und außergewöhnlicher Orte gefunden. Mein Bilderarchiv umfasst zwölf Galerien mit Schlössern, Wohnhäusern, Industrieanlagen, einem verlassenen Hotel und einer historischen Mühle.
Die Fotografien entstanden während mehrerer Reisen in den Jahren 2010, 2011, 2014 und 2022. Einige der dokumentierten Gebäude wurden inzwischen abgerissen oder vollständig saniert. Dadurch bewahren die Aufnahmen heute Ansichten, die vor Ort nicht mehr existieren.
Luxemburg besitzt eine außergewöhnlich hohe Dichte historischer Burgen, Schlösser und befestigter Anlagen. Neben restaurierten Sehenswürdigkeiten existierten lange Zeit auch private Anwesen, deren Zukunft ungewiss war.
Zu meinen ältesten Aufnahmen aus Luxemburg gehören das Chateau Guinevere und das geheimnisvolle Fairytale Castle. Beide Galerien entstanden während meiner Reise im Jahr 2010.
Eine weitere Geschichte erzählt das Chateau Arabia. Das Schloss wurde 1889 errichtet und später unter anderem als Hotel sowie als private Sommerresidenz genutzt. Als ich das Anwesen 2022 dokumentierte, waren noch zahlreiche Möbel und Spuren seiner früheren Nutzung vorhanden.
Quelle zur Luxemburger Burgen- und Schlosslandschaft: Offizielles Portal des Großherzogtums Luxemburg
Besonders persönlich wirken verlassene Wohnhäuser. Anders als große Industrieanlagen erzählen sie vom Alltag einzelner Menschen und Familien. Zurückgelassene Möbel, Tapeten, Haushaltsgegenstände und persönliche Spuren lassen erahnen, wie diese Räume früher genutzt wurden.
Das Kirschenhaus und der Letzburger Bauer zeigen zwei ländlich geprägte Wohnorte. Gerade der Letzburger Bauer bot bei meinem Besuch im Jahr 2014 zahlreiche Motive und Details eines vergangenen Alltags.
Weitere Wohnhäuser dokumentierte ich in den Galerien Maison Heinen, Maison Hommel und Maison Zahles. Diese drei Häuser fotografierte ich 2011. Jedes von ihnen besaß eine eigene Atmosphäre und einen anderen Zustand des Verfalls.
Die Stahlindustrie prägte Luxemburg über Generationen und trug entscheidend zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes bei. Vor allem im Süden entstanden Bergwerke, Hochöfen, Kraftwerke und große Produktionsanlagen. Mit der Stahlkrise der 1970er-Jahre begann jedoch ein tiefgreifender Strukturwandel.
Das ehemalige Kraftwerk Central Thermique gehörte zu den eindrucksvollsten Industrieanlagen meines Luxemburger Archivs. Große Hallen, technische Einrichtungen und deutliche Spuren des Verfalls bestimmten die Atmosphäre. Ich dokumentierte das Kraftwerk 2011. Im Jahr 2016 wurde die Anlage abgerissen.
Auch die Galerie Terre Rouge erinnert an die einst bedeutende Eisen- und Stahlproduktion. Die Anlage war seit dem 19. Jahrhundert Teil der industriellen Entwicklung Luxemburgs. Nach der Stilllegung 1975 blieb sie jahrzehntelang als gewaltiges Relikt erhalten. Meine Bilder entstanden 2011, bevor die verbliebenen Gebäude 2020 abgerissen wurden.
Quellen: Die Stahlindustrie und Luxemburg und Visit Luxembourg: Industriekultur
Das Hotel Pourpre dokumentierte ich während meiner Reise im Jahr 2014. Die verlassenen Räume unterschieden sich deutlich von den privaten Wohnhäusern. Flure, Gästezimmer und gemeinschaftlich genutzte Bereiche erinnerten an einen Ort, der ursprünglich für ständig wechselnde Besucher geschaffen worden war.
Nach der Aufgabe des Betriebs blieben leere Räume und einzelne Spuren der früheren Nutzung zurück. Dadurch entstand eine stille Atmosphäre, in der sich Gastlichkeit und Verfall unmittelbar gegenüberstanden.
Mit der Mühle Surré enthält das Archiv außerdem einen Ort, dessen Geschichte nicht mit dem endgültigen Verfall endete. Bei meinem Besuch im Jahr 2014 befand sich die historische Mühle noch in einem deutlich gealterten Zustand.
Später wurde das Anwesen verkauft und 2019 umfassend saniert. Der Charakter der alten Mühle sollte dabei erhalten bleiben. Die Galerie zeigt somit einen früheren Zustand des Gebäudes und macht sichtbar, wie stark sich historische Orte innerhalb weniger Jahre verändern können.
Meine ersten Lost-Places-Fotografien aus Luxemburg entstanden 2010. Weitere Reisen folgten 2011 und 2014. Im Jahr 2022 kehrte ich erneut zurück, um das Chateau Arabia zu dokumentieren.
Besonders deutlich wurde mir in Luxemburg, wie vergänglich selbst massive Gebäude und Industrieanlagen sind. Central Thermique und Terre Rouge existieren heute nicht mehr. Die Mühle Surré wurde dagegen erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt. Genau diese unterschiedlichen Entwicklungen machen die fotografische Dokumentation so wichtig.
Einige Namen wurden zum Schutz der Orte verändert. Private Grundstücke, Absperrungen und Eigentumsrechte sind jederzeit zu respektieren. Meine Fotografien dienen ausschließlich der dokumentarischen und historischen Darstellung.