Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Taxiarchis Chapel Korfu

Die verlassene Taxiarchis Chapel auf Korfu

Hoch über dem Bergdorf Spartilas im Norden der griechischen Insel Korfu steht die Taxiarchis Chapel. Die kleine Kirchenruine liegt auf einem exponierten Abschnitt des Pantokrator-Massivs. Von ihrem Dach ist nichts mehr erhalten. Übrig geblieben sind raue Steinmauern, Reste des Putzes und erstaunlich ausdrucksstarke Wandmalereien.

Durch den offenen Innenraum fällt der Blick direkt in den Himmel. Gleichzeitig eröffnet sich von der Kapelle ein weites Panorama über die grüne Landschaft von Korfu bis zum Ionischen Meer. Gerade diese Verbindung aus verfallener Architektur und gewaltiger Landschaft verleiht dem Ort seine besondere Wirkung.

Abgelegen am Pantokrator-Massiv

Die Kapelle ist in Google Maps unter der griechischen Bezeichnung Ι.Ν. Ταξιάρχη verzeichnet. International wird sie überwiegend Taxiarchis Chapel genannt. Sie steht etwas oberhalb von Spartilas an einem steilen Berghang und gehört heute zu den markanten Punkten auf dem nördlichen Abschnitt des Corfu Trail.

Der veröffentlichte Routenverlauf führt von Spartilas über einen steilen Bergpfad zu diesem Aussichtspunkt. Anschließend verläuft der Weg weiter über das wilde Karstplateau unterhalb des Pantokrator. Der Corfu Mountain Trail beschreibt den Abschnitt von Spartilas bis Taxiarchis als ungefähr zwei Kilometer lange, mittelschwere bis schwierige Wanderung.

Durch ihre abgelegene Lage ist die Kirchenruine nur zu Fuß erreichbar. Während sich an den Küsten von Korfu zahlreiche Hotels und Ferienanlagen befinden, wirkt die Landschaft rund um Taxiarchis deutlich rauer und ursprünglicher.

Quellen: Corfu Trail: Route über Spartilas und Taxiarchis | Corfu Mountain Trail: Wanderroute Spartilas nach Taxiarchis | Google Maps: Ι.Ν. Ταξιάρχη

Was über die Geschichte bekannt ist

Ein exaktes Baujahr der Taxiarchis Chapel auf Korfu lässt sich derzeit nicht seriös belegen. Ebenso fehlen verlässliche Angaben dazu, wann die Kapelle aufgegeben wurde und wodurch ihr Dach verloren ging.

Im Internet kursiert eine sehr frühe Datierung der Kirche. Dafür konnte ich jedoch keine belastbare archäologische oder kirchliche Quelle finden. Deshalb verzichte ich bewusst darauf, der Ruine eine vermeintlich genaue Entstehungszeit zuzuschreiben.

Der Name Taxiarchis wird im griechisch-orthodoxen Zusammenhang mit den himmlischen Heerführern verbunden. Aktuelle Beschreibungen ordnen die Kapelle den Erzengeln Michael und Gabriel zu. Kleine Heiligenbilder und Spuren von Kerzen zeigen, dass Menschen den Ort weiterhin aus religiösen Gründen aufsuchen.

Die Kirchenruine ist deshalb baulich verlassen, aber nicht vollständig aus dem spirituellen Gedächtnis der Region verschwunden.

Quellen: Komoot: Widmung und religiöse Nutzung der Taxiarchis Chapel | Google Maps: Fotografien des Altarbereichs

Fresken unter freiem Himmel

Die kleine, einschiffige Kapelle besteht aus grob gesetztem Naturstein, der ursprünglich großflächig verputzt war. Besonders eindrucksvoll ist der ehemalige Altarbereich. In der gewölbten Nische sind noch Reste farbiger Fresken und ornamentaler Bänder zu erkennen.

Manche Figuren lassen sich nur noch erahnen. Andere Farbfelder heben sich überraschend deutlich vom brüchigen Untergrund ab. Trotz des schlechten Zustandes vermitteln die erhaltenen Fragmente einen Eindruck davon, wie aufwendig der Innenraum ursprünglich gestaltet gewesen sein muss.

Seit dem Verlust des Daches sind die Malereien Regen, Sonne und Wind unmittelbar ausgesetzt. Feuchtigkeit dringt in den Putz ein, während Temperaturwechsel weitere Teile von den Wänden lösen.

Mehrere Wanderbeschreibungen erwähnen die offen liegenden Wandmalereien ausdrücklich. Walks Worldwide beschreibt Taxiarchis als ruinierte Kapelle mit freskenbedeckten Wänden am Beginn des wilden Bergabschnitts. Auch bei Komoot wird auf die unterschiedlich gut erhaltenen Malereien hingewiesen.

Quellen: Walks Worldwide: Fresken der Taxiarchis Chapel | Komoot: Erhaltene Wandmalereien der Kirchenruine

Der fortschreitende Verfall

Der Verfall wirkt hier weniger wie das Ergebnis gezielter Zerstörung. Vielmehr trägt die Witterung Schicht für Schicht ab. Das fehlende Dach lässt Regenwasser ungehindert in die Mauern und den verbliebenen Putz eindringen.

Die oberen Bereiche des Mauerwerks sind besonders stark beschädigt. Einzelne Steine haben sich bereits gelöst, während an anderen Stellen nur noch dünne Putzschichten erhalten sind. Auch die Fresken verlieren durch Feuchtigkeit und Sonneneinstrahlung zunehmend ihre Farben.

Gerade deshalb ist der Ort besonders empfindlich. Die verbliebenen Malereien sollten weder berührt noch für Fotografien verändert werden. Was heute noch sichtbar ist, kann ohne Sicherungsmaßnahmen innerhalb weniger Jahre weiter verblassen.

Quellen: Komoot: Zustand der Taxiarchis Chapel | Google Maps: Aktuelle Aufnahmen der Kirchenruine

Zwischen Lost Place und Erinnerungsort

Baulich ist die Taxiarchis Chapel eindeutig eine Ruine. Trotzdem ist sie kein vollständig vergessener Ort. Wanderer erreichen sie über den Corfu Trail und lokale Touren nutzen die Kapelle als Aussichtspunkt.

Die griechische Lokalzeitung Enimerosi nannte Taxiarchis im Jahr 2022 als Ziel einer Vollmondwanderung von Spartilas. Dabei wurde besonders die Panoramaaussicht der Kapelle hervorgehoben. Auch der aktuelle Google-Maps-Eintrag mit Fotografien und Besucherbewertungen zeigt, dass die Ruine weiterhin regelmäßig aufgesucht wird.

Gelegentlich werden noch Kerzen, kleine Bilder oder andere religiöse Gegenstände im ehemaligen Altarbereich abgelegt. Dadurch wirkt die Kapelle nicht wie ein vollkommen aufgegebener Ort. Vielmehr scheint ihre religiöse Bedeutung in einer reduzierten Form weiterzubestehen.

Genau dieser Zwischenzustand macht den Ort so besonders. Die Kirche hat ihre ursprüngliche Funktion verloren, doch ein Rest ihrer spirituellen Bedeutung ist geblieben. Zwischen den offenen Mauern treffen religiöse Erinnerung, fortschreitender Verfall und die gewaltige Landschaft des Pantokrator aufeinander.

Quellen: Enimerosi: Vollmondwanderung zur Taxiarchis Chapel | Corfu Trail: Taxiarchis als Wanderziel | Google Maps: Aktuelle Besucherinformationen

Mein Besuch 2026

Bei meinem Besuch im Jahr 2026 war es vor allem der offene Himmel über dem ehemaligen Kirchenraum, der mich beeindruckte. Die klare Grenze zwischen Gebäude und Landschaft existiert nicht mehr. Licht, Wolken und Wind sind längst Teil der Architektur geworden.

Besonders lange blieb ich vor den verblassten Fresken stehen. Obwohl große Teile bereits verschwunden sind, besitzen die erhaltenen Fragmente noch immer eine starke Wirkung. Gleichzeitig zeigten die kleinen religiösen Zeichen im Altarbereich, dass dieser Ort nicht vollkommen aufgegeben wurde.

Für mich war die Taxiarchis Chapel deshalb mehr als eine verlassene Kirche. Sie ist eine fragile Hülle, in der Glaube, Erinnerung und Natur noch immer nebeneinander existieren.

Atmosphere / Atmosphäre
95%
Risk / Gefahr
13%
Vandalism / Vandalismus
13%
Decay / Verfall
85%

Greece, visited in 2026

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