Mitten in Triesenberg in Liechtenstein steht unmittelbar am Mühli-Bleikabach ein kleines historisches Maschinenhaus. Im Inneren haben sich schwere Rohrleitungen, Absperrschieber, große Riemenscheiben und Reste elektrischer Maschinentechnik erhalten. Heute ist die Anlage außer Betrieb, doch ihre Geschichte ist eng mit der jahrhundertelangen Nutzung der Wasserkraft in Triesenberg verbunden.
Die Gemeinde Triesenberg beschreibt den Mühli-Bleikabach als ein Gewässer, das die Entwicklung des Ortes wesentlich geprägt hat. Entlang des Bachs befanden sich eine Mühle, eine Sägerei und später auch ein kleines Kraftwerk. Damit diente das Wasser nicht nur dem traditionellen Gewerbe, sondern schließlich ebenso der Erzeugung elektrischer Energie.
Quelle: Gemeinde Triesenberg: Geschichte des Mühli-Bleikabachs
Die Nutzung der Wasserkraft in Triesenberg reicht weit zurück. Der Mülbach ist bereits seit 1482 urkundlich belegt. Für das Jahr 1515 ist eine herrschaftliche Mühle dokumentiert. Zu ihr gehörten eine Gerstenstampfe sowie Einrichtungen zur Verarbeitung von Hanf und Flachs.
Spätestens 1767 existierte außerdem eine Brettsäge. Zusammen mit einer 1770 erwähnten Gerberei entwickelte sich entlang des Bachs ein kleines historisches Gewerbegebiet. Wasser war damit über Jahrhunderte eine wichtige Energiequelle für verschiedene Betriebe in Triesenberg.
Die liechtensteinische Denkmalpflege erwähnt außerdem einen historischen Mühlenbetrieb mit Sägerei, dessen Entwicklung bis in das frühe 19. Jahrhundert zurückreicht.
Quellen: Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein: Triesenberg | Denkmalpflege Liechtenstein
Auch die Familie Frommelt ist eng mit der Geschichte des Standorts verbunden. Nach Angaben der Gemeinde Triesenberg befindet sich die sogenannte Mühli-Liegenschaft seit 1820 im Besitz der Familie Frommelt.
Historische Unterlagen nennen zudem die Litze-Säge, die über einen langen Zeitraum betrieben wurde und mit der Mühle der Familie Frommelt verbunden war.
Damit gehörten Mühle, Säge und die Nutzung der Wasserkraft über viele Generationen zur technischen und wirtschaftlichen Geschichte dieses Teils von Triesenberg.
Quellen: Gemeinde Triesenberg: Korrigendum zur Geschichte der Mühli-Liegenschaft | eLiechtensteinensia: Historische Übersicht der Triesenberger Sägereien
Mit der Elektrifizierung erhielt die vorhandene Wasserkraft eine völlig neue Aufgabe. Statt ausschließlich Mühle und Sägerei mechanisch anzutreiben, konnte die Energie des Wassers nun auch zur Erzeugung von elektrischem Strom genutzt werden.
Die Gemeinde Triesenberg bestätigt ausdrücklich, dass sich am Mühli-Bleikabach neben Mühle und Sägerei auch ein kleines Kraftwerk befand.
Darüber hinaus konnte sich die Mühli-Liegenschaft über mehrere Jahrzehnte selbst mit elektrischer Energie versorgen. Wann diese Stromerzeugung genau begann, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei feststellen. Nach Angaben der Gemeinde kommen bereits die 1910er Jahre infrage. Spätestens zu Beginn der 1920er Jahre bestand jedoch eine eigene Stromversorgung.
Damit entstand hier bereits in einer frühen Phase der Elektrifizierung eine private Wasserkraftanlage.
Quellen: Gemeinde Triesenberg: Mühli-Bleikabach | Gemeinde Triesenberg: Ergänzungen zur Geschichte der Stromerzeugung
Besonders auffällig sind im Inneren des Maschinenhauses die großen gusseisernen Riemenscheiben. Über breite Flachriemen konnte die Drehbewegung einer zentralen Maschine auf weitere Aggregate übertragen werden. Solche Transmissionen waren typisch für ältere industrielle Anlagen, bevor nahezu jede Maschine einen eigenen Elektromotor erhielt.
Daneben verlaufen massive Rohrleitungen mit großen Absperrschiebern durch das Gebäude. Mit diesen Vorrichtungen ließ sich der Wasserstrom regulieren oder vollständig unterbrechen.
Weitere erhaltene Bauteile lassen sich als Reste historischer elektrischer Maschinentechnik erkennen. Bei einem teilweise geöffneten Aggregat sind noch Komponenten des inneren Aufbaus sichtbar. Zusammen mit der historisch belegten Stromerzeugung liegt deshalb nahe, dass zumindest ein Teil der erhaltenen Technik zu einem Generator oder einer mit der Wasserkraft verbundenen elektrischen Maschine gehörte.
Die grundsätzliche Funktionsweise der Anlage dürfte folgendermaßen ausgesehen haben:
Mühli-Bleikabach → Wasserzuführung → Wasserkraftmaschine → Riemenantrieb → Generator → elektrische Energie
Welche Turbinenbauart tatsächlich verwendet wurde und welcher Hersteller die elektrischen Maschinen lieferte, konnte bisher nicht eindeutig festgestellt werden. Auf meinen Fotografien ist kein sicher lesbares Typenschild erkennbar. Deshalb verzichte ich bewusst darauf, die Anlage einer bestimmten Turbinenbauart zuzuordnen.
Der Standort zeigt anschaulich, wie sich die Nutzung der Wasserkraft über Generationen veränderte. Zunächst lieferte das Wasser mechanische Energie für traditionelle Gewerbe wie Mühle und Sägerei. Mit der Elektrifizierung konnte dieselbe Energiequelle schließlich zusätzlich einen Generator antreiben.
Historische Quellen nennen unterschiedliche Zeitpunkte für das Ende einzelner Nutzungen. Für die Litze-Säge wird beispielsweise ein Betrieb bis 1955 genannt. Andere historische Angaben reichen für die wasserbetriebenen Gewerbe noch weiter in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Das muss nicht zwangsläufig ein Widerspruch sein. Möglich ist, dass einzelne Bereiche des Ensembles zu unterschiedlichen Zeitpunkten stillgelegt wurden. Ohne zusätzliche Archivunterlagen lässt sich der genaue Ablauf derzeit nicht vollständig rekonstruieren.
Quellen: eLiechtensteinensia: Historische Übersicht der Sägereien | Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein
Heute hat sich das Erscheinungsbild des Maschinenhauses vollständig verändert. Rost bedeckt Riemenscheiben, Rohrleitungen und Maschinen. Feuchtigkeit greift das Mauerwerk an, während Pflanzen bereits bis in das Gebäude vordringen.
Trotzdem ist erstaunlich viel der historischen Technik erhalten geblieben. Die großen Transmissionen befinden sich noch an ihrem Platz, Rohrleitungen führen weiterhin durch das Gebäude und einzelne Aggregate liegen teilweise geöffnet oder zerlegt im Raum.
Gerade dieser Zustand macht die Anlage besonders interessant. Noch immer lässt sich erkennen, wie Wasser, Mechanik und Elektrizität miteinander verbunden waren.
Von außen wirkt das kleine Gebäude dagegen beinahe unscheinbar. Direkt daneben verläuft der Mühli-Bleikabach den Hang hinunter. Gleichzeitig öffnet sich hinter dem Maschinenhaus der Blick über das Rheintal und die umliegende Berglandschaft.
Bei meinem Besuch 2026 wusste ich zunächst nicht, welche Funktion dieses kleine Gebäude einmal erfüllt hatte. Seine Lage direkt am Wasser und die massive Technik im Inneren ließen zunächst an ein Pumpenhaus oder einen Teil der historischen Mühle denken.
Schon beim Betreten des Maschinenraums dominierten die großen Riemenscheiben den Raum. Daneben verliefen schwere Leitungen mit gewaltigen Handrädern durch das Gebäude. Auf dem Boden lagen Teile alter elektrischer Maschinen, während Pflanzen bereits zwischen Fundamenten und Technik wuchsen.
Erst die spätere Recherche zum Mühli-Bleikabach brachte die einzelnen Hinweise zusammen. Die Gemeinde Triesenberg nennt neben der historischen Mühle und Sägerei ausdrücklich ein kleines Kraftwerk. Gleichzeitig dokumentieren historische Quellen die Nutzung der Wasserkraft in diesem Gebiet über mehrere Jahrhunderte.
Damit wurde aus einem zunächst schwer einzuordnenden Maschinenraum für mich ein besonders interessantes Stück Liechtensteiner Technikgeschichte. Zwischen Rost, Wasser und überwucherten Maschinen haben sich die Spuren einer Zeit erhalten, in der ein kleiner Gebirgsbach zunächst Mühle und Säge antrieb und später sogar elektrische Energie erzeugte.
Quellen: Gemeinde Triesenberg | Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein
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