Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Manicomio di Colorno: Psychiatriegeschichte und Lost Place bei Parma

Das Ospedale Psichiatrico Provinciale di Parma in Colorno, bekannt als Manicomio di Colorno, war eine psychiatrische Einrichtung in Colorno bei Parma. Für das Krankenhaus wurden Teile des ehemaligen Herzogspalastes, der Reggia di Colorno, und des angrenzenden Dominikanerklosters umgenutzt. Es entstand ein weitläufiger Komplex aus verschiedenen Gebäuden, Innenhöfen und Verbindungen.

Das Ensemble ist nicht vollständig verlassen: Ein wissenschaftliches Gebäudeinventar verzeichnet unterschiedliche soziale, schulische und kulturelle Nutzungen sowie teilweise leerstehende Bereiche. Meine Fotografien zeigen verlassene Räume, die ich bei meinem Besuch 2022 vorfand.

Quellen: Gli Spazi della Follia: Ospedale psichiatrico provinciale di Parma in Colorno | Il Resto del Carlino: Manicomio di Colorno

Von Parma nach Colorno: Die Anfänge

Die psychiatrische Versorgung in Parma begann lange vor dem Umzug nach Colorno. Unter Maria Luigia wurde 1819 im ehemaligen Kloster San Francesco di Paola ein Krankenhaus eröffnet. Ein herzoglicher Erlass erklärte es 1822 zum zentralen Krankenhaus für psychisch erkrankte Menschen im Herzogtum. Die Einrichtung erwies sich bald als zu klein.

Nachdem die Provinzverwaltung 1865 die Verantwortung für die Versorgung übernommen hatte, suchte sie nach einer größeren Unterkunft. Als 1873 eine Choleraepidemie Parma traf, wurden die Patientinnen und Patienten zunächst provisorisch in den ehemaligen Herzogspalast und das benachbarte Dominikanerkloster nach Colorno verlegt. Am 5. September 1877 beschloss der Provinzrat, die Gebäude dauerhaft als psychiatrisches Krankenhaus zu nutzen. Aus einer vorläufigen Lösung wurde so ein Standort, der die Geschichte Color nos über ein Jahrhundert prägte.

Quellen: Aspi, Università degli Studi di Milano-Bicocca: Geschichte des Krankenhauses | Ministero della Cultura: Ex-Convento und ehemaliges Krankenhaus

Palast, Kloster und ein System der Kontrolle

Der erste Direktor, Lorenzo Monti, und der Provinzingenieur Gaetano Castelli planten die Umgestaltung der vorhandenen Gebäude. Monti orientierte sich an einem französischen Modell: Die Abteilungen wurden nach Geschlecht, Krankheitsbild und damaliger Einschätzung der Behandelbarkeit gegliedert. Innenhöfe dienten den Aufenthalten im Freien, Verbindungsgänge verknüpften die einzelnen Bereiche und erleichterten zugleich die Überwachung.

Monti verfolgte auch reformerische Ansätze. Er wollte Arbeitstherapie einführen und eine Schule für Patientinnen und Patienten ohne Lese- und Schreibkenntnisse einrichten. Die knappen finanziellen Mittel standen diesen Plänen jedoch entgegen. Über Jahrzehnte wurde der Komplex immer wieder angepasst und erweitert. Die Umbauten waren keine einmalige Modernisierung, sondern eine fortlaufende Reaktion auf die räumlichen und technischen Probleme der Anlage.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Teile des Krankenhauses durch Bomben beschädigt und bis 1948 wiederhergestellt. In Berichten des späteren Direktors Luigi Tomasi finden sich weiterhin gravierende Mängel an Wasser-, Sanitär-, Abwasser-, Strom- und Heizungsanlagen. Die alte Bausubstanz blieb eine Herausforderung für die Versorgung der Menschen, die dort lebten.

Quellen: Gli Spazi della Follia: Baugeschichte und Organisation | Aspi: historische Entwicklung und Berichte zur Versorgung

Protest, Reform und die späte Schließung

Ab Mitte der 1960er-Jahre wurde Colorno zu einem wichtigen Ort der italienischen Reformbewegung in der Psychiatrie. Der Provinzpolitiker Mario Tommasini setzte sich für eine Öffnung der Einrichtung und andere Formen der Unterstützung ein. Im Februar und März 1969 besetzten Studierende das Krankenhaus mehr als einen Monat lang. Sie kritisierten die Zustände und forderten Veränderungen im Umgang mit den Patientinnen und Patienten.

Von September 1970 bis März 1971 leitete der Psychiater Franco Basaglia das Krankenhaus. Die Veränderung der psychiatrischen Versorgung vollzog sich danach schrittweise: Unter der Leitung von Ferruccio Giacanelli wurden die Anstaltsversorgung zurückgebaut und dezentrale Angebote im Umland aufgebaut. Das Gesetz 180 von 1978 markierte einen entscheidenden Einschnitt, bedeutete aber nicht, dass Colorno sofort schloss. Die endgültige Schließung des Krankenhauses erfolgte erst 1997.

Quellen: Aspi: Tommasini, Basaglia und die De-Institutionalisierung | Università di Parma: Geschichte und endgültige Schließung | AUSL Parma: Reformbewegung und Schließung

1000 Shadows: Kunst und Erinnerung

2013 gestaltete der brasilianische Künstler Herbert Baglione im ehemaligen Krankenhaus das Projekt „1000 Shadows“. Die langgezogenen schwarzen Figuren scheinen sich von Stühlen aus über Wände und Böden auszubreiten. Die Kunstwerke wurden später zu einem prägenden Teil der fotografischen Wahrnehmung des Ortes.

In meinem Bild steht ein leerer Rollstuhl vor einer dieser dunklen Figuren. Die Verbindung aus Kunst, beschädigter Wand und zurückgelassenem Gegenstand lenkt den Blick auf die Geschichte der Einrichtung und der Menschen, die dort untergebracht waren. Für mich ist das Motiv deshalb mehr als eine düstere Kulisse.

Quellen: Kulturkatalog Emilia-Romagna: Werke von Herbert Baglione in Colorno | Il Cappello di Carta: „1000 Shadows“ in Colorno

Mein Besuch 2022

Ich besuchte das Manicomio di Colorno 2022. In einem der verlassenen Räume traf ich auf einen Rollstuhl, abgeblätterten Putz und die schwarzen Schattenfiguren an der Wand. Der Kontrast hat sich mir besonders eingeprägt: Ein Gegenstand aus dem früheren Klinikalltag steht vor einem Kunstwerk, das sich mit der Erinnerung an diesen Ort verbindet.

Ich möchte die Geschichte des ehemaligen Krankenhauses nicht auf den Gruseleffekt eines Lost Place reduzieren. Die Räume erzählen auch von institutioneller Unterbringung, den Menschen, die hier lebten, und dem langen Wandel der psychiatrischen Versorgung.

Atmosphere / Atmosphäre
53%
Risk / Gefahr
11%
Vandalism / Vandalismus
35%
Decay / Verfall
59%

Italy, visited in 2022

Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.

This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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