Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Krankenhaus Pripjat: Stadtkrankenhaus Nr. 126

Das Krankenhaus Pripjat, auch als Stadtkrankenhaus Nr. 126 oder MSCh-126 bekannt, versorgte die Bewohner der sowjetischen Planstadt und Beschäftigte des nahe gelegenen Kernkraftwerks Tschernobyl. Nach dem Reaktorunfall vom 26. April 1986 wurde das Hospital zu einem zentralen Schauplatz der Katastrophe.

Das Stadtkrankenhaus Nr. 126

Pripjat war als moderne Stadt für die Beschäftigten des Kernkraftwerks und ihre Familien geplant worden. Das Krankenhaus verfügte über verschiedene Stationen, Behandlungsräume und eine geburtshilfliche Abteilung.

Auf dem Dach befand sich die weithin sichtbare Aufschrift „Здоров’я народу – багатство країни“. Übersetzt bedeutet sie sinngemäß: „Die Gesundheit des Volkes ist der Reichtum des Landes.“ Nach der Evakuierung von Pripjat blieb dieser optimistische Leitsatz über dem verlassenen Krankenhaus zurück.

Quelle: The Chernobyl Gallery: Pripyat Hospital

Die Nacht der Reaktorkatastrophe

Nach der Explosion von Reaktorblock 4 wurden verletzte Kraftwerksmitarbeiter und Feuerwehrleute zunächst in das Krankenhaus von Pripjat gebracht. Viele Einsatzkräfte hatten den Reaktorbrand bekämpft, ohne das tatsächliche Ausmaß der Strahlenbelastung zu kennen.

Bei den unmittelbar am Kraftwerk eingesetzten Menschen wurden später insgesamt 134 Fälle einer akuten Strahlenkrankheit bestätigt. 28 Betroffene starben innerhalb der ersten drei Monate. Diese Zahlen beziehen sich auf die diagnostizierten Einsatzkräfte und Beschäftigten insgesamt, nicht ausschließlich auf Patienten des Krankenhauses Nr. 126.

Quellen: UNSCEAR: The Chornobyl Accident | The Chernobyl Gallery: Hospital in Pripyat

Der radioaktiv belastete Keller

Der Keller des Krankenhauses wurde bekannt, weil dort Kleidungsstücke und Ausrüstung der zuerst eingelieferten Feuerwehrleute abgelegt wurden. Dazu gehörten unter anderem Stiefel, Helme, Handschuhe und Schutzkleidung.

An diesen Gegenständen hafteten radioaktive Partikel vom Unfallort. Deshalb gilt der Keller als einer der gefährlichsten Bereiche des Gebäudes. Er ist kein gewöhnliches Urbex-Motiv und sollte wegen der möglichen Strahlenbelastung nicht betreten werden.

Quelle: The Chernobyl Gallery: Kontaminierte Ausrüstung im Krankenhauskeller

Das verlassene Krankenhaus von Pripjat

Nach der Evakuierung der Stadt wurde auch das Krankenhaus aufgegeben. Zurück blieben lange Korridore, Behandlungszimmer, Patientensäle und medizinische Einrichtungen. Feuchtigkeit, zerbrochene Fenster und eindringende Vegetation veränderten das Gebäude über die folgenden Jahrzehnte.

Das Hospital 126 in Pripyat wurde dadurch zu einem Sinnbild für die abrupt beendete Normalität der Stadt. Gerade der Gegensatz zwischen medizinischer Versorgung und den Folgen der Reaktorkatastrophe verleiht dem Gebäude seine besondere historische Bedeutung.

Mein Besuch 2017

Ich besuchte das Krankenhaus Pripjat im Jahr 2017. In den langen Korridoren und ehemaligen Behandlungsräumen lagen noch Spuren der früheren medizinischen Nutzung. Gleichzeitig waren Verfall und Feuchtigkeit überall sichtbar.

Besonders eindrucksvoll war für mich der Widerspruch zwischen dem ursprünglichen Versprechen des Gebäudes, Menschen zu heilen, und seiner Rolle während der Katastrophe von Tschernobyl. Meine Fotografien dokumentieren das Krankenhaus so, wie ich es mehr als drei Jahrzehnte nach der Evakuierung vorgefunden habe.

Wegen der weiterhin bestehenden Gefahren innerhalb der Sperrzone gehören Strahlenschutz, behördliche Vorgaben und die Anweisungen autorisierter Begleiter unbedingt beachtet. Besonders der kontaminierte Keller ist kein sicherer Besichtigungsort.

Atmosphere / Atmosphäre
83%
Risk / Gefahr
39%
Vandalism / Vandalismus
31%
Decay / Verfall
61%

Zone, visited in 2017

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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