Das Hotel Straubinger in Bad Gastein gehörte zu den bekanntesten verlassenen Grand Hotels Österreichs. Direkt neben dem tosenden Gasteiner Wasserfall erinnerte das leer stehende Gebäude über viele Jahre an die glanzvolle Vergangenheit des traditionsreichen Kurortes.
Meine Fotografien entstanden 2014, als das historische Hotel noch verlassen war. Damals führte ich es in meinem Bilderarchiv unter dem Projektnamen Grand Hotel Classique. Inzwischen hat sich die Geschichte entscheidend verändert: Nach einer umfangreichen Sanierung wurde das Straubinger Grand Hotel am 1. September 2023 wiedereröffnet.
Diese Galerie dokumentiert deshalb keinen gegenwärtigen Lost Place mehr. Sie zeigt einen abgeschlossenen Abschnitt in der Geschichte des Hotels und den Zustand des Gebäudes fast zehn Jahre vor seiner Wiedereröffnung.
Quellen: SalzburgerLand: Renaissance in Bad Gastein | BWM Designers & Architects: Grand Hotel Straubinger
Die Geschichte des Standorts reicht wesentlich weiter zurück als das heutige Hotelgebäude. Bereits im frühen 16. Jahrhundert befand sich am Wasserfall eine Taverne. Die Familie Straubinger war über mehrere Jahrhunderte eng mit dem Anwesen und der Entwicklung Bad Gasteins verbunden.
Das neue Hotel Straubinger wurde zwischen 1840 und 1843 errichtet. Seine direkte Lage am Wasserfall und die zunehmende Bedeutung Bad Gasteins als europäischer Kurort machten es zu einem der gesellschaftlichen Zentren des Ortes.
Gemeinsam mit der späteren Dependance Haus Austria verfügte der Hotelkomplex zeitweise über ungefähr 200 Zimmer. Damit gehörte das Straubinger zu den größten und bedeutendsten Hotels in Bad Gastein.
Quellen: Salzburgwiki: Grandhotel Straubinger | SalzburgerLand: Hotel Straubinger
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Bad Gastein zu einem international bekannten Kurort. Thermalwasser, Alpenlandschaft und repräsentative Hotelbauten zogen den europäischen Adel, Politiker, Künstler und wohlhabende Reisende an.
Das Hotel Straubinger lag im Mittelpunkt dieser Entwicklung. Der mehrgeschossige Bau am Straubingerplatz vermittelte den Anspruch eines klassischen Grand Hotels. Große Gesellschaftsräume, elegante Treppen und die unmittelbare Aussicht auf den Wasserfall prägten das Anwesen.
Im Laufe seiner Geschichte wurde der Gebäudekomplex mehrfach erweitert und umgestaltet. Ein neuer Speisesaal und weitere Fremdenzimmer kamen hinzu. Auch die Fassade wurde dem wachsenden repräsentativen Anspruch des Hotels angepasst.
Quellen: Salzburgwiki: Geschichte des Grandhotels | SalzburgerLand: Historisches Bad Gastein
Das Hotel Straubinger war nicht nur ein Ort für Kurgäste. Im Jahr 1865 wurde hier europäische Geschichte geschrieben. Vertreter Österreichs und Preußens verhandelten und unterzeichneten im Hotel die sogenannte Gasteiner Konvention.
Das Abkommen regelte vorübergehend die Verwaltung der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg nach dem Deutsch-Dänischen Krieg. Österreich übernahm die Verwaltung Holsteins, während Preußen Schleswig verwaltete. Die Vereinbarung konnte den Konflikt zwischen den beiden Großmächten jedoch nicht dauerhaft lösen.
Nur ein Jahr später standen sich Österreich und Preußen im Deutschen Krieg von 1866 gegenüber. Die Unterzeichnung der Konvention gehört dennoch zu den bedeutendsten Ereignissen in der Geschichte des Hotels.
Quellen: Encyclopaedia Britannica: Gastein Convention | Salzburgwiki: Hotel Straubinger
Mit dem Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie verlor Bad Gastein einen Teil seiner traditionellen adeligen Kundschaft. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Straubinger-Komplex als Lazarett genutzt.
Nach Kriegsende richteten die amerikanischen Militärbehörden dort zeitweise ein Durchgangslager für jüdische Displaced Persons ein. Anschließend wurde das Hotel renoviert und 1948 wieder für Gäste geöffnet.
Im Jahr 1980 endete die jahrhundertelange Verbindung mit der Familie Straubinger. Danach wurde das Gebäude noch als Kurhotel für öffentlich Bedienstete genutzt. Im Juli 1999 stellte das Hotel seinen Betrieb schließlich ein.
Quellen: Salzburgwiki: Grandhotel Straubinger | SalzburgerLand: Wiederbelebung des Straubingerplatzes
Nach der Schließung begann eine lange Phase des Leerstands. Während andere Bereiche Bad Gasteins weiterhin zahlreiche Besucher anzogen, verfielen einige der prominentesten Gebäude direkt im historischen Zentrum.
Das Hotel Straubinger wurde zum Sinnbild dieses Widerspruchs. Draußen rauschte der Wasserfall an den Fassaden vorbei, während im Inneren große Säle, Treppenhäuser und Gästezimmer ungenutzt blieben. Feuchtigkeit, Staub und abblätternde Oberflächen veränderten das Erscheinungsbild des einstigen Luxushotels.
Trotz des Leerstands waren zahlreiche historische Details erhalten geblieben. Gerade diese Verbindung aus repräsentativer Architektur und sichtbarem Verfall machte das Hotel zu einem der außergewöhnlichsten Lost Places in den österreichischen Alpen.
Quellen: ORF Salzburg: Revitalisierung von Bad Gastein | Salzburgwiki: Leerstand und Verfall
Im Jahr 2017 erwarb das Land Salzburg vorübergehend das Hotel Straubinger, das Badeschloss und das ehemalige Postamt. Damit sollte eine Lösung für den jahrelangen Stillstand im historischen Zentrum ermöglicht werden.
Die Gebäude wurden anschließend von der Hirmer-Gruppe übernommen. Nach den notwendigen Planungen und Genehmigungen begannen umfangreiche Arbeiten zur Revitalisierung des gesamten Ensembles.
Für die Gestaltung des Hotels war das Wiener Büro BWM Designers & Architects verantwortlich. Ziel war es, historische Bauteile zu bewahren und gleichzeitig einen modernen Hotelbetrieb zu ermöglichen.
Quellen: ORF Salzburg: Start der Revitalisierung | BWM Designers & Architects: Sanierungsprojekt
Während der Restaurierung wurden erhaltene Elemente nicht vollständig durch moderne Oberflächen ersetzt. Historische Türen, Wandverkleidungen, Stuckdecken und Teile des Parketts konnten in die neue Gestaltung integriert werden.
Unter jüngeren Wandverkleidungen entdeckte Farbtöne dienten als Vorlage für das neue Farbkonzept. Auch alte Malereien und vergoldete Details wurden freigelegt oder rekonstruiert. Dadurch blieb ein Teil der sichtbaren Geschichte des Gebäudes erhalten.
Das heutige Hotel verfügt über 46 individuell gestaltete Zimmer und Suiten. Damit unterscheidet sich die neue Nutzung deutlich vom früheren Großhotel mit seinem wesentlich umfangreicheren Zimmerangebot.
Quellen: BWM Designers & Architects: Gestaltung und Restaurierung | A-ROSA: Straubinger Grand Hotel Bad Gastein
Nein, das Hotel Straubinger ist heute kein Lost Place mehr. Es wurde am 1. September 2023 wiedereröffnet und wird erneut als Grand Hotel betrieben. Die Räume aus meinen Fotografien wurden restauriert, verändert oder in die heutige Nutzung integriert.
Die Bezeichnung Lost Place trifft deshalb ausschließlich auf den Zeitraum zwischen der Schließung 1999 und dem Beginn der Sanierung zu. Meine Aufnahmen besitzen heute einen dokumentarischen Wert, weil sie das Hotel in einer Phase zeigen, die nicht mehr existiert.
Quellen: SalzburgerLand: Wiedereröffnung 2023 | Offizielle Seite des Straubinger Grand Hotels
Weitere Aufnahmen historischer Hotelruinen findest du auf meiner Seite über Lost Places in Österreich. Entdecke außerdem das Grand Hotel Sissi, das verlassene Hotel Mirabell und das Hotel Gelber Adler.
Ich besuchte das verlassene Hotel Straubinger im Jahr 2014. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, dass das Gebäude Jahre später tatsächlich gerettet und wieder als Hotel eröffnet werden würde.
Besonders beeindruckend war der Kontrast zwischen der Lage und dem Zustand des Innenraums. Unmittelbar neben dem Gebäude stürzte der Gasteiner Wasserfall durch den Ort. Hinter den historischen Mauern herrschte dagegen eine fast vollständige Stille.
Die großen Säle, langen Flure und erhaltenen architektonischen Details ließen den früheren Glanz noch erkennen. Gleichzeitig waren die Spuren des jahrelangen Leerstands überall sichtbar. Meine Fotografien dokumentieren diesen vergänglichen Zustand des Hotels vor seiner Sanierung.
Ort: Bad Gastein, Österreich
Besucht: 2014
Status heute: Restauriert und seit 2023 wieder als Hotel geöffnet
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.