Das Fort Ricasoli auf Malta erhebt sich an der Einfahrt zum Grand Harbour gegenüber von Valletta. Die gewaltige Festungsanlage wurde vom Johanniterorden errichtet und zählt zu den größten historischen Befestigungen der Insel.
Obwohl Teile des Forts verfallen sind, wurde es nie vollständig aufgegeben. Heute treffen hier jahrhundertealte Militärarchitektur, moderne Filmproduktionen und umfangreiche Restaurierungsarbeiten aufeinander.
Fort Ricasoli liegt auf einer Landzunge bei Kalkara, die früher als Gallows’ Point bekannt war. Gemeinsam mit Fort St. Elmo auf der gegenüberliegenden Seite kontrollierte die Anlage die strategisch wichtige Zufahrt zum Grand Harbour von Malta.
Bereits während der Großen Belagerung von Malta im Jahr 1565 nutzten osmanische Truppen die Landzunge als Standort für eine Artilleriebatterie. Später entstanden dort eine kleinere Batterie und der San-Petronio-Turm.
Quelle: UNESCO World Heritage Centre – Knights’ Fortifications around the Harbours of Malta
Nach dem Fall Kretas wuchs auf Malta erneut die Angst vor einem Angriff des Osmanischen Reiches. Großmeister Nicolas Cotoner beauftragte deshalb den italienischen Militäringenieur Antonio Maurizio Valperga mit der Planung einer neuen Festung.
Der florentinische Ritter Giovanni Francesco Ricasoli unterstützte den Bau mit einer bedeutenden Geldsumme. Als Anerkennung erhielt die Festung seinen Namen. Der Grundstein wurde am 15. Juni 1670 gelegt. Nach mehreren Erweiterungen und Veränderungen wurde Fort Ricasoli 1698 offiziell fertiggestellt und bewaffnet.
Die Anlage folgt der Form der Küste und besteht aus mächtigen Bastionen, Kurtinen, Kasematten, Gräben und vorgelagerten Verteidigungswerken. Als Baumaterial diente der für Malta typische helle Kalkstein.
Quelle: University of Malta – Fort Ricasoli
Während der französischen Invasion Maltas im Jahr 1798 widerstand Fort Ricasoli zunächst mehreren Angriffen. Erst nach der offiziellen Kapitulation des Johanniterordens wurde die Festung an die französischen Truppen übergeben.
Im Jahr 1807 ereignete sich innerhalb der Mauern die Froberg-Meuterei. Aufständische Soldaten verschanzten sich im Fort und sprengten schließlich ein Pulvermagazin. Die Explosion verursachte schwere Schäden an Teilen der Anlage.
Unter britischer Herrschaft blieb Fort Ricasoli militärisch bedeutend. Zeitweise diente es außerdem als Krankenhaus. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Festung durch Luftangriffe erneut beschädigt. In den 1960er-Jahren endete schließlich ihre militärische Nutzung.
Quelle: University of Malta – Fort Ricasoli
Die monumentalen Mauern und die abgeschiedene Lage machten Fort Ricasoli zu einer der bekanntesten Filmkulissen Maltas. Innerhalb der Festung entstanden große Kulissen, die historische Städte und militärische Anlagen verschiedener Epochen darstellten.
Für Ridley Scotts Film Gladiator wurde hier ein Teil des antiken Roms nachgebaut. In Troy verwandelte sich das Gelände in die legendäre Stadt Troja. Außerdem fanden Dreharbeiten für Produktionen wie Agora, Assassin’s Creed und die erste Staffel von Game of Thrones statt.
Dabei verkörperten Teile des Forts den Roten Bergfried von Königsmund. Die historische Festung wurde so selbst zu einem bedeutenden Bestandteil moderner Filmgeschichte.
Quelle: Movie-Locations – Troy und Fort Ricasoli
Nach dem Ende der militärischen Nutzung verfielen zahlreiche Gebäude innerhalb der Festung. Wind, salzhaltige Luft und die unmittelbare Lage am Meer griffen den Kalkstein an. Küstenerosion führte dazu, dass einzelne Abschnitte der äußeren Befestigungsmauern einstürzten.
2019 wurden umfassende Restaurierungspläne genehmigt. Seitdem werden Mauern stabilisiert, beschädigte Bereiche gesichert und historische Gebäude innerhalb des Forts restauriert. Fort Ricasoli ist deshalb kein vollständig verlassener Ort, sondern eine historische Anlage im Wandel.
Quellen: Times of Malta – Restaurierung von Fort Ricasoli | Wirt il-Kalkara – Restoration of Fort Ricasoli
Ich besuchte Fort Ricasoli im Jahr 2022. Schon das monumentale Eingangstor mit seinen gedrehten Säulen vermittelt einen Eindruck von der früheren Bedeutung der Anlage.
Hinter den repräsentativen Mauern zeigte sich ein anderes Bild. Verwitterte Gebäude, offene Dächer und überwucherte Bereiche erzählten vom jahrzehntelangen Verfall. Gleichzeitig boten die Mauern immer wieder freie Ausblicke auf das tiefblaue Mittelmeer.
Meine Fotografien dokumentieren diesen besonderen Zwischenzustand: Fort Ricasoli ist historische Festung, teilweise verfallener Ort, aktives Filmgelände und Restaurierungsprojekt zugleich.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.