Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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First Cemetery of Corfu

Das First Cemetery of Corfu liegt südlich der Altstadt von Korfu im Stadtteil Garitsa. Hinter seinen Mauern befindet sich weit mehr als ein gewöhnlicher kommunaler Friedhof. Alte Marmorsarkophage, monumentale Grabmäler, verwitterte Engelsfiguren und eiserne Kreuze erzählen von fast zwei Jahrhunderten Stadtgeschichte.

Der Friedhof ist bis heute in Nutzung und deshalb kein klassischer Lost Place. Dennoch gibt es besonders in den älteren Bereichen zahlreiche Gräber, die langsam von Pflanzen überwachsen werden oder deutliche Spuren von Alter und Verfall zeigen. Gerade dieser Gegensatz zwischen gepflegten Grabstätten und beinahe vergessenen Monumenten prägt den Ort.

Ein Friedhof aus dem Jahr 1840

Das heutige Erste Städtische Friedhofsgelände von Korfu entstand während der britisch geprägten Epoche der Ionischen Inseln. Im 19. Jahrhundert wurden Bestattungen zunehmend aus Kirchen und dicht besiedelten Stadtbereichen heraus verlegt. Dabei spielten vor allem hygienische Gründe eine wichtige Rolle.

Bereits 1838 wurde der Grundstein für die Kirche des neuen öffentlichen Friedhofs gelegt. Am 4. Juni 1840 erfolgte schließlich die Einweihung. Das Gelände in Garitsa entwickelte sich anschließend zum wichtigsten kommunalen Begräbnisplatz der Stadt.

Quellen: Katholische Erzdiözese Korfu: Geschichte der Friedhöfe von Korfu | Apolitrosis: Geschichte der Kirche von Korfu

Die Kirche der Auferstehung

Zum Friedhof gehört die Kirche der Auferstehung, auf Griechisch Ιερός Ναός Αναστάσεως. Sie bildet bis heute das religiöse Zentrum des Friedhofsgeländes und ist weiterhin Bestandteil des kirchlichen Lebens auf Korfu.

Auch während der Osterzeit besitzt die Kirche eine besondere Bedeutung. Bei den traditionellen Karfreitagsprozessionen der Stadt gehört die Kirche des ersten kommunalen Friedhofs zu den Gotteshäusern, von denen ein Epitaphios ausgeht.

Quellen: Apolitrosis: Geschichte der Kirche von Korfu | Municipality of Central Corfu: Easter in Corfu

Dionysios Solomos und sein Grab auf Korfu

Einer der bedeutendsten Namen, die mit dem Friedhof verbunden sind, ist Dionysios Solomos. Der Dichter lebte viele Jahre auf Korfu und starb dort im Februar 1857. Nach seinem Tod wurde öffentliche Trauer ausgerufen. Selbst die Karnevalsveranstaltungen wurden unterbrochen.

Solomos wurde anschließend auf dem Friedhof von Garitsa beigesetzt. Acht Jahre später, im Jahr 1865, ließ sein Bruder Dimitrios die Gebeine nach Zakynthos überführen. Das ursprüngliche Grab auf Korfu blieb jedoch erhalten und erinnert heute als Kenotaph an den Dichter.

Besonders bekannt wurde Solomos durch seinen „Hymnos eis tin Eleftherian“, den Hymnus an die Freiheit. Nikolaos Mantzaros vertonte das Werk. Seit 1865 bilden Teile davon die griechische Nationalhymne.

Quelle: Solomos Museum Corfu: Geschichte von Dionysios Solomos auf Korfu

Erinnerung an Flucht und Krieg

Zwischen den zahlreichen Familiengräbern finden sich auf dem First Cemetery of Corfu auch Erinnerungsorte, deren Geschichte weit über einzelne Familien hinausreicht. Dazu gehört ein Kenotaph des heiligen Arsenios des Kappadokiers.

Daneben erinnert eine Marmortafel an Flüchtlinge, die während des italienischen Bombardements von Korfu im Jahr 1923 ums Leben kamen. Damit bewahrt der Friedhof nicht nur persönliche Geschichten, sondern auch Spuren politischer Konflikte und der großen Flüchtlingsbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts.

Quelle: From Ionia to the Ionian: Refugee Memory on Corfu

Grabkunst zwischen Marmor und Verfall

Für mich liegt der besondere Reiz des Friedhofs vor allem in seinen historischen Grabmälern. Auf engem Raum stehen schlichte Kreuze neben großen Sarkophagen, Mausoleen und aufwendig gestalteten Familiengräbern. Viele Monumente bestehen aus hellem Marmor, dessen Oberfläche durch Jahrzehnte von Regen, Hitze und Pflanzenbewuchs ihre ursprüngliche Farbe verloren hat.

Besonders auffällig sind die zahlreichen Engelsfiguren. Manche sitzen trauernd auf den Gräbern, andere stehen als Wächter neben den Grabkammern. Dazu kommen Reliefs, Urnen, Büsten und kunstvoll gearbeitete schmiedeeiserne Einfassungen.

An einigen Stellen beginnt die Natur sichtbar, die Grabstätten zurückzuerobern. Flechten überziehen Kreuze. Wurzeln wachsen zwischen Steinplatten. Pflanzen drängen sich durch zerbrochene Einfassungen. Gleichzeitig liegen nur wenige Meter entfernt frische Blumen auf gepflegten Gräbern.

Mein Besuch 2026

Ich besuchte das First Cemetery of Corfu im Jahr 2026. Schon nach wenigen Metern wurde deutlich, dass dieser Ort nicht mit einem verlassenen Friedhof vergleichbar ist. Menschen kümmern sich weiterhin um zahlreiche Gräber, Blumen stehen vor Grabsteinen und der Friedhof ist Teil des alltäglichen Lebens der Stadt.

Doch je weiter ich zwischen den älteren Grabstätten unterwegs war, desto stärker veränderte sich das Bild. Hinter hohen Zypressen und dichtem Grün tauchten verwitterte Monumente auf. Manche Kreuze waren von Flechten bedeckt, andere Grabstätten wirkten seit langer Zeit nicht mehr gepflegt.

Besonders beeindruckt haben mich die alten Engelsfiguren und monumentalen Familiengräber. Ihre Oberflächen sind dunkel geworden, Gesichter haben durch Wind und Wetter Konturen verloren und an einigen Stellen beginnt der Stein zu zerbrechen. Trotzdem besitzen diese Figuren noch immer eine enorme Präsenz.

Genau darin liegt für mich die besondere Atmosphäre dieses Ortes. Das First Cemetery of Corfu erzählt nicht nur vom Tod. Es erzählt von Familien, gesellschaftlichem Wandel, Religion, Krieg und Erinnerung. Gleichzeitig zeigt es, wie selbst sorgfältig errichtete Denkmäler irgendwann langsam Teil der Landschaft werden.

Atmosphere / Atmosphäre
21%
Risk / Gefahr
0%
Vandalism / Vandalismus
4%
Decay / Verfall
27%

Greece, visited in 2026

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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