Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

Cimitero delle Navi di Ravenna: Die verlassenen Frachtschiffe der Pialassa Piomboni

In der Lagunenlandschaft der Pialassa Piomboni, nahe dem Hafen von Ravenna, liegen mehrere verlassene Schiffe. Die bekanntesten darunter werden als „Le Tre Caravelle“, die drei Karavellen, bezeichnet. Der Name klingt beinahe abenteuerlich, doch die rostigen Rümpfe erzählen vor allem von Stillstand, ungeklärten Zuständigkeiten und einem langen Verfall.

Die Schiffe liegen im Bereich des Hafens von Ravenna, nahe dem Canale Piombone und der Halbinsel Trattaroli. Zwischen flachem Wasser, Schilf und Hafenanlagen wirkt der Ort wie ein unerwartetes Freiluftarchiv der Schifffahrt: Die Frachter sind ihrer ursprünglichen Aufgabe längst entzogen und bleiben als sichtbare Spuren einer festgefahrenen Geschichte zurück.

Quellen: Spazi Indecisi: Le tre Caravelle | IrpiMedia: Navi perdute. Il cimitero nel porto di Ravenna

Die drei verlassenen Frachtschiffe

Zu den drei als „Le Tre Caravelle“ bekannten Schiffen zählen die V-Nicolaev, die Vomvgaz und die Orenburg Gazprom. Es handelt sich um Flussschiffe aus den späten 1980er-Jahren, die ungefähr 110 Meter lang sind. Ihre russischen Namen sind am verwitterten Stahl heute nur noch schwer zu erkennen.

Die Schiffe stehen stellvertretend für ein größeres Problem: Wird ein Frachter aufgegeben, können Schulden, rechtliche Auseinandersetzungen und komplizierte Eigentumsverhältnisse eine Bergung oder Verschrottung über Jahre verzögern. Währenddessen setzen Rost, Wasser und Zeit den Schiffskörpern weiter zu.

Quellen: Spazi Indecisi: Namen, Bauzeit und Maße der drei Schiffe | IrpiMedia: Die verlassenen Schiffe im Hafen von Ravenna

Wie die Schiffe nach Ravenna kamen

Die drei Frachter kamen 2006 aus dem kroatischen Šibenik nach Ravenna. Sie transportierten Kalkstein, der für ein Terminal des Baustoffunternehmens Fassa Bortolo bestimmt war. Eine fehlende Sicherheitszulassung brachte die Fahrt zum Stillstand. Die Schiffe wurden zunächst an anderer Stelle im Hafen festgesetzt und liegen laut der Dokumentation von Spazi Indecisi seit 2009 nahe der Aufschüttung an der Halbinsel Trattaroli.

Im Laufe der Zeit kamen finanzielle und rechtliche Schwierigkeiten hinzu. Eine Rückkehr in den regulären Betrieb wurde immer unwahrscheinlicher; zugleich überstiegen die Kosten für eine Bergung und Verwertung offenbar den möglichen Erlös aus dem Schrott. So wurden aus Frachtschiffen nach und nach rostige Relikte am Rand des Hafens.

Quellen: Spazi Indecisi: Ankunft, Ladung und Stilllegung

Die Berkan B: ein separates Kapitel der Hafengeschichte

Zur Geschichte des „Schiffsfriedhofs“ gehört auch die Berkan B. Sie war jedoch nicht eine der drei „Karavellen“. Das Frachtschiff wurde nach jahrelangem Stillstand in Ravenna abgebaut, brach während der Arbeiten teilweise auseinander und sank 2019 in der Pialassa Piomboni. Der Vorfall machte die schwierigen Fragen rund um die Bergung alter Schiffe und den Schutz der Lagune besonders sichtbar.

Das Wrack wurde schließlich geborgen und 2021 zur endgültigen Demontage in den Hafen von Piombino gebracht. Die Berkan B ist damit ein eigenes, abgeschlossenes Kapitel innerhalb der Geschichte verlassener Schiffe in Ravenna und sollte nicht mit den drei noch verbliebenen Frachtern verwechselt werden.

Quellen: IrpiMedia: Geschichte und Bergung der Berkan B

Die geplante Entfernung der Orenburg Gazprom

Für die Orenburg Gazprom wurde am 19. Dezember 2025 ein Vergabeverfahren zur Entfernung des Wracks gestartet. Die Maßnahme wurde mit rund neun Millionen Euro angesetzt und umfasst den Abtransport zu einer zugelassenen Anlage zur Verwertung oder Entsorgung der Materialien.

Das Vergabeportal der Hafenbehörde führte das Verfahren bei meiner Recherche im Oktober 2026 noch mit dem Status „In aggiudicazione“, also im Zuschlagsverfahren. Das bedeutet: Die Entfernung war zu diesem Zeitpunkt geplant, eine abgeschlossene Bergung lässt sich daraus noch nicht ableiten. Die Nachricht betrifft ausdrücklich die Orenburg Gazprom; sie belegt nicht, dass auch die beiden anderen Schiffe bereits entfernt werden.

Quellen: Offizielles Vergabeportal der Hafenbehörde: Verfahren zur Entfernung der Orenburggazprom | Ravenna & Dintorni: Start des Vergabeverfahrens

Mein Besuch 2022

2022 war ich selbst bei den Schiffen und bin an Bord gegangen. Dadurch konnte ich den verlassenen Frachtern nicht nur aus der Distanz begegnen, sondern ihre Dimensionen und ihren Zustand unmittelbar erleben. Der rostige Stahl, die Spuren der früheren Nutzung und die stille Lage im Hafen machten den Besuch zu einer intensiven Begegnung mit einem Ort, an dem die Zeit sichtbar stehen geblieben zu sein scheint.

Meine Fotografien halten den Zustand der Schiffe während meines Besuchs fest. Sie zeigen einen Ort, dessen Zukunft bereits von Fragen der Sicherheit, der Kosten und der Bergung geprägt war. Gerade deshalb dokumentieren die Bilder einen Moment, der sich verändern kann, sobald die geplanten Arbeiten umgesetzt werden.

Atmosphere / Atmosphäre
67%
Risk / Gefahr
43%
Vandalism / Vandalismus
23%
Decay / Verfall
83%

Italy, visited in 2022

Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.

This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

lost-places.com - Menu
Right Menu Icon