Château Miranda, auch als Château Noisy bekannt, war eines der berühmtesten verlassenen Schlösser Europas. Mit seinen neugotischen Türmen, langen Galerien und dem mächtigen Uhrenturm wirkte das Anwesen wie ein Märchenschloss. Meine Fotografien entstanden 2011, mehrere Jahre bevor das Hauptgebäude vollständig abgerissen wurde.
Das Schloss stand bei Celles in der belgischen Provinz Namur. Es gehörte der Familie Liedekerke-Beaufort, deren Stammsitz das nahe Château de Vêves war. Die abgeschiedene Lage oberhalb eines bewaldeten Tals verlieh dem Gebäude seinen besonders eindrucksvollen Charakter.
Die Planungen für das Schloss begannen 1866. Beauftragt wurde der englische Architekt Edward Milner, der einen weitläufigen Bau im neugotischen Stil entwarf. Milner starb 1884 und erlebte die endgültige Fertigstellung nicht mehr. Die Bauarbeiten zogen sich bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hin. Der markante Uhrenturm wurde erst 1907 vollendet.
Quellen: L’Avenir: Die Geschichte von Château Miranda | Château de Noisy: Baugeschichte
Die Familie nutzte Château Miranda zunächst als Wohn- und Sommersitz. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Anwesen zeitweise von deutschen Truppen besetzt. Nach dem Krieg begann ein völlig neuer Abschnitt seiner Geschichte.
Ab 1950 nutzte die belgische Eisenbahngesellschaft das Schloss unter dem Namen Home de Noisy als Ferienunterkunft für Kinder. Die ehemaligen Repräsentationsräume wurden dafür umgebaut. Schlafsäle, Gemeinschaftsräume und sanitäre Anlagen veränderten Teile des historischen Innenraums.
Der Betrieb endete später wieder. Schäden am Gebäude, Feuchtigkeit, Pilzbefall und hohe Unterhaltungskosten erschwerten eine weitere Nutzung. Im Jahr 1991 wurde Château Noisy endgültig aufgegeben.
Quelle: L’Avenir: Vom Schloss zum Home de Noisy
Nach der Schließung verschlechterte sich der Zustand des Schlosses schnell. Wasser drang durch beschädigte Dächer ein, Holzkonstruktionen verfaulten und Teile der Decken stürzten ein. Zusätzlich verursachten Brände, Vandalismus und illegale Besuche weitere Schäden.
Trotzdem entwickelte sich Château Miranda zu einem der bekanntesten Lost Places in Belgien. Fotografen aus zahlreichen Ländern dokumentierten den großen Treppenaufgang, die langen Flure, die Kapelle und den Uhrenturm. Das Schloss erschien außerdem in Filmen und Fernsehproduktionen.
Initiativen versuchten, das Gebäude zu erhalten oder einen Investor für eine neue Nutzung zu finden. Die geschätzten Sanierungskosten, der fortgeschrittene Verfall und rechtliche Auseinandersetzungen verhinderten jedoch eine Rettung.
Quelle: L’Avenir: Verfall und Rettungsversuche
Die Abbrucharbeiten begannen im Oktober 2016. Proteste, Gerichtsverfahren und Fragen zum Natur- und Denkmalschutz führten zeitweise zu Unterbrechungen. Eine dauerhafte Rettung des Gebäudes gelang dennoch nicht.
Im Verlauf des Jahres 2017 verschwanden die Seitenflügel und große Teile des Hauptgebäudes. Im Oktober 2017 wurde schließlich auch der zentrale Uhrenturm abgetragen. Damit endete die Geschichte eines der bekanntesten verlassenen Schlösser Europas.
Château Miranda kann heute nicht mehr als Lost Place besucht werden. Die Fotografien dieser Galerie sind deshalb ein historisches Dokument des Gebäudes vor seiner Zerstörung.
Quellen: L’Avenir: Abriss von Château Miranda | Chronologie des Abrisses 2016–2017
Bei meinem Besuch im Jahr 2011 stand das Château Miranda noch vollständig. Im Inneren fotografierte ich die verlassenen Flure, beschädigten Räume und architektonischen Details des ehemaligen Ferienheims. Gleichzeitig war der fortgeschrittene Verfall bereits deutlich sichtbar.
Besonders beeindruckend war die neugotische Silhouette mit dem hohen Uhrenturm. Damals war kaum vorstellbar, dass das gesamte Hauptgebäude nur wenige Jahre später verschwinden würde. Meine Bilder bewahren deshalb einen Zustand, der heute nicht mehr fotografiert werden kann.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.