Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Zeche Ewald: Stillgelegtes Bergwerk und Industriedenkmal in Herten

Die Zeche Ewald in Herten gehört zu den eindrucksvollsten Orten der Industriekultur im Ruhrgebiet. Zwischen Fördertürmen, Kauen und Maschinenhallen treffen Spuren des Steinkohlebergbaus auf Rost, Staub und neue Nutzung. Mein Portfolio zeigt die Anlage in einer Phase, in der einige Gebäude bereits umgenutzt wurden, während andere Räume noch den Charakter eines verlassenen Bergwerks bewahrten.

Die Anfänge der Zeche Ewald

Die Geschichte der Zeche Ewald beginnt im Jahr 1871 mit der Gründung der Gewerkschaft Ewald. Benannt wurde das Bergwerk nach dem Essener Unternehmer und Mitgründer Ewald Hilger.

Am 9. März 1872 begannen die Abteufarbeiten für den ersten Schacht. Dieser erhielt den Namen Schacht Hilger. 1876 wurde in einer Tiefe von 464 Metern ein abbauwürdiges Kohlevorkommen entdeckt. Ein Jahr später nahm die Zeche die Förderung auf.

Die ersten Betriebsjahre waren schwierig. Wasserzuflüsse, geologische Störungen und Probleme bei der Anwerbung von Arbeitskräften erschwerten den Aufbau. Trotzdem entwickelte sich Ewald zu einem bedeutenden Bergwerk im südlichen Ruhrgebiet.

Im Jahr 1884 erreichte Schacht 1 eine Tiefe von 624 Metern. Damit war er zu diesem Zeitpunkt der tiefste Schacht im gesamten Ruhrgebiet. Ein zweiter Schacht wurde ab 1888 abgeteuft und nahm 1892 die Förderung auf.

Quellen: Route der Industriekultur – Zukunftsstandort Zeche Ewald | Bergwerk Ewald – Koks-Gas-Teer | Wikipedia – Zeche Ewald

Vom Bergwerk zum Großbetrieb

Mit dem Ausbau der Schachtanlagen wuchs auch die Bedeutung der Zeche. Weitere Schächte, Werkstätten, Verwaltungsgebäude, Kokereien und Energieanlagen entstanden. Die Zeche Ewald wurde zu einem weit verzweigten Bergbaukomplex mit mehreren Standorten in Herten und Gelsenkirchen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Ewald zu einer der produktivsten Zechen der Region. Zeitweise arbeiteten hier bis zu 4.000 Bergleute. Für die Beschäftigten und ihre Familien entstanden in der Umgebung eigene Bergarbeitersiedlungen.

Eine wichtige Erweiterung war der zentrale Förderschacht 7. Die Arbeiten begannen 1940. Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung wurde die Anlage weitergebaut. 1955 nahm Schacht 7 die Förderung auf und übernahm später die zentrale Kohleförderung des gesamten Bergwerks.

Die Zeche war nicht nur ein Arbeitsplatz. Sie bestimmte das Leben in Herten. Schichtwechsel, Werkswohnungen, Zechenbahn und die großen Industriehallen prägten den Alltag ganzer Generationen.

Quellen: Route der Industriekultur – Zukunftsstandort Zeche Ewald | Bergwerk Ewald – Koks-Gas-Teer | Wikipedia – Zeche Ewald

Das Ende der Kohleförderung

Wie viele andere Zechen im Ruhrgebiet geriet auch Ewald zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Die Bergwerke wurden zusammengelegt und die Förderstrukturen rationalisiert. 1989 entstand zunächst das Verbundbergwerk Ewald/Schlägel & Eisen. Später wurde die Zeche mit weiteren Bergwerken verbunden.

Am 28. April 2000 fuhr auf Ewald die letzte Förderschicht. Im Frühjahr 2001 wurde die Gesamtanlage endgültig stillgelegt. Damit endete eine fast 130-jährige Geschichte des aktiven Steinkohlebergbaus.

Nach der Stilllegung verschwanden zahlreiche Gebäude. Andere wurden erhalten, gesichert und einer neuen Nutzung zugeführt. Zwischen leeren Hallen, alten Maschinen und restaurierten Bauwerken blieb die Geschichte des Bergwerks jedoch weiterhin sichtbar.

Quellen: Route der Industriekultur – Zukunftsstandort Zeche Ewald | Bergwerk Ewald – Koks-Gas-Teer | Wikipedia – Zeche Ewald

Zechenarchitektur aus drei Epochen

Das heutige Erscheinungsbild der Zeche wird von Gebäuden aus mehreren Jahrzehnten geprägt. Besonders markant ist der Malakowturm aus dem Jahr 1888. Er erinnert an die frühe Phase des Tiefbaus, als gemauerte Schachttürme noch eine wichtige Rolle spielten.

Daneben steht die Schachthalle von Schacht 2 aus dem Jahr 1928. Das große Doppelstrebengerüst über Schacht 7 entstand 1955 nach einem Entwurf von Fritz Schupp. Zusammen bilden diese Bauwerke ein außergewöhnliches Panorama der technischen Entwicklung im Ruhrbergbau.

Auch die Innenräume erzählen von unterschiedlichen Arbeitsabläufen. In der Schwarzkaue hängen noch die nummerierten Körbe der Bergleute. Förderanlagen, Stahlkonstruktionen, Laufstege und alte Maschinen vermitteln einen Eindruck von der Größe und Komplexität der Anlage.

Viele Oberflächen sind von Rost, Staub und Feuchtigkeit gezeichnet. Gleichzeitig sorgen die großen Fenster, farbigen Stahlträger und geraden Linien für eine besondere industrielle Ästhetik.

Quellen: Route der Industriekultur – Zukunftsstandort Zeche Ewald | Ruhr Tourismus – Zukunftsstandort Zeche Ewald

Vom Lost Place zum Zukunftsstandort

Bereits vor der endgültigen Stilllegung begannen Überlegungen für eine neue Nutzung des Geländes. Die Stadt Herten und die RAG Montan Immobilien gründeten 1999 die Projektgemeinschaft Ewald. Ziel war es, die große Fläche wirtschaftlich und städtebaulich neu zu entwickeln.

Heute verbindet der Standort Arbeit, Freizeit und Kultur. Unternehmen aus verschiedenen Branchen haben sich angesiedelt. Auch das Wasserstoff-Kompetenzzentrum, das RVR-Besucherzentrum Hoheward und der RevuePalast Ruhr gehören zum heutigen Umfeld der Zeche.

Die erhaltenen Gebäude sind Teil der Route der Industriekultur. Führungen, Ausstellungen und Veranstaltungen ermöglichen Einblicke in die Geschichte der Anlage. Damit ist Zeche Ewald kein vollständig verlassener Ort mehr, sondern ein Beispiel dafür, wie industrielle Hinterlassenschaften eine neue Zukunft erhalten können.

Gerade dieser Gegensatz macht den Standort spannend. Zwischen aktiver Nutzung und sichtbarem Verfall bleibt die Vergangenheit überall präsent.

Quellen: Route der Industriekultur – Zukunftsstandort Zeche Ewald | Ruhr Tourismus – Zukunftsstandort Zeche Ewald

Mein Besuch 2020

Ich habe die Zeche Ewald im Jahr 2020 besucht. Schon beim Betreten der alten Gebäude wurde deutlich, wie gewaltig diese Anlage einst gewesen sein muss. Die großen Hallen, die hohen Stahlkonstruktionen und die langen Fensterfronten erzeugten eine ganz eigene Atmosphäre.

Besonders beeindruckt hat mich die Schwarzkaue. Die unzähligen Körbe, Ketten und Nummern hingen noch immer über dem Boden. Dazwischen stand die alte Uhr, als würde sie auf den nächsten Schichtwechsel warten.

In den Maschinenhallen trafen rostige Industrieanlagen auf einen alten Wagen, der zwischen den Stahlkonstruktionen abgestellt war. Förderbänder, Treppen, Laufstege und Schächte führten durch die verschiedenen Ebenen der Gebäude.

Zeche Ewald ist für mich ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie eng Vergangenheit und Gegenwart im Ruhrgebiet miteinander verbunden sind. Nicht jeder Bereich wirkt noch verlassen. Trotzdem bleibt der Charakter des ehemaligen Bergwerks überall spürbar.

Atmosphere / Atmosphäre
49%
Risk / Gefahr
27%
Vandalism / Vandalismus
10%
Decay / Verfall
44%

Germany, visited in 2020

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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