Auf einem abgelegenen Gelände in Niedersachsen stehen 24 ausgediente Panzer in mehreren Reihen auf einer offenen Fläche. Der Ort wird häufig als Panzerfriedhof im Emsland oder Panzerfriedhof Sögel bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich jedoch nicht um einen verlassenen Militärfriedhof, sondern um einen Teil eines weiterhin genutzten Schieß- und Erprobungsgeländes.
Die Fahrzeuge wurden entmilitarisiert und dienen als sogenannte Hartziele. An ihnen können die Wirkung von Munition und Beschuss untersucht werden. Die sichtbaren Einschläge, aufgerissenen Panzerungen und rostenden Fahrzeugteile sind daher nicht ausschließlich Folgen des natürlichen Verfalls.
Quellen: Bundeswehr: Wehrtechnische Dienststelle 91 | Travelbook: Panzerfriedhof Sögel
Der Panzerfriedhof befindet sich im Umfeld des Schießplatzes Meppen zwischen Sögel und Lathen. Das großflächige Gelände gehört zur Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition 91, kurz WTD 91. Sie ist dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr unterstellt.
Auf dem Gelände werden Waffen, Munition, Panzerungen, Schutzsysteme und weitere militärische Technik erprobt. Die sichtbaren Panzer stehen damit in einem aktiven militärischen Sicherheitsbereich. Aus diesem Grund veröffentliche ich weder eine genaue Position noch eine Wegbeschreibung.
Quellen: Bundeswehr: Aufgaben der WTD 91 | Service Bund: Wehrtechnische Dienststelle 91
Bei den 24 Fahrzeugen handelt es sich nach übereinstimmenden Berichten um 23 amerikanische M24 Chaffee und einen Leopard 1. Der leichte Kampfpanzer M24 wurde während des Zweiten Weltkriegs entwickelt und anschließend von verschiedenen Streitkräften eingesetzt. Der Leopard 1 entstand dagegen in der Bundesrepublik Deutschland und wurde ab den 1960er-Jahren genutzt.
Die Fahrzeuge sind entmilitarisiert und versiegelt worden. Dennoch stehen sie nicht einfach als ausrangierter Schrott auf der Fläche. Als Hartziele erfüllen sie innerhalb des Erprobungsgeländes weiterhin eine technische Funktion.
Beschädigte Laufwerke, geöffnete Wannen und Einschläge in den Panzerungen zeigen, welcher Belastung die Fahrzeuge ausgesetzt waren. Zusammen mit Rost und Witterung entstand dadurch das ungewöhnliche Erscheinungsbild, das dem Ort seinen bekannten Namen gab.
Quellen: Travelbook: 24 Panzer bei Sögel | Cross the Line Fotografie: Fahrzeuge des Panzerfriedhofs
Die Geschichte des Schießplatzes begann lange vor der Gründung der Bundeswehr. Im Jahr 1876 beziehungsweise 1877 richtete die Friedrich Krupp AG nördlich von Meppen ein Gelände zur Entwicklung und Erprobung von Geschützen und Kanonen ein.
Die dünne Besiedlung des Emslands und die große verfügbare Fläche boten günstige Voraussetzungen für weitreichende Schießversuche. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurden hier verschiedene Geschütze, Munitionstypen und Panzerungen getestet.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs demontierten oder zerstörten die Alliierten viele militärische Einrichtungen. Im Jahr 1957 übernahm die Bundesrepublik Deutschland große Teile des Geländes und nahm den Schießplatz erneut für die Erprobung von Waffen und Munition in Betrieb. Aus der damaligen Erprobungsstelle entwickelte sich die heutige WTD 91.
Quelle: Bundeswehr: Geschichte der WTD 91 und des Schießplatzes Meppen
Unweit des heutigen Panzerfriedhofs befand sich früher das Dorf Wahn im Hümmling. Die Geschichte des Ortes ist eng mit der Erweiterung des Kruppschen Schießplatzes verbunden.
Am 10. Juni 1936 besuchte Adolf Hitler den Schießplatz. Anschließend wurde dessen Vergrößerung beschlossen. Für die Erweiterung mussten die Bewohner von Wahn ihre Heimat verlassen. Betroffen waren 177 Familien und ungefähr 1.000 Menschen.
Die Umsiedlung begann 1939. Viele Familien wurden nach Rastdorf und Neu-Wahn gebracht. Gebäude und Höfe wurden abgerissen. Ende 1942 folgte die Antoniuskirche aus dem Jahr 1746. Im März 1943 verließen die letzten Familien den Ort.
Damit ist nicht nur die Ansammlung der Panzer, sondern bereits das umliegende Gelände mit einer Geschichte von Vertreibung und militärischer Nutzung verbunden. Heute erinnert ein Erinnerungsort an das verschwundene Dorf und seine ehemaligen Bewohner.
Quellen: NDR: Wie das Dorf Wahn für den Schießplatz verschwand | Erinnerungsort Wahn im Hümmling
Der Begriff Panzerfriedhof vermittelt den Eindruck eines verlassenen Geländes, auf dem alte Militärfahrzeuge vergessen wurden. Das trifft hier nur teilweise zu. Die Panzer sind zwar ausgemustert und stark beschädigt, befinden sich jedoch auf einem aktiven militärischen Erprobungsgelände.
Der Ort ist damit kein klassischer Lost Place. Er lässt sich eher als ungewöhnlicher Teil einer technischen Versuchsanlage beschreiben. Seine besondere Wirkung entsteht durch die scheinbar verlassenen Fahrzeuge inmitten der offenen Landschaft.
Die Bezeichnung „Panzerfriedhof“ hat sich dennoch durch Fotografien, Bücher und soziale Medien verbreitet. Dadurch entstand zeitweise der falsche Eindruck, die Panzer seien frei zugänglich oder das gesamte Gelände sei aufgegeben worden.
Quellen: Bundeswehr: Aktuelle Nutzung der WTD 91 | Travelbook: Der sogenannte Panzerfriedhof
Mit wachsender Bekanntheit kamen immer mehr Menschen zu den Fahrzeugen. Berichten zufolge wurden versiegelte Panzer gewaltsam geöffnet, mit Graffiti beschmiert und teilweise für Feiern genutzt. Neben den Schäden führte dies zu erheblichen Sicherheitsproblemen.
Spätestens seit 2020 wurde der betreffende Bereich deutlich stärker abgesperrt und gesichert. Das Betreten ist nicht gestattet. Das gilt unabhängig davon, ob gerade ein Schießbetrieb wahrnehmbar ist.
Die Panzer selbst können durch scharfkantiges Metall, instabile Bauteile und Rückstände gefährlich sein. Noch schwerer wiegt jedoch die Lage innerhalb eines militärischen Versuchsgeländes, auf dem jederzeit Tests stattfinden können.
Quelle: Travelbook: Absperrung und Gefahren am Panzerfriedhof Sögel
Nein, der Panzerfriedhof ist keine öffentlich zugängliche Sehenswürdigkeit. Schranken, Zäune, Warnschilder und Anweisungen der Bundeswehr müssen beachtet werden. Wer in den abgesperrten Bereich eindringt, setzt sich nicht nur rechtlichen Konsequenzen, sondern einer realen Gefahr aus.
Eine frühere Zugänglichkeit oder alte Berichte im Internet sind kein Beleg dafür, dass ein Besuch heute erlaubt ist. Der Status eines militärischen Geländes kann sich jederzeit ändern. Ich veröffentliche deshalb keine Koordinaten und gebe keine Hinweise zur Umgehung der Absperrungen.
Quellen: Bundeswehr: WTD 91 | Travelbook: Betretungsverbot und Sicherheitslage
Weitere verlassene Orte findest du auf meiner Übersicht über Lost Places in Deutschland. Entdecke außerdem den Panzerfriedhof Aachen, die verlassene Kaserne Billig und den unterirdischen Bunker KLO 17.
Ich fotografierte den Panzerfriedhof im Emsland im Jahr 2018. Zu diesem Zeitpunkt war die Situation vor Ort noch eine andere als heute. Die später errichteten weitreichenden Absperrungen bestanden in dieser Form noch nicht.
Die 24 Fahrzeuge standen in Reihen auf der offenen Fläche. Einige Panzer waren bereits stark vom Beschuss gezeichnet, während bei anderen noch größere Teile der ursprünglichen Form erkennbar waren. Rost, Einschussstellen und die massive Bauweise der Fahrzeuge erzeugten eine bedrückende Atmosphäre.
Gleichzeitig war mir bewusst, dass ich mich nicht auf einem verlassenen Schrottplatz, sondern im Umfeld eines militärisch genutzten Geländes befand. Meine Fotografien dokumentieren den damaligen Zustand. Sie sind keine Aufforderung, das heute abgesperrte Areal zu betreten.
Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.
This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.