Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Yellow Prison

Ein Panoptikum aus Licht und Gitter

Von außen wirkt das Gebäude fast ruhig, doch innen zeigt es seine echte Größe. Das sogenannte Yellow Prison ist in Urbex Kreisen vor allem wegen seiner Panoptikum Architektur bekannt, einer Bauidee, die Kontrolle durch zentrale Übersicht möglich machen sollte. Gelbe Wände, lange Galerien, Gitter, Rotunden, Licht von oben. Alles wirkt wie ein riesiges Modell für Ordnung, das längst keine Ordnung mehr kennt.

Quelle: ICOMOS Portugal, Hospital Miguel Bombarda, PDF | Diário da República, 24.12.2010, PDF

Panoptikum Idee und warum sie so beklemmend wirkt

Das Prinzip des Panoptikums wurde im späten 18. Jahrhundert populär, vor allem als Gefängnismodell. Im Zentrum steht ein Überwachungsbereich, von dem aus viele Zellen oder Trakte einsehbar sind. Für die Insassen bleibt dabei unklar, ob sie gerade beobachtet werden. Genau dieses Gefühl macht die Architektur bis heute so intensiv. Auch wenn das Yellow Prison häufig einfach als Gefängnis bezeichnet wird, hängt die Geschichte des Ortes eng mit einem historischen Komplex zusammen, in dem es auch einen Sicherheits Pavillon gab.

Quelle: ICOMOS Portugal, Einordnung und Schutzstatus, PDF

Baujahr, Funktion und historischer Kontext

Für den bekannten Sicherheits Pavillon innerhalb des ehemaligen Hospital Miguel Bombarda in Lissabon werden in der Fachliteratur Bau und Inbetriebnahme in der Zeit 1892 bis 1896 genannt. Er wird dort als pavilhão de segurança beschrieben, also als Sicherheitsbereich für besonders schwierige Fälle. Als Architekt wird José Maria Nepomuceno genannt. In der Literatur wird außerdem beschrieben, dass dieser Bereich bis um 2000 genutzt wurde. Der größere Komplex in Rilhafoles ist zudem eng mit der Geschichte der Psychiatrie in Portugal verbunden, unter anderem wird die Gründung des ersten spezialisierten Krankenhauses in diesem Kontext auf 1848 datiert.

Quelle: ICOMOS Portugal, Datierungen und Kontext, PDF | Universidade de Lisboa, Studie zum Panóptico, PDF | Diário da República, Schutz und Einordnung, PDF

Schutzstatus und warum der Ort trotzdem verschwindet

Der frühere Komplex ist nicht einfach irgendeine Ruine. In Portugal wurden Teile des ehemaligen Areals als Conjunto de Interesse Público eingestuft. Solche Einordnungen bedeuten, dass der Ort kulturhistorisch relevant ist. Trotzdem ist das kein Garant für Erhalt. Nutzungskonzepte, Umbauten und Leerstand entscheiden am Ende oft härter als jede Einstufung. Genau deshalb bleiben solche Orte fotografisch so wichtig, weil sie Zustände zeigen, die später nicht mehr existieren.

Quelle: Diário da República, 24.12.2010, Klassifizierung, PDF | ICOMOS Portugal, Schutz und Diskussion, PDF

Was man im Inneren erkennt

Typisch sind hier die Rotunde mit dem Oberlicht, die umlaufenden Ebenen, die wie ein Zellentrakt wirken, und die vielen Sichtachsen. Dazu kommen Details, die fast sakral wirken, etwa Stahlgitter, Glasdach und farbige Fenster. Diese Mischung aus Licht und Kontrolle ist der Grund, warum das Yellow Prison so stark nachhallt. Selbst ohne Menschen fühlt sich jeder Schritt beobachtet an.

Quelle: Universidade de Lisboa, architektonische Beschreibung, PDF

Mein Besuch 2023

Ich war 2023 vor Ort und blieb knapp vier Stunden, weil das Gebäude so riesig ist und weil sich jeder Trakt anders anfühlt. Mit der Zeit merkt man, wie sehr die Architektur mit dem Kopf arbeitet. Je länger man drin ist, desto stärker wird das Gefühl von Distanz, Wiederholung und Orientierungslosigkeit. Genau das macht diesen Ort fotografisch so spannend, weil jede Perspektive die Geschichte von Kontrolle und Verlassenheit neu erzählt.

Atmosphere / Atmosphäre
18%
Risk / Gefahr
7%
Vandalism / Vandalismus
7%
Decay / Verfall
42%

Portugal, visited in 2023

Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.

This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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