Die Wood Art Gallery Krefeld entstand 2015 auf dem Gelände des heutigen Krefelder Umweltzentrums. Internationale Street-Art-Künstler verwandelten alte Betonrohre, Betonplatten, Wege und weitere Überreste einer ehemaligen Fabrik in eine außergewöhnliche Freiluftgalerie.
Zwischen Wald, Moos, überwucherten Betonartefakten und den Spuren der früheren Industrie entstanden farbenfrohe Wandbilder und teilweise dreidimensionale Illusionen. Die Kunstwerke wirken dabei nicht wie Fremdkörper, sondern scheinen langsam mit der Natur zu verschmelzen.
Quellen: Krefelder Perspektivwechsel: Wood Art Gallery | NiederRhein Edition: Wood Art Gallery
Das Gelände am Hülser Berg wurde ursprünglich industriell genutzt. Die Duisburger Zementwarenfabrik Carstanjen entstand dort nach dem Erwerb des Areals im Jahr 1899. Auf dem etwa zehn Hektar großen Gelände wurden unter anderem Betonrohre für die Kanalisation, Betonplatten, Pflastersteine und Bauteile für den Gewässerausbau hergestellt.
Für die Produktion wurden Sand, Kies und Ton aus der Umgebung des Hülser Bergs gewonnen. Alte Gleise, Betonflächen, Rohre und weitere bauliche Reste erinnern noch heute an diese industrielle Vergangenheit. Die Fabrik stellte ihre Produktion in den 1980er-Jahren ein.
Quellen: Verein für Heimatkunde in Krefeld: Betonwerk Carstanjen | NiederRhein Edition: Wood Art Gallery
Nach dem Ende der industriellen Nutzung wurde das Gelände nicht vollständig neu bebaut. Stattdessen entwickelte sich die ehemalige Industriebrache zu einem Natur- und Umweltstandort. Seit 1989 dient das Areal als außerschulischer Lernort für Umweltpädagogik.
Heute treffen hier mehrere Ebenen aufeinander: die Geschichte der Betonfabrik, die natürliche Entwicklung des Waldes und die künstlerische Nutzung der verbliebenen Betonobjekte. Gerade dieser Gegensatz macht den Ort so besonders.
Die ehemalige Betriebsfläche wird in einem aktuellen historischen Fachbeitrag außerdem als Altlastenfläche beschrieben. Die Wood Art Gallery ist daher kein beliebiger Abenteuerspielplatz, sondern befindet sich in einem geschichtlich und ökologisch sensiblen Bereich.
Quellen: NiederRhein Edition: Das Umweltzentrum auf dem ehemaligen Fabrikgelände | Verein für Heimatkunde in Krefeld: Betonwerk Carstanjen
Im August 2015 wurde das Gelände im Rahmen des Krefelder Projekts Perspektivwechsel zu einem großen Atelier unter freiem Himmel. Vom 4. bis zum 8. August arbeiteten 20 Street-Art-Künstler aus neun Ländern an den vorhandenen Betonartefakten.
Die Idee stammte von Manfred Wilms und wurde von Frederike Wouters künstlerisch geleitet. Das Projekt war Teil eines mit 30.000 Euro dotierten Aufrufs von Krefelder Wirtschaft und Industrie. Statt neue Ausstellungsflächen zu schaffen, wurden die vorhandenen Reste der Fabrik selbst zur Leinwand.
Quellen: Krefelder Perspektivwechsel: Wood Art Gallery | Krefelder Perspektivwechsel: Projekte 2015 | FreddArt Streetpainting: Wood Art Gallery Krefeld
Die Künstler bemalten nicht nur ebene Wände. Betonrohre, Platten und ungewöhnliche Bauteile wurden so gestaltet, dass sie ihre Form in die Motive einbezogen. Dadurch entstanden teilweise dreidimensionale Illusionen, bei denen Realität und Bild ineinander übergehen.
Auf den Betonröhren erscheinen Tiere wie Hähne, Eulen und Eichhörnchen. Andere Werke zeigen Feen, Frauenfiguren, Vögel und farbenfrohe Fantasiewesen. Viele Motive wirken wie kleine Szenen, die erst beim genaueren Hinsehen zwischen den Bäumen sichtbar werden.
Ein Teil der bekannten Arbeiten stammt von der italienischen Künstlerin Vera Bugatti. Auf den Bildern finden sich außerdem die Signaturen weiterer beteiligter Künstler, unter anderem von Anat Ronen und Fabio Fedele.
Quellen: Krefelder Perspektivwechsel: Künstler und Werke | FreddArt Streetpainting: Wood Art Gallery Krefeld
Die Wood Art Gallery wurde nicht als klassisches Museum angelegt. Die Betonobjekte liegen teilweise im Wald, sind von Moos und Flechten bedeckt und werden von Pflanzen überwuchert. Dadurch verändern sich die Kunstwerke ständig.
Das macht den Ort zu einem ungewöhnlichen Beispiel für vergängliche Kunst im öffentlichen Raum. Die Bilder sind der Witterung ausgesetzt und werden mit der Zeit blasser, beschädigt oder von der Vegetation verdeckt. Die Natur ist hier nicht nur Kulisse, sondern ein Teil des Kunstwerks.
Meine Aufnahmen dokumentieren deshalb einen bestimmten Moment. Sie zeigen die Wood Art Gallery im Jahr 2019, als viele der Motive noch deutlich erkennbar waren und sich trotzdem bereits sichtbar in die Umgebung eingefügt hatten.
Quellen: Krefelder Perspektivwechsel: Natur und Kunst | Verein für Heimatkunde in Krefeld: Alte Geschichte und neue Natur
Bei meinem Besuch im Jahr 2019 lag die Wood Art Gallery ruhig und beinahe verwunschen im Wald. Schon auf den ersten Metern tauchten zwischen Bäumen und dichtem Unterholz bemalte Betonrohre auf.
Besonders faszinierend fand ich die Tiermotive. Ein Hahn blickte aus einem runden Betonbehälter, eine Eule saß scheinbar in einer Öffnung und ein Eichhörnchen erschien zwischen den Stämmen. An anderer Stelle schwebte eine kleine Fee auf einem überwucherten Betonbogen.
Der Reiz des Ortes lag für mich nicht nur in der Street Art. Es war vor allem die Verbindung aus verlassener Industrie, Natur und vergänglicher Kunst, die den Besuch so besonders machte. Die Wood Art Gallery zeigte, wie aus den Resten eines ehemaligen Betonwerks ein völlig neuer, märchenhafter Ort entstehen konnte.
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