Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Villa Pallavicino Gardino in Genua: Lost Place und Geschichte

Die Villa Pallavicino Gardino, auch als Palazzo Gardino bekannt, befindet sich im Genueser Stadtteil Sampierdarena. Was heute zwischen Schnellstraßen, Hafenanlagen und modernen Bürogebäuden beinahe verloren wirkt, war einst eine repräsentative Villa am Ligurischen Meer. Ich habe diesen Ort 2022 besucht und dabei eine historische Residenz erlebt, in der sich architektonische Schönheit und fortschreitender Verfall unmittelbar gegenüberstehen.

Quellen: Italienisches Kulturministerium | Catalogo Generale dei Beni Culturali | FAI

Eine Villa am ehemaligen Meer

Als die Villa Pallavicino Gardino errichtet wurde, lag sie unmittelbar an der Küste. Sampierdarena war damals noch kein dicht bebauter Stadtteil von Genua, sondern ein beliebter Sommersitz wohlhabender Familien. Die Pallavicino besaßen in der Umgebung mehrere Villen, die von Gärten, landwirtschaftlichen Flächen und repräsentativen Zufahrten umgeben waren.

Von dieser ursprünglichen Umgebung ist heute kaum noch etwas erhalten. Der Bau der Eisenbahn, neue Straßen, die Erweiterung des Hafens und die zunehmende Industrialisierung veränderten Sampierdarena grundlegend. Die ehemalige Küstenlandschaft verschwand. Die Villa wurde von Verkehrswegen, Industrieflächen und modernen Hochhäusern eingeschlossen.

Quellen: Italienisches Kulturministerium | FAI | Wikipedia Italien

Die Geschichte der Familie Pallavicino

Die Villa entstand wahrscheinlich am Ende des 16. Jahrhunderts. Eine genaue Datierung und der Name des Architekten sind nicht eindeutig überliefert. Auf historischen Karten aus dem 18. Jahrhundert wird das Gebäude jedoch als Besitz der Familie Pallavicino geführt. Der Kartograf Matteo Vinzoni bezeichnete die Villa 1757 als Eigentum des Alessandro Pallavicino.

Die Familie gehörte zu den bedeutenden Adelsfamilien Genuas. Sie prägte das damalige Sampierdarena mit mehreren repräsentativen Landsitzen. Viele dieser Villen verschwanden später durch Abriss oder wurden vollständig in die wachsende Stadt integriert. Die Villa Pallavicino Gardino gehört zu den wenigen erhaltenen Beispielen dieser historischen Villenlandschaft.

Im Jahr 1946 wurde die Villa von der Holzfirma Fratelli Gardino übernommen. Das Unternehmen nutzte auch die umliegenden Flächen für die Lagerung von Holz. Später wurde das Gebäude für gewerbliche Zwecke und als Wohnraum genutzt. Eine konservierende Restaurierung im Jahr 1996 sollte die Räume für Wohnungen vorbereiten. Eine dauerhafte Nutzung konnte jedoch nicht etabliert werden.

Quellen: Italienisches Kulturministerium | FAI | IPI Spa

Architektur und erhaltene Details

Architektonisch folgt die Villa dem alessianischen Stil, der bei den genuesischen Adelsfamilien des 16. und 17. Jahrhunderts weit verbreitet war. Der Bau besitzt einen regelmäßigen, nahezu kubischen Grundriss und ein markantes Walmdach. Die dem Meer zugewandte Fassade wurde durch sieben große Fenster über dem Eingang geprägt.

Über dem Haupteingang befindet sich noch heute das Wappen der Familie Pallavicino. Auch der große Dachüberstand mit seinen paarweise angeordneten Konsolen gehört zu den charakteristischen Merkmalen des Gebäudes.

Im Inneren befindet sich der eindrucksvollste erhaltene Teil der Villa: ein repräsentativer Schalentreppe aus Schiefer mit drei geschwungenen Läufen. Die Treppe verbindet die verschiedenen Ebenen und wird von kunstvollen schmiedeeisernen Geländern begleitet. In den oberen Bereichen sollen sich außerdem Reste dekorierter ehemaliger Küchenräume erhalten haben.

Quellen: Catalogo Generale dei Beni Culturali | Italienisches Kulturministerium | Liguria Vincoli

Der tatsächliche Skandal der Villa

Im Zusammenhang mit verlassenen Gebäuden entstehen schnell düstere Geschichten. Eine Erzählung, nach der in der Villa Pallavicino Gardino ein behindertes Kind ermordet worden sein soll, konnte ich in den verfügbaren offiziellen und lokalen Quellen jedoch nicht belegen. Deshalb stelle ich diese Geschichte nicht als historische Tatsache dar.

Die tatsächliche dunkle Geschichte dieses Ortes ist trotzdem eindrucksvoll genug. Über Jahrzehnte blieb ein geschütztes Baudenkmal weitgehend ungenutzt und verfiel mitten in der Stadt. Italienische Medien beschrieben die Villa als Symbol einer unterbrochenen Stadtentwicklung und als sichtbares Zeichen dafür, wie historische Orte aus dem Blick der Verantwortlichen geraten können.

In den Jahren des Leerstands wurde das Gelände zeitweise von Obdachlosen genutzt. Das führte zu Beschwerden aus der Nachbarschaft und verstärkte den Eindruck, dass die Villa zum Schandfleck von Sampierdarena geworden war. Für mich liegt dieser Schandfleck nicht in einer unbelegten Mordgeschichte, sondern im jahrzehntelangen Umgang mit einem bedeutenden Baudenkmal.

Quellen: Il Secolo XIX | la Repubblica | la Repubblica

Denkmalschutz und Verfall

Die Villa befindet sich in Privatbesitz und steht seit dem 20. Mai 1963 unter Denkmalschutz. Trotz dieser rechtlichen Sicherung konnte der Verfall über viele Jahre nicht verhindert werden. Abblätternder Putz, beschädigte Decken, freiliegendes Mauerwerk und zerstörte Fenster prägen die Innenräume.

Die offizielle Denkmalbeschreibung führt den Erhaltungszustand als schlecht an. Gleichzeitig wird die Villa als bedeutendes Beispiel genuesischer Adelsarchitektur des 16. Jahrhunderts eingestuft. Dieser Gegensatz ist überall im Gebäude sichtbar: Aufwendig gestaltete Decken und historische Treppen treffen auf Bauschutt, Graffiti und offene Gebäudestrukturen.

Quellen: Italienisches Kulturministerium | Catalogo Generale dei Beni Culturali | Liguria Vincoli

Mein Besuch 2022

Ich besuchte die Villa Pallavicino Gardino im Jahr 2022. Schon beim Betreten der Räume war spürbar, dass dieser Ort eine außergewöhnliche Geschichte hinter sich hat. Die repräsentative Treppe mit ihren schmiedeeisernen Geländern wirkte trotz des Verfalls noch immer eindrucksvoll.

In mehreren Räumen war das ursprüngliche Niveau des Gebäudes kaum noch zu erkennen. Felsgestein trat aus dem Boden hervor, Wände waren beschädigt und Teile der Decken fehlten. Gleichzeitig blieben dekorierte Decken, hohe Fenster, alte Türen und architektonische Details erhalten.

Besonders faszinierend fand ich den Gegensatz zwischen der ehemaligen Eleganz der Villa und der unmittelbaren Umgebung. Durch die Fenster blickte ich auf Bäume, Felsen und die moderne Stadtlandschaft von Genua. Die Villa Pallavicino Gardino ist für mich deshalb nicht nur ein verlassener Ort, sondern ein sichtbares Stück Stadtgeschichte, das zwischen Adel, Industrie, Hafen und Verfall seinen Platz verloren hat.

Atmosphere / Atmosphäre
64%
Risk / Gefahr
12%
Vandalism / Vandalismus
39%
Decay / Verfall
42%

Italy, visited in 2022

Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.

This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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