Abseits des ungarischen Ortes Szedres steht in Hídjapuszta eine kleine Kapelle, die heute zu den eindrucksvollsten verlassenen Sakralbauten der Region zählt. Zwischen Bäumen und dichtem Bewuchs liegt die Bezerédj-Kapelle, ein neogotischer Bau mit spitzbogigen Fenstern, kleinen Türmchen und einer bewegten Geschichte.
Hídjapuszta gehört verwaltungstechnisch zur Gemeinde Szedres im Komitat Tolna. Die Kapelle entstand in der Nähe des ehemaligen Bezerédj-Gutshofs. Das einstige Gut war früher ein bedeutender Mittelpunkt der Umgebung. Zum Besitz gehörten unter anderem ein Herrenhaus, eine Schule und eine Seidenzucht.
Heute erinnert vor allem die verlassene Kapelle an diese vergangene Zeit. Die dichte Vegetation hat das Gebäude beinahe vollständig umschlossen. Von außen ist der Bau zwischen den Bäumen nur schwer zu erkennen.
Quellen: TÁJINFO: Hídjapuszta und Bezerédj-Kapelle | Google Maps: Bezerédj-kápolna
Die Kapelle wurde zum Gedenken an Bezerédj István errichtet. Er gilt als Gründer von Szedres und war eine bedeutende Persönlichkeit des ungarischen Reformzeitalters. Nach seinem Tod ließ seine zweite Ehefrau Bezerédj Etelka den neogotischen Sakralbau errichten.
Bei der Jahreszahl gibt es eine kleine Abweichung in den verfügbaren Quellen. Während ein regionaler Bericht das Jahr 1861 nennt, wird in anderen Beschreibungen 1863 angegeben. Eine Gedenktafel im Inneren der Kapelle verweist ebenfalls auf das Jahr 1861. Sicher ist daher, dass der Bau in den frühen 1860er-Jahren entstand.
Quellen: TEOL: Die Bezerédj-Kapelle in Szedres | IttJártam: Bezerédj-Kapelle Szedres | TÁJINFO: Geschichte von Hídjapuszta
Die neogotische Architektur der Kapelle ist trotz des Verfalls noch deutlich zu erkennen. Die Fassade wird von spitzbogigen Fensteröffnungen, vorspringenden Wandpfeilern und kleinen turmartigen Bekrönungen geprägt. An der Rückseite befindet sich ein polygonaler Chor mit mehreren runden Fensteröffnungen.
Im Inneren bestimmen ein Kreuzrippengewölbe, schmale Wandöffnungen und farblich abgesetzte Gewölberippen den Raum. Besonders auffällig ist der dunkle hölzerne Altaraufsatz mit filigranen neogotischen Formen. Auch die hölzerne Empore und die seitlichen Kirchenbänke sind noch erhalten, allerdings teilweise beschädigt, zerbrochen oder aus ihrer ursprünglichen Position gerückt.
Quellen: TÁJINFO: Architektur und Zustand der Kapelle | IttJártam: Bezerédj-Kapelle Szedres
In der Bezerédj-Kapelle finden schon seit langer Zeit keine regelmäßigen Gottesdienste mehr statt. Das Gebäude wurde vernachlässigt und teilweise geplündert. Die Folgen sind im Inneren deutlich sichtbar: Laub bedeckt den Boden, der Putz blättert von den Wänden und Teile der hölzernen Ausstattung sind beschädigt.
Mehrere Fensteröffnungen wurden mit Holzplatten verschlossen. Dadurch dringt nur noch wenig Tageslicht in das Innere. Gleichzeitig gelangt durch beschädigte Stellen weiterhin Feuchtigkeit in den Bau. Die einst sakral genutzten Räume wirken dadurch heute still, dunkel und vollkommen aus der Zeit gefallen.
Bereits 2018 wurde die Nutzung der Kapelle wegen ihres lebensgefährlichen Zustands untersagt. Beschädigte Fenster und ein problematisches Dach hatten den Bau zu einer Gefahr für Besucher gemacht.
Quellen: TEOL: Vernachlässigung und Plünderung der Kapelle | Pécsi Egyházmegye: Sicherung des lebensgefährlichen Zustands
Im Jahr 2021 wurden wichtige Sicherungsarbeiten durchgeführt. Mit einer Förderung von sechs Millionen Forint ließ die Pécsi Egyházmegye das Dachtragwerk erneuern. Außerdem wurden beschädigte keramische Zierelemente an der Fassade restauriert und konserviert.
Diese Arbeiten verhinderten den weiteren unmittelbaren Verfall des Daches, stellten jedoch keine vollständige Sanierung der Kapelle dar. Ein regionales Planungsdokument bezeichnete den Sakralbau weiterhin als denkmalgeschützt und in einem äußerst schlechten Zustand. Eine umfassende Restaurierung wurde zwar als Ziel genannt, ein abgeschlossener Innenausbau ist in den verfügbaren Quellen jedoch nicht dokumentiert.
Eine Besucherbeschreibung vom Juli 2025 schildert das Gelände weiterhin als umzäunt und stark überwuchert. Die Kapelle bleibt damit ein Ort, an dem sich Sicherung und Verfall direkt gegenüberstehen.
Quellen: Pécsi Egyházmegye: Dach- und Fassadensicherung 2021 | Tolna Megye Területfejlesztési Programja: Bezerédj-Kapelle | IttJártam: Besucherbeschreibung von 2025
Am 14. November 2022 habe ich die Bezerédj-Kapelle fotografisch dokumentiert. Schon der erste Blick durch die Bäume machte deutlich, wie stark sich die Natur den Ort zurückgeholt hatte. Die verwitterte Fassade, der überwucherte Zugang und die spitz zulaufenden Formen ließen die Kapelle beinahe wie ein vergessenes Märchengebäude wirken.
Im Inneren war die ursprüngliche Funktion trotzdem noch klar erkennbar. Zwischen herabgefallenem Putz und trockenem Laub standen die alten Kirchenbänke, während der beschädigte Altaraufsatz weiterhin den Chorraum dominierte. Durch die runden Fenster fiel fahles Licht auf das Kreuzrippengewölbe und die leeren Wandflächen.
Besonders berührt hat mich die Gedenktafel für Bezerédj István und Bezerédj Etelka. Sie erinnert daran, dass dieser Raum einst aus persönlicher Verbundenheit und religiöser Bedeutung entstand. Heute bleibt davon vor allem eine stille Hülle zurück, deren Architektur den Verfall trotzdem überlebt.
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