Villa La Quiete liegt auf einer Anhöhe nahe dem historischen Zentrum von Treia in der italienischen Region Marken. Bekannt ist das Anwesen auch als Villa Spada. Vom Loggiato des Hauptgebäudes reicht der Blick über das Tal des Flusses Potenza bis zur Adriaküste.
Zur Anlage gehört ein rund 2,9 Hektar großer, von Mauern umgebener Park. Er verbindet italienische Gartenbereiche, Obstgärten, Waldflächen und alte Bäume. Auch mehrere kleinere Bauten gehören zum historischen Ensemble: ein neugotischer Pavillon, ein Gewächshaus mit Zinnen und ein neogotischer Gartenpavillon. Die Villa ist damit Teil einer größeren Anlage, in der Architektur und Garten gemeinsam geplant wurden.
Quellen: Treia Musei, „Villa la Quiete (o Villa Spada)“ | Grandi Giardini Italiani, „Villa La Quiete“
Der Ort hat eine lange Vorgeschichte. Mindestens seit 1036 stand hier eine Kirche, die dem heiligen Savino gewidmet war. Um sie herum entstand ab 1578 ein Kapuzinerkloster. Dieses wurde 1810 infolge der napoleonischen Klosteraufhebungen geschlossen.
1812 kaufte Luigi Angelini, damals Gonfaloniere von Treia, den ehemaligen Klosterkomplex und beauftragte den Architekten Giuseppe Valadier mit dem Umbau zu einem Landhaus. Ein eigenhändiger Entwurf Valadiers für die Hauptfassade stammt aus dem Jahr 1815. Statt den vorhandenen Bau vollständig zu ersetzen, sollte die Klosterstruktur weitgehend erhalten bleiben. Neu hinzu kamen unter anderem ein Portikus und die darüberliegende Loggia.
Quellen: Treia Musei, „Villa la Quiete (o Villa Spada)“ | Gemeinde Treia, „Art Bonus: Villa La Quiete o Villa Spada“
Bei der Frage, wann Lavinio de’ Medici Spada Eigentümer der Villa wurde, weichen die Quellen voneinander ab. Treia Musei nennt das Jahr 1828, während der FAI 1853 angibt. Die Quellen erläutern den Unterschied nicht. Nach seiner Heirat mit Natalia Komar im Jahr 1848 zog sich Lavinio aus dem öffentlichen Leben zurück und gab dem Anwesen den Namen Villa La Quiete.
Lavinio interessierte sich für Literatur, Mineralogie und Botanik. Unter seiner Verantwortung entwickelte sich der Park zu einer umfangreichen Pflanzensammlung. Treia Musei nennt mehr als 10.000 Pflanzenarten und über 400 Kamelienvarietäten. Der Gärtner Vittorio Micucci hielt die Pflanzen des Anwesens später in einem Katalog fest. Nach Lavinios Tod 1864 wechselte die Villa mehrfach den Besitzer und verfiel nach Angaben von Treia Musei schon bald.
Quellen: Treia Musei, „Villa la Quiete (o Villa Spada)“ | FAI, „Villa La Quiete o Villa Spada“ | Grandi Giardini Italiani, „Villa La Quiete“
Auch die Geschichte im 20. Jahrhundert ist vielschichtig. Laut FAI wurde in der Villa am 6. Juni 1940 ein Fraueninternierungslager eröffnet. Treia Musei berichtet außerdem von etwa 50 Menschen aus Somalia, Eritrea, Äthiopien und Libyen, die ab 1943 dort interniert waren, darunter Frauen und Kinder. Zwischen 1943 und 1944 war die Villa zudem mit dem polnischen II. Korps verbunden, das sich dort vor der Befreiung Anconas aufhielt.
Von den 1960er-Jahren bis 1980 wurde die Villa als Kindergarten Savoia genutzt. Danach setzte sich der Verfall fort. Das Erdbeben von 2016 und 2017 verursachte weitere Schäden am Gebäude. Die heutigen Innenaufnahmen zeigen diese unterschiedlichen Spuren: von erhaltenen Säulen, Gewölben und gestalteten Räumen bis zu beschädigten Decken, freigelegtem Mauerwerk und Bauschutt.
Quellen: Treia Musei, „Villa la Quiete (o Villa Spada)“ | FAI, „Villa La Quiete o Villa Spada“
Der historische Garten und das Hauptgebäude werden getrennt betrachtet. Der Garten wurde wiederhergestellt und orientiert sich laut Grandi Giardini Italiani an historischen Pflanzennachweisen. Für das Hauptgebäude begann im April 2026 ein eigener Restaurierungsabschnitt. Das Projekt umfasst Reparaturen der Erdbebenschäden und eine Verbesserung der Erdbebensicherheit.
Für die Arbeiten wurden insgesamt 6,1 Millionen Euro veranschlagt. Nach der Restaurierung sollen Teile der Villa als öffentliche Räume genutzt werden, darunter eine Bibliothek, ein Archiv, ein Konferenzraum und Ausstellungsflächen. Die Räume auf deinen Fotos halten damit einen Zustand fest, der sich durch die laufenden Arbeiten weiter verändern wird.
Quellen: Kommissariat für den Wiederaufbau nach dem Erdbeben, Projekt zur Restaurierung der Villa La Quiete | Cronache Maceratesi, „Villa Spada, inizia il futuro“ | Grandi Giardini Italiani, „Villa La Quiete“
Bei meinem Besuch fotografierte ich die Villa von außen und arbeitete mich durch ihre unterschiedlichen Innenräume. Meine Aufnahmen zeigen die symmetrische Fassade, lange Korridore mit Säulen und Rundbögen, die Treppe und gestaltete Räume mit Mobiliar. Daneben stehen beschädigte Decken, abgeplatzter Putz, freiliegendes Mauerwerk und zurückgelassener Schutt. So wird in der Bildserie sichtbar, wie nah die repräsentative Geschichte der Villa und ihr späterer Verfall beieinanderliegen.
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