Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Bahnhof Tskaltubo in Georgien: Das einstige Tor zum sowjetischen Kurort

Tskaltubo entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem bedeutenden Kurort. Die Gemeindeverwaltung nennt 1920 als Jahr, in dem der Ort offiziell zum balneologischen Kurort wurde. 1953 erhielt Tskaltubo Stadtrecht. Während der Sowjetzeit war der Ort als Kurzentrum mit Sanatorien und Badehäusern bekannt.

Der Bahnhof war für viele Gäste der erste Eindruck von Tskaltubo. Hier kamen Reisende an, die zur Erholung und Behandlung in den Kurort fuhren. Der großzügige Bau mit seinem Brunnen, den Säulen und den hohen Fenstern empfing sie mit einer Architektur, die den Anspruch des Reiseziels sichtbar machte.

Quellen: Gemeinde Tskaltubo, „The History of Tskaltubo“ | Gemeinde Tskaltubo, „About Tskaltubo“ | Wander-Lush, „The Ultimate Guide to Tskaltubo“, aktualisiert 11. August 2026

Ein Bahnhof mit umstrittener Bauzeit

Die genaue Bauzeit des heutigen Empfangsgebäudes ist in den verfügbaren Quellen nicht einheitlich angegeben. Ein Projektpapier der Weltbank zur Sanierung des Bahnhofs ordnet das Gebäude den 1930er-Jahren zu. Der C:20-Architekturführer für Tskaltubo nennt dagegen 1955 als Baujahr und N. Pocheptsova als Architektin. Ohne einen eindeutigen Primärbeleg lässt sich dieser Widerspruch nicht sicher auflösen. Deshalb nenne ich beide Angaben, statt eine davon als endgültig gesichert darzustellen.

Quellen: Weltbank, Projektunterlage zur Sanierung des Bahnhofs Tskaltubo | C:20, Architekturführer Tskaltubo, Eintrag „Railway station“ | Gemeinde Tskaltubo, Präsentation des C:20-Architekturführers, 21. Oktober 2022

Repräsentative Architektur und sichtbarer Verfall

Die Bahnhofsfassade ist durch eine lange, symmetrische Front, Säulen und überdachte Eingänge geprägt. Im Inneren setzen sich die dekorativen Formen fort: hohe Rundbogenfenster, geometrische Holzgitter, Stuck und große Durchgänge geben den Räumen eine fast festliche Wirkung. Der C:20-Architekturführer zählt den Bahnhof zu den besonderen Bauwerken der Stadt.

Auf meinen Aufnahmen treffen diese sorgfältig gestalteten Details auf den heutigen Zustand des Gebäudes. Feuchte Böden, Pfützen, abblätternde Wand- und Deckenflächen, Schutt und zerbrochene Scheiben zeigen, wie stark die Räume inzwischen beschädigt sind. Der Gegensatz zwischen der repräsentativen Empfangsarchitektur und den leeren, verwitterten Innenräumen prägt den Ort.

Quellen: C:20, Architekturführer Tskaltubo, Eintrag „Railway station“ | Gemeinde Tskaltubo, Präsentation des C:20-Architekturführers, 21. Oktober 2022

Von der Sanierung zurück in den Leerstand

Der Bahnhof wurde in den 2010er-Jahren saniert und zeitweise als Tourismusinformation genutzt. Diese Nutzung blieb nicht dauerhaft bestehen. Ein 2026 aktualisierter Reiseführer beschreibt das Gebäude inzwischen wieder als vernachlässigt und berichtet, dass keine Personenzüge aus Kutaisi mehr bis Tskaltubo fahren. Die Website der Gemeinde führt die Stadt weiterhin als per Bahn mit Kutaisi verbunden. Das spricht für eine wichtige Unterscheidung: Eine vorhandene Bahnverbindung bedeutet nicht automatisch, dass aktuell reguläre Personenzüge verkehren.

Quellen: C:20, Architekturführer Tskaltubo, Eintrag „Railway station“ | Wander-Lush, „The Ultimate Guide to Tskaltubo“, aktualisiert 11. August 2026 | Gemeinde Tskaltubo, „About Tskaltubo“

Mein Besuch 2026

Am 7. Oktober 2026 habe ich den Bahnhof von außen und innen fotografiert. Der Brunnen vor der symmetrischen Fassade bildet einen starken Auftakt. Im Inneren ziehen die Rundbogenfenster, die ornamentalen Holzarbeiten und die Stuckdecken den Blick auf sich. Gleichzeitig stehen Wasser auf dem Boden, abgeplatzte Oberflächen und zerbrochene Scheiben im deutlichen Kontrast zu dieser einst repräsentativen Gestaltung. Besonders in den großen, fast menschenleeren Hallen wird sichtbar, wie viel von der früheren Empfangswirkung noch vorhanden ist und wie weit der Verfall bereits fortgeschritten ist.

Atmosphere / Atmosphäre
72%
Risk / Gefahr
15%
Vandalism / Vandalismus
31%
Decay / Verfall
57%

Georgia, visited in 2026

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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