Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Torpedostation Miedwie: Versuchsanlage im Madüsee

Die Torpedostation Miedwie ist die Ruine einer deutschen Versuchsanlage aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Gebäude steht im Miedwie-See, der damals den deutschen Namen Madüsee trug. Hier wurden vor allem Flugzeugtorpedos montiert, geprüft und auf dem Wasser getestet.

Der Miedwie-See bei Stargard

Der Miedwie-See liegt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern südwestlich von Stargard. Mit einer Fläche von ungefähr 35 Quadratkilometern gehört er zu den größten Seen Polens.

Seine maximale Tiefe beträgt etwa 44 Meter. Die langgestreckte Form, das ruhige Binnengewässer und die große verfügbare Teststrecke boten geeignete Bedingungen für die Erprobung von Torpedos.

Quelle: Gemeinde Kobylanka: Der Miedwie-See

Der Torpedowaffenplatz Madüsee

Während des Zweiten Weltkriegs entstand am See eine militärische Anlage für die deutsche Luftwaffe. Sie wird in historischen Berichten als Torpedowaffenplatz Madüsee beziehungsweise als Teil der Gerätewerke Pommern Madüsee bezeichnet.

Einzelne Bauteile der Torpedos wurden angeliefert, vor Ort zusammengesetzt und anschließend geprüft. Der See diente als Testgelände, auf dem insbesondere Laufverhalten, Tiefensteuerung und technische Zuverlässigkeit untersucht werden konnten.

Quelle: Infomare: Der Torpedoversuchsplatz am Miedwie-See

Nicht der Torpedowaffenplatz Hexengrund

Die Anlage am Miedwie-See wird gelegentlich mit dem Torpedowaffenplatz Hexengrund verwechselt. Dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Standorte.

Hexengrund lag an der Danziger Bucht bei Gdynia. Die hier dokumentierte Torpedostation gehörte dagegen zum Versuchs- und Montagegelände am damaligen Madüsee in Westpommern.

Beide Anlagen dienten der deutschen Torpedoentwicklung. Aufgrund ihrer ähnlichen Funktion und der erhaltenen Gebäude im Wasser werden ihre Namen in Berichten und Bildbeschreibungen häufig miteinander vermischt.

Tests mit Flugzeugtorpedos

Am Madüsee wurden vor allem Torpedos für die deutsche Luftwaffe erprobt. Dazu gehörte der Flugzeugtorpedo F5b, der von Flugzeugen gegen Schiffe eingesetzt werden sollte.

Für die Versuche verwendete man Übungstorpedos ohne Sprengstoff. In ihren Testköpfen befanden sich Messgeräte, die während des Laufs unter anderem Tiefe und Stabilität aufzeichneten. Nach einem Test konnten die Techniker feststellen, ob der Torpedo zuverlässig funktionierte oder weitere Anpassungen benötigte.

Vermutlich wurde die Anlage ab 1944 ebenfalls für Arbeiten im Auftrag der Kriegsmarine genutzt.

Quellen: Museum für Küstenverteidigung Świnoujście: Flugzeugtorpedo F5b aus dem Miedwie-See | Infomare: Gerätewerke Pommern Madüsee

Die Torpedotests auf dem See

Die Torpedos wurden von einem Schießstand in den See abgefeuert. Während ihres Laufs konnten Beobachter und technische Geräte Geschwindigkeit, Richtung und Tauchtiefe kontrollieren.

Anschließend sollten spezielle Fangboote die Übungstorpedos bergen und zurück zur Anlage bringen. Nicht jeder Versuch verlief erfolgreich. Einige Torpedos sanken auf den Grund des Sees und blieben dort über Jahrzehnte liegen.

Der geborgene Torpedo F5b

Im Jahr 2019 wurde ein deutscher Übungstorpedo des Typs F5b aus dem Miedwie-See geborgen. Das mehr als 700 Kilogramm schwere Exemplar war am 22. November 1943 gefertigt worden.

Der Torpedo enthielt keinen Sprengstoff und befand sich nach Jahrzehnten im Süßwasser noch in einem außergewöhnlich guten Zustand. Sogar der interne Messschreiber mit den Aufzeichnungen des damaligen Testlaufs war erhalten geblieben.

Das Fundstück gelangte zur Untersuchung und Konservierung in das Museum für Küstenverteidigung in Świnoujście.

Quellen: Museum für Küstenverteidigung: Der Torpedofund | O2 Polen: Bergung des Torpedos im Jahr 2019

Die verlassene Station im Wasser

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlor der Torpedoversuchsplatz seine ursprüngliche Funktion. Von den militärischen Anlagen blieben verschiedene Gebäudereste am Ufer und im Wasser zurück.

Die ehemalige Schieß- und Teststation steht heute isoliert im See. Die frühere Verbindung zum Ufer ist nicht mehr vorhanden. Wasser, Frost und Wind greifen den Beton seit Jahrzehnten an und lassen das Gebäude langsam verfallen.

Gerade die isolierte Lage macht die Ruine zu einem ungewöhnlichen Relikt der deutschen Militärgeschichte in Polen.

Mein Besuch 2021

Ich fotografierte die Torpedostation Miedwie im Jahr 2021. Da die ehemalige Verbindung zum Land zerstört ist, näherten wir uns dem Bauwerk über das Wasser.

Aus der Nähe wurden die Schäden am Beton und an den verbliebenen Gebäudeteilen deutlich sichtbar. Gleichzeitig vermittelte die allein im See stehende Ruine einen Eindruck davon, wie abgeschieden und geheimnisvoll dieser militärische Versuchsplatz einst gewesen sein muss.

Meine Fotografien dokumentieren einen Ort, dessen Geschichte sich nicht nur in der sichtbaren Station befindet. Weitere Spuren der Torpedoversuche liegen bis heute auf dem Grund des Miedwie-Sees.

Atmosphere / Atmosphäre
72%
Risk / Gefahr
28%
Vandalism / Vandalismus
24%
Decay / Verfall
83%

Poland, visited in 2021

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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