Unmittelbar neben dem mächtigen Wasserfall von Bad Gastein steht eines der geschichtsträchtigsten Gebäude des österreichischen Kurortes: das Hotel Badeschloss Bad Gastein. Als ich das Haus 2014 besuchte, lagen viele seiner Räume verlassen und nahezu unverändert hinter der historischen Fassade. Alte Hotelzimmer, große Säle, ein schwarzer Flügel und zurückgelassene Einrichtungsgegenstände erzählten noch von seiner langen Vergangenheit.
Das Gebäude war damals ein eindrucksvoller Lost Place. Inzwischen wurde das denkmalgeschützte Badeschloss restauriert und wieder als Hotel eröffnet. Meine Fotografien dokumentieren somit einen Zustand, der heute nicht mehr existiert.
Das Badeschloss wurde zwischen 1791 und 1794 nach Plänen des Salzburger Architekten Wolfgang Hagenauer errichtet. Auftraggeber war der Salzburger Fürsterzbischof Hieronymus von Colloredo. Das Haus gilt als erstes größeres Steingebäude des damaligen Bad Gasteins und markierte den Beginn der Entwicklung vom abgelegenen Badeort zum international bekannten Kurzentrum.
Ursprünglich besaß das Gebäude zwei Geschosse und eine streng gegliederte Fassade mit sieben Fensterachsen. Im Jahr 1857 wurde es teilweise abgetragen und anschließend um zwei zusätzliche Stockwerke erweitert. Trotz der Veränderungen blieb sein charakteristisches Erscheinungsbild am Straubingerplatz erhalten.
Quellen: Wikipedia – Hotel Badeschloss | Urban Nature – Geschichte des Badeschlosses
Seit 1807 diente das Badeschloss als öffentliches Kurhaus. Seine Lage in unmittelbarer Nähe der Thermalquellen und des Wasserfalls machte es zu einem bedeutenden Bestandteil des historischen Badebetriebs. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Bad Gastein zu einem Treffpunkt des europäischen Adels, wohlhabender Bürger und politischer Persönlichkeiten.
Zu den bekanntesten Gästen gehörte Kaiser Wilhelm I. Er kam erstmals 1863 zur Kur nach Bad Gastein und wohnte im Badeschloss unter dem Namen „Graf von Zollern“. Bis 1887 kehrte er mit Ausnahme des Kriegsjahres 1866 regelmäßig an den Ort zurück. Seine Aufenthalte trugen wesentlich zum internationalen Ruf des Kurortes bei.
Quellen: Wikipedia – Hotel Badeschloss | Wikipedia – Kaiser-Wilhelm-Denkmal Bad Gastein
Ab 1912 wurde das Badeschloss als Militärkurhaus genutzt. In den 1920er-Jahren erfolgte der Umbau zu einem Hotel. Während des Zweiten Weltkriegs diente das Gebäude zeitweise als Kur- und Erholungsheim der Wehrmacht. Danach wurde der Hotelbetrieb fortgesetzt, doch mit dem Wandel des Tourismus verlor das traditionsreiche Haus zunehmend an Bedeutung.
Schließlich begann eine lange Zeit des Leerstands. Während andere große Hotels im Zentrum von Bad Gastein ebenfalls geschlossen wurden, verfielen auch die Innenräume des Badeschlosses. Feuchtigkeit, mangelnde Instandhaltung und die raue Witterung des Gasteinertals hinterließen deutliche Spuren.
Quelle: Wikipedia – Hotel Badeschloss
Am 27. März 2013 brach im Dachbereich des leerstehenden Badeschlosses ein Feuer aus. Der Brand beschädigte Teile des historischen Gebäudes und verschärfte die Sorge um seine Zukunft. Als Ursache wurde Brandstiftung festgestellt.
Das Ereignis lag bei meinem Besuch erst rund ein Jahr zurück. Obwohl zahlreiche Räume weiterhin erstaunlich vollständig eingerichtet waren, zeigten sich überall Spuren des jahrelangen Stillstands. Beschädigte Wände, dunkle Feuchtigkeitsflecken und bröckelnder Putz standen im Kontrast zu Kronleuchtern, Holzvertäfelungen und den noch vorhandenen Hotelmöbeln.
Quelle: Wikipedia – Hotel Badeschloss
Hinter der gelben Fassade öffnete sich eine überraschend vielfältige Welt. Mehrere Gästezimmer waren noch mit Betten, Schränken, Tischen und schweren Vorhängen ausgestattet. In einem großen Aufenthaltsraum standen Sofas und Sessel auf einem roten Teppich. Andere Bereiche wirkten deutlich schlichter und erinnerten eher an ein Kur- oder Erholungsheim.
Besonders eindrucksvoll waren die repräsentativen Säle mit hohen Fenstern, Parkettböden und großen Kronleuchtern. In einem hellen Raum stand ein schwarzer Flügel. Seine beschädigten Tasten und das gealterte Holz machten den langen Leerstand unmittelbar sichtbar. Auch eine holzvertäfelte Gaststube, geflieste Behandlungsräume, alte Wirtschaftsbereiche und endlose Korridore waren noch erhalten.
Das Land Salzburg erwarb das historische Ensemble am Straubingerplatz im Jahr 2017. Ein Jahr später ging es an die Hirmer-Gruppe über. Anschließend wurden das Badeschloss, das benachbarte Hotel Straubinger und Teile des Platzes umfassend saniert. Dabei blieb die historische Bausubstanz erhalten und wurde durch einen modernen Hotelbau ergänzt.
Am 1. Dezember 2023 wurde das Badeschloss wiedereröffnet. Heute beherbergt es ein modernes Hotel mit 102 Zimmern und Suiten. Damit endete die jahrzehntelange Zeit des Verfalls. Aus dem Lost Place wurde erneut ein belebter Teil des Bad Gasteiner Ortszentrums.
Quellen: Wikipedia – Hotel Badeschloss | Baumeister – Hotel Badeschloss Bad Gastein | Urban Nature – Geschichte des Badeschlosses
Ich besuchte das Badeschloss Bad Gastein im Jahr 2014. Damals war von der späteren Wiedereröffnung noch nichts zu sehen. Hinter der stattlichen Fassade lagen verlassene Gästezimmer, dunkle Flure und große Säle, in denen die Zeit scheinbar stehen geblieben war.
Besonders in Erinnerung blieben mir die Gegensätze. Prächtige Kronleuchter hingen über beschädigten Böden, schwere Vorhänge rahmten leere Fenster und ein alter Flügel stand verlassen in einem der Säle. Gleichzeitig lagen in mehreren Zimmern noch Decken auf den Betten, während Möbel und technische Einrichtungen auf ihre früheren Aufgaben hinwiesen.
Heute ist das Badeschloss kein Lost Place mehr. Meine Bilder zeigen das historische Hotel jedoch in jener kurzen Phase zwischen jahrzehntelangem Leerstand, dem Brand von 2013 und seiner späteren Restaurierung. Dadurch sind sie zu einem fotografischen Zeitdokument eines inzwischen verschwundenen Zustands geworden.
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