Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Matenatunnel Duisburg: Der ehemalige Schimanski-Tunnel

Der Matenatunnel in Duisburg-Bruckhausen war ein rund 400 Meter langer Straßentunnel unter dem Werksgelände der August-Thyssen-Hütte. Er verband den Stadtteil Bruckhausen mit dem ehemaligen Fischerdorf Alsum und führte eine öffentliche Straße durch die wachsende Industrielandschaft des Ruhrgebiets.

Heute ist die Tunnelröhre nicht mehr zugänglich. Sie wurde ab 2017 mit rund 15.000 Tonnen Hüttensand verfüllt. Der Matenatunnel wurde dabei nicht abgerissen: Die historische Konstruktion blieb als Ganzes erhalten.

Quellen: thyssenkrupp Steel: 15.000 Tonnen Hüttensand: Maroder Matena-Tunnel wird verfüllt | KuLaDig: Tunnel Matenastraße in Bruckhausen

Eine Straße unter dem Stahlwerk

Die Matenastraße führte ursprünglich oberirdisch durch das wachsende Hüttenwerk. Mit der Ausdehnung der industriellen Anlagen wurde die direkte Verbindung zwischen Bruckhausen und Alsum zunehmend schwieriger. Erste Überlegungen für eine Überbauung gab es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Zwischen 1909 und 1912 wurde die Straße schließlich unter dem Werksgelände hindurchgeführt. Der fertiggestellte Tunnel ermöglichte es der August-Thyssen-Hütte, ihre Betriebsflächen zusammenhängend auszubauen, während die öffentliche Verbindung für den Verkehr erhalten blieb. Der Tunnel war für Schwerlastverkehr ausgelegt und verfügte zusätzlich über einen Fußweg.

Quellen: Rheinische Industriekultur: Matenatunnel | thyssenkrupp Steel: 15.000 Tonnen Hüttensand: Maroder Matena-Tunnel wird verfüllt

Verbindung zwischen Bruckhausen und Alsum

Die Verbindung zwischen Bruckhausen und Alsum reicht deutlich weiter zurück als der eigentliche Tunnel. Bereits historische Karten aus dem Jahr 1727 zeigen an dieser Stelle einen Weg zwischen den beiden Orten. Der Name Matena wird mit einer Wiesenau oder Wiesenaue in Verbindung gebracht.

Der ehemalige Ort Alsum wurde durch Kriegsschäden und Bergsenkungen schwer getroffen und schließlich aufgegeben. Damit verlor auch die Matenastraße ihre ursprüngliche Bedeutung als wichtige Verbindung zwischen den beiden Ortsteilen. Der Tunnel blieb jedoch als außergewöhnliches Zeugnis der Duisburger Industriegeschichte bestehen.

Quellen: Rheinische Industriekultur: Matenatunnel | KuLaDig: Tunnel Matenastraße in Bruckhausen

Eine Straßenbahn fuhr durch die Röhre

Der Matenatunnel war nicht ausschließlich für Autos und Fußgänger gedacht. Seine Höhe und Breite wurden auch so geplant, dass eine Straßenbahn durch die Unterführung fahren konnte. Zeitweise verlief eine meterspurige Straßenbahnverbindung durch den Tunnel in Richtung Alsum und Buschhausen.

Auf alten Aufnahmen waren unter dem später beschädigten Straßenbelag noch Reste der ehemaligen Gleise erkennbar. Der Straßenbahnbetrieb durch die Tunnelanlage endete 1965. Danach wurde die Matenastraße weiterhin von Autos und Fußgängern genutzt.

Quellen: KuLaDig: Tunnel Matenastraße in Bruckhausen | thyssenkrupp Steel: 15.000 Tonnen Hüttensand: Maroder Matena-Tunnel wird verfüllt

Schimanski machte den Matenatunnel bekannt

Über Duisburg hinaus wurde der Matenatunnel vor allem durch die Schimanski-Krimis mit Götz George bekannt. In den 1980er-Jahren diente die markante Tunnelröhre als Kulisse für mehrere Tatort-Folgen.

Auch im Kinofilm „Zabou“ aus dem Jahr 1987 wurde ein Teil einer Verfolgungsjagd im Matenatunnel gedreht. Die gekrümmte Röhre, das schwache Licht und die industrielle Umgebung passten perfekt zur rauen Bildsprache der Duisburger Schimanski-Filme.

Quellen: thyssenkrupp Steel: 15.000 Tonnen Hüttensand: Maroder Matena-Tunnel wird verfüllt | Schimanski-Drehorte: Schimanski-Tunnel / Matenastraße | filmportal.de: Zabou

Schließung und Verfüllung im Jahr 2017

Im Jahr 2013 wurde der Matenatunnel aus Sicherheitsgründen für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Die Bausubstanz war stark geschädigt und teilweise einsturzgefährdet. Eine Wiedereröffnung erfolgte nicht.

Ab 2017 wurde die Tunnelröhre mit rund 15.000 Tonnen Hüttensand verfüllt. Dabei handelte es sich um ein Nebenprodukt der Stahlherstellung. Der Tunnel wurde nicht abgebrochen. Die Verfüllung erfolgte vielmehr so, dass das historische Bauwerk als Ganzes erhalten blieb. Lediglich seine öffentliche Nutzung und die Möglichkeit, ihn zu durchqueren, endeten endgültig.

Der Matenatunnel ist heute deshalb kein zugänglicher Lost Place mehr. Er liegt als erhaltene, jedoch verfüllte Verkehrsanlage unter dem Werksgelände verborgen.

Quellen: thyssenkrupp Steel: 15.000 Tonnen Hüttensand: Maroder Matena-Tunnel wird verfüllt | KuLaDig: Tunnel Matenastraße in Bruckhausen

Mein Besuch 2013

Als ich den Matenatunnel 2013 fotografierte, war bereits spürbar, dass dieser Ort keine Zukunft mehr als öffentlicher Verkehrsweg hatte. Die Fahrbahn war beschädigt, die Wände wirkten feucht und verwittert, und überall fanden sich Spuren von Graffiti und Vandalismus.

Besonders eindrucksvoll war die gekrümmte Form der Tunnelröhre. Von einem Ende aus war der gegenüberliegende Ausgang nicht vollständig zu erkennen. Dadurch wirkte der Matenatunnel deutlich länger und abgeschlossener, als es seine tatsächliche Länge vermuten ließ.

Über dem Tunnel lag die Welt der Stahlproduktion. Unter ihr führte eine alte Straße durch Dunkelheit, Beton und Industriegeschichte. Heute kann niemand mehr durch diese Röhre gehen. Meine Aufnahmen zeigen deshalb einen Ort, der zwar baulich erhalten blieb, aus dem öffentlichen Leben aber vollständig verschwunden ist.

Hinweis: Der Matenatunnel ist heute nicht zugänglich. Die Tunnelröhre wurde verfüllt. Das angrenzende Werksgelände darf nicht betreten werden. Dieser Beitrag dokumentiert den Zustand während meines Besuchs im Jahr 2013.

Atmosphere / Atmosphäre
38%
Risk / Gefahr
0%
Vandalism / Vandalismus
38%
Decay / Verfall
55%

Germany, visited in 2013

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

Demolished 2017

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