Die Stärkefabrik Hundhausen in Ahlen war ein bedeutendes Unternehmen der Lebensmittelindustrie. Hier wurden über viele Jahrzehnte Produkte aus Weizen hergestellt. Heute erinnern rote Backsteinmauern, hohe Schornsteine, Silos und leere Produktionshallen an die industrielle Vergangenheit des Werks.
Die Geschichte der Firma Hundhausen begann im Jahr 1864 in Hamm. Dort wurde zunächst aus Weizenmehl Weizenstärke hergestellt. Ab 1868 ist der Name R. Hundhausen Stärkefabrik belegt.
Die Nachfrage nach den Produkten stieg kontinuierlich. Deshalb mussten die Gebäude und Produktionsanlagen in Hamm immer wieder erweitert werden. Im Jahr 1899 übernahm der Lippstädter Kaufmann C. D. Epping den Betrieb.
1940 wurde die Produktion nach Ahlen verlegt. Dort entstanden moderne Fabrikationsanlagen. Das neue Werk entwickelte sich zu einem wichtigen Unternehmen der Ahlener Nahrungsmittelindustrie.
Quellen: Wikipedia – Stärkefabrik R. Hundhausen | LostAreas – Stärkefabrik Hundhausen in Ahlen | Dubtown – Stärkefabrik R. Hundhausen
In der Stärkefabrik wurden verschiedene Produkte aus Weizen hergestellt. Dazu gehörten Weizenstärke, Weizenstärkepuder, Weizensüßkleber, Aleuronat und Weizenstärkequellmehl.
Die Erzeugnisse wurden sowohl in der Lebensmittelindustrie als auch in technischen Bereichen verwendet. Weizenstärke kam unter anderem bei der Herstellung von Pudding, Cremes und feinen Backwaren zum Einsatz. Auch die Textil-, Papier-, Klebstoff- und pharmazeutische Industrie benötigte die Produkte.
Besonders bekannt wurde Aleuronat. Das aus Weizenkeimen gewonnene Produkt wurde als Nahrungsergänzung und Diabetikerpräparat vermarktet. Der Markenname Hundhausen entwickelte sich dadurch zu einem weithin bekannten Begriff.
Die alte Waage auf den Fotografien wirkt heute unscheinbar. Sie steht jedoch sinnbildlich für die vielen Arbeitsschritte, die in den Hallen täglich durchgeführt wurden.
Quellen: Wikipedia – Stärkefabrik R. Hundhausen | Dubtown – Stärkefabrik R. Hundhausen
Der Erste Weltkrieg und die folgenden Nachkriegsjahre brachten erhebliche Schwierigkeiten. Vor allem der Mangel an Rohstoffen beeinträchtigte die Produktion.
Auch während des Zweiten Weltkriegs blieb das Werk nicht verschont. Bei einem Bombenangriff am 23. März 1944 wurden große Teile der Gebäude und Maschinen zerstört. Drei Arbeiter kamen bei dem Angriff ums Leben.
Unter schwierigen Bedingungen wurde die Fabrik wieder aufgebaut. Die Produktion konnte bereits nach relativ kurzer Zeit erneut aufgenommen werden. Die späteren Gebäude und Anlagen zeigen deshalb verschiedene Bau- und Technikphasen des Werkes.
Heute wirken die roten Backsteinfassaden, die alten Fenster und die hohen Schornsteine wie ein eingefrorenes Bild dieser wechselvollen Industriegeschichte.
Quellen: Dubtown – Stärkefabrik R. Hundhausen | Wikipedia – Stärkefabrik R. Hundhausen
Die Herstellung von Stärkemehl in Ahlen wurde 1990 eingestellt. Das innerstädtische Fabrikgelände bot keine ausreichenden Möglichkeiten mehr, um die Produktion zu vergrößern und langfristig konkurrenzfähig zu bleiben.
Ein Neubau in einem Ahlener Industriegebiet wurde wegen des hohen finanziellen Aufwandes nicht umgesetzt. Damit endete die Geschichte der Stärkefabrik Hundhausen als produzierendes Unternehmen.
Nach der Stilllegung blieben große Teile des Geländes zunächst ungenutzt. In den Gebäuden standen weiterhin technische Anlagen, Behälter, Rohrleitungen und Arbeitsmittel. Gleichzeitig drangen Feuchtigkeit und Pflanzen in die Räume ein.
Die Fotografien zeigen diesen Übergang besonders deutlich. Zwischen sauber gemauerten Backsteinwänden liegen Schutt und Staub. Alte Maschinen stehen neben leeren Flächen. In einigen Räumen ist die industrielle Nutzung noch klar erkennbar, während andere bereits vollständig verlassen wirken.
Quellen: LostAreas – Stärkefabrik Hundhausen in Ahlen | Wikipedia – Stärkefabrik R. Hundhausen
Das ehemalige Fabrikgelände blieb über viele Jahre eine markante Industriebrache in Ahlen. Die vorhandene Bausubstanz machte das Areal trotz seines schlechten Zustands weiterhin interessant.
Im Jahr 2023 wurde über neue Planungen für das Gelände berichtet. Vorgesehen war eine Mischung aus Geschäften, Büros, Dienstleistungen, Wohnungen und Gastronomie. Teile der bestehenden Gebäudesubstanz sollten dabei erhalten bleiben.
Ob und in welcher Form diese Planungen umgesetzt werden, ändert nichts an der Bedeutung der alten Fabrik. Die Stärkefabrik Hundhausen gehört zur Industriegeschichte Ahlens und zeigt, wie eng Nahrungsmittelproduktion, Technik und Stadtentwicklung miteinander verbunden waren.
Heute sind es vor allem die erhaltenen Gebäude, der hohe Schornstein und die stillen Innenräume, die an diese Zeit erinnern.
Quellen: Radio WAF – Planungen für die Hundhausenbrache | LostAreas – Stärkefabrik Hundhausen in Ahlen
Ich habe die Stärkefabrik Hundhausen im Jahr 2007 besucht. Schon beim ersten Rundgang fiel der Gegensatz zwischen den massiven Backsteinbauten und den leeren Innenräumen auf.
Besonders eindrucksvoll war die alte Toledo-Waage. Sie stand verlassen in einem dunklen Raum und erinnerte trotzdem sofort an die frühere industrielle Nutzung. Auch die Maschinen, Silos und technischen Anlagen wirkten, als hätte der Betrieb erst vor kurzer Zeit aufgehört.
Draußen ragten der alte Schornstein und die weißen Behälter über die Dächer der Fabrik. Zwischen den Gebäuden wuchsen Pflanzen, während zerbrochene Fenster und rostige Stege den Verfall sichtbar machten.
Die Stärkefabrik Hundhausen war für mich ein stiller, aber sehr aussagekräftiger Lost Place. Die Geschichte lag nicht in spektakulären Einzelobjekten, sondern in der Summe aus Maschinen, Mauern, Gerüchen, Staub und zurückgelassenen Spuren.
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