Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

Schamottsteinwerk Krefeld, ehemaliger Lost Place

Das ehemalige Schamottsteinwerk in Krefeld gehört zu den Lost Places, die heute vollständig aus dem Stadtbild verschwunden sind. Als ich die Anlage im Jahr 2013 fotografierte, standen die großen Produktionshallen noch. Zwischen den Gebäuden befanden sich Brennöfen, Schienenanlagen, Maschinen, Pressen und zahlreiche Schamottsteine.

Nach dem Vergleich historischer Satellitenbilder wurde die Anlage vermutlich zwischen 2018 und 2019 vollständig abgerissen. Der genaue Abrisszeitpunkt und der offizielle Grund für den Rückbau sind öffentlich nicht dokumentiert. Damit gehören diese Aufnahmen zu den letzten fotografischen Zeugnissen des ehemaligen Werks.

Ein verlorener Teil der Krefelder Industriegeschichte

Krefeld ist stark durch seine Industriegeschichte geprägt. Mit Fabriken, Bahnlinien, Hafenanlagen und zahlreichen Produktionsstandorten entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Industriestandort am Niederrhein. Viele dieser Anlagen wurden im Laufe der Zeit aufgegeben, umgenutzt oder abgerissen.

Das Schamottsteinwerk Krefeld passt in diese industrielle Entwicklung. Die genaue Betreiberfirma, das Gründungsjahr und die einzelnen Betriebsphasen lassen sich anhand der öffentlich zugänglichen Quellen jedoch nicht eindeutig belegen. Deshalb verzichte ich bewusst auf eine nicht belegte Firmengeschichte.

Der Name „Schamottsteinwerk Krefeld“ wird in diesem Portfolio entsprechend der bisherigen Bezeichnung verwendet. Die historische Zuordnung basiert auf dem sichtbaren Produktionsaufbau, den Brennöfen, den Schienenwagen, den feuerfesten Steinen und einem unabhängigen Bericht über denselben Lost Place.

Quellen: Industriekultur Krefeld | Bericht zum Schamottsteinwerk in Krefeld

Was in einem Schamottsteinwerk hergestellt wird

Schamottsteine gehören zu den feuerfesten keramischen Materialien. Sie werden eingesetzt, wenn Bauteile dauerhaft hohen Temperaturen ausgesetzt sind, beispielsweise in Öfen, Brennkammern, Schornsteinen und industriellen Feuerungsanlagen.

Bei der Herstellung werden tonhaltige Rohstoffe aufbereitet, gemahlen und miteinander vermischt. Anschließend wird die Masse in Form gebracht, gepresst oder zugeschnitten und getrocknet. Der entscheidende Arbeitsschritt ist der Brand in einem Hochtemperaturofen. Moderne Schamottewerke verwenden dafür häufig Tunnelöfen, in denen die geformten Steine über längere Zeit gebrannt werden.

Die Fotografien aus dem Werk zeigen viele Elemente, die zu diesem Produktionsablauf passen. Dazu gehören Schienenwagen, gemauerte Ofengänge, große Brennöfen, Pressen, Messgeräte, Rohrleitungen und Stapel mit feuerfesten Formsteinen. Die allgemeinen technischen Quellen belegen den Produktionsprozess, sie beweisen jedoch nicht jedes einzelne Detail der ehemaligen Anlage.

Quellen: Wolfshöher Tonwerke, Herstellung von Schamotte | KTS Kärlicher Ton und Schamottewerke | Saint-Gobain, feuerfeste Steine und Schamottsteine

Die Produktionshallen auf meinen Bildern

Beim Betreten der Hallen fiel zunächst die Größe der Anlage auf. In mehreren Bereichen verliefen Schienen durch die Produktionsräume. Auf ihnen standen Wagen, die mit großen feuerfesten Steinen und Formteilen beladen waren. Einige Wagen befanden sich direkt vor den Brennöfen oder in den gemauerten Ofengängen.

In den Hallen standen außerdem alte Pressen, Maschinen, Rohrleitungen und technische Schalt- und Messgeräte. Besonders auffällig waren die großen industriellen Brennöfen und die massive Bauweise der Gebäude. Ziegelwände, Holzkonstruktionen, Stahlträger und die zahlreichen Leitungen vermittelten noch deutlich den früheren Produktionsablauf.

Viele Bereiche waren bereits stark verfallen. Durch zerbrochene Fenster und beschädigte Dachflächen drang Vegetation in die Gebäude ein. Auf den Böden lagen Schutt, Rost und zurückgelassene Materialien. Gleichzeitig waren zahlreiche Details der ursprünglichen Produktion noch gut erhalten.

Ein unabhängiger Bericht über das Schamottsteinwerk beschreibt ebenfalls die großen Brennöfen und die Schienen, auf denen die Steine durch den Brennofen transportiert wurden. Diese Beobachtung deckt sich mit den Strukturen auf meinen Fotografien.

Quelle: Die verlassenen Orte, Das Schamottsteinwerk in Krefeld

Stilllegung und vollständiger Abriss

Wann der Betrieb des Schamottsteinwerks genau eingestellt wurde, lässt sich öffentlich nicht sicher nachvollziehen. Als ich die Anlage 2013 besuchte, wirkte sie bereits verlassen und die Produktion war nicht mehr erkennbar. Eine belastbare Quelle für ein offizielles Stilllegungsdatum konnte ich nicht finden.

Ein späterer unabhängiger Bericht bestätigt, dass das Objekt inzwischen abgerissen wurde. Ein konkreter Abrissbeginn, ein exakter Abriss­tag oder eine offizielle Begründung für den Rückbau werden dort jedoch nicht genannt.

Die amtlichen Luftbilddaten der Stadt Krefeld dokumentieren Befliegungen am 28. Juni 2019, am 26. März 2022 und am 6. April 2025. Der Vergleich der historischen Orthofotos zeigt die früheren Gebäudestrukturen und später eine weitgehend geräumte Fläche. Zusammen mit dem Satellitenbildvergleich spricht das dafür, dass der vollständige Abriss sehr wahrscheinlich zwischen 2018 und 2019 erfolgte.

Der Zeitraum ist damit plausibel, aber der genaue Tag bleibt offen. Auch die Vermutung, dass möglicherweise Schadstoffe oder Asbest eine Rolle gespielt haben könnten, ist nicht ausreichend belegt und wird deshalb nicht als Tatsache übernommen.

Quellen: Stadt Krefeld, Metadaten zu den Luftbildern | Historische Orthofotos NRW | TIM-online NRW | Bericht zum späteren Abriss

Die heutige Nutzung des Umfelds

Der Bereich in Krefeld-Gellep-Stratum ist weiterhin industriell geprägt. Ein Bericht des örtlichen Bürgervereins dokumentiert dort 2017 einen Besuch beim Düngemittelhersteller COMPO, früher Guano. Das Werk wurde in dem Bericht als Produktionsstandort für Spezialdüngemittel beschrieben.

Diese Information beschreibt die industrielle Nutzung des heutigen Umfelds. Eine direkte Verbindung zwischen dem ehemaligen Schamottsteinwerk und dem COMPO-Werk konnte ich in den verfügbaren Quellen jedoch nicht sicher nachweisen. Deshalb werden beide Anlagen in diesem Portfolio nicht gleichgesetzt.

Fest steht, dass sich die Nutzung des Areals im Laufe der Zeit verändert hat. Die alten Produktionshallen, die auf meinen Bildern zu sehen sind, existieren heute nicht mehr. Vom ehemaligen Schamottsteinwerk ist damit vor allem die fotografische Dokumentation geblieben.

Quelle: Bürgerverein Gellep-Stratum, Besichtigung bei COMPO

Mein Besuch 2013

Ich habe das Schamottsteinwerk im Jahr 2013 fotografiert. Schon damals war deutlich zu erkennen, dass die Anlage ihre ursprüngliche Funktion verloren hatte. Trotzdem waren viele Produktionsspuren noch vorhanden.

Besonders beeindruckt haben mich die langen Hallen mit ihren Schienenwagen, die alten Brennöfen und die zahlreichen Maschinen. Zwischen den Gebäuden fanden sich Stapel mit feuerfesten Steinen, technische Messgeräte, Pressen und Rohrleitungen. Viele dieser Details erzählen noch heute, wie aufwendig die frühere Produktion gewesen sein muss.

Die Aufnahmen zeigen einen Ort im Übergang zwischen Industriegeschichte und Verfall. Heute ist das Schamottsteinwerk vollständig verschwunden. Gerade deshalb sind die Fotografien wichtig, denn sie bewahren die Erinnerung an eine Krefelder Industrieanlage, von der vor Ort nichts mehr zu sehen ist.

Atmosphere / Atmosphäre
36%
Risk / Gefahr
3%
Vandalism / Vandalismus
17%
Decay / Verfall
45%

Germany, visited in 2009

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

Demolished 2019

lost-places.com - Menu
Right Menu Icon