Das Sanatorium Sakartvelo in Tskaltubo ist ein gewaltiger Bau aus der späten Sowjetzeit. Seine gestaffelten Gebäudeflügel ziehen sich den Hang hinauf. Im Inneren bilden offene Gänge, Innenhöfe und farbige Mosaike einen starken Kontrast zu den Spuren von Verfall und Verwilderung.
Das Sanatorium entstand zwischen 1974 und 1983. Die Architekten Merab Chkhenkeli und Revaz Janashia planten die Anlage als weitläufigen Komplex mit mehreren Gebäudeflügeln. Die Baukörper folgen dem abschüssigen Gelände und staffeln sich in unterschiedlichen Höhen. Dadurch wirkt Sakartvelo von außen fast wie eine Stadt in der Stadt.
Das Haus war als umfassendes Kurzentrum angelegt. Neben den Unterkünften gab es medizinische und balneologische Einrichtungen, einen Badebereich, ein Hallenbad sowie Räume für gemeinschaftliche Aktivitäten. Auch ein Kino und ein großzügig geplanter Innenhof gehörten zum Komplex. Die Architektur zeigt den Anspruch, Erholung, Behandlung und Freizeit unter einem Dach zusammenzuführen.
Quelle: C20: Architekturführer zu Sanatorium Sakartvelo
Besonders auffällig sind die Mosaike mit Wasser- und Meeresmotiven. Farbige Flächen liegen am Boden und an den Wänden des Innenhofs. Heute wachsen Pflanzen aus den Becken und Fugen. Trotzdem sind die kräftigen Muster noch sichtbar und setzen einen überraschenden Farbakzent inmitten des Betons.
Die Mosaike gehören zu den Details, die den ursprünglichen Charakter des Gebäudes erkennbar machen. Sie verbinden die Architektur mit dem Wasser- und Kurthema Tskaltubos. In meinen Aufnahmen stehen die bunten Flächen neben beschädigten Decken, offenen Korridoren und überwucherten Innenbereichen.
Quelle: C20: Architekturführer zu Sanatorium Sakartvelo
Tskaltubo liegt in der Region Imeretien im Westen Georgiens. Die Stadtverwaltung führt den Ort seit 1920 als offiziellen balneologischen Kurort; 1953 erhielt Tskaltubo den Stadtstatus. Während der Sowjetzeit wurden 22 Sanatorien gebaut. Das Sakartvelo zählt zu den jüngeren und größten Anlagen dieses Kurortes.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion veränderte sich die Nutzung vieler Gebäude. Nach dem Krieg in Abchasien 1992 und 1993 wurden ehemalige Sanatorien zu Wohnraum für vertriebene Familien. RFE/RL dokumentierte 2020 auch im Sakartvelo dort lebende Familien. Ein Reiseführer aus dem Jahr 2026 beschreibt das Gebäude weiterhin als nicht vollständig verlassen und erwähnt Geschäfte im Erdgeschoss. Die heutige Nutzung kann sich ändern; das Haus sollte daher nicht pauschal als menschenleere Ruine betrachtet werden.
Quellen: Stadtverwaltung Tskaltubo: Geschichte der Stadt | RFE/RL: Bericht über Tskaltubos Sanatorien und ihre Bewohner | The Partying Traveler: Tskaltubo-Reiseführer 2026
Bei meinem Besuch 2026 habe ich Sakartvelo zunächst aus der Entfernung und anschließend aus der Nähe fotografiert. Von außen fällt die gestaffelte Form des Gebäudes auf. Im Inneren lenken die langen Gänge und offenen Übergänge den Blick immer wieder zum begrünten Innenhof.
Besonders die Mosaike sind mir in Erinnerung geblieben. Ihre Farben wirken fast unberührt, obwohl die umliegenden Flächen deutliche Spuren der Zeit zeigen. Meine Bilder halten diese Gegensätze fest: monumentale Architektur, offene Räume und Pflanzen, die sich Hof und Becken zurückerobern.
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