Vor mir lag ein ehemaliges Schiff der Marinha Portuguesa, am Bug die Kennung P1140. Kein Museum, keine Bühne, kein offizieller Glanz. Nur ein grauer Rumpf, der im Hafen still geworden ist. Ich nenne den genauen Ort bewusst nicht, weil es ein sensibles Gelände war. Der Blick reicht, um zu verstehen, warum so ein Schiff als Lost Place wirkt, selbst wenn es noch im Wasser liegt.
Quelle: Wikipédia, Classe Cacine
Durch die Fenster der Brücke fiel warmes Licht. Draußen lagen weitere Einheiten, dazu die Kulisse aus Kaimauern, Hallen und Hafenflächen. Drinnen dagegen herrschte diese typische Mischung aus Technik und Leere. Schalter, Anzeigen, Kabel, alles wirkte so, als wäre die Routine nur kurz unterbrochen. Genau dieser Moment zwischen Funktion und Aufgabe macht solche Orte so stark.
Quelle: Wikipédia, Klasse und Einordnung
In den Gängen und Räumen waren noch viele Spuren von Betrieb sichtbar. Schlafkojen, Schotts, Technikschränke, ein Innenleben, das nicht nach Dekoration aussieht, sondern nach Alltag. Das ist kein romantischer Verfall, sondern ein sehr nüchternes System, das plötzlich keine Mannschaft mehr hat. Gerade dadurch wirkt es so direkt.
Quelle: Marinha Portuguesa, PDF zum Patrulha Cacine
Als ich 2023 im Maschinenraum stand, habe ich das Öl in den Tanks bereits hin und her schwappen gesehen. Das war kein Gefühl, das war sichtbar. Für mich war in diesem Moment klar, wie schnell aus einem Lost Place eine Umweltfrage wird. Direkt nebenan liegt ein Fischerhafen. Wenn so ein Rumpf irgendwann nachgibt, trifft es nicht nur Stahl und Farbe, sondern Wasser, Tiere und Menschen.
Quelle: SIC Notícias, Bericht über das Sinken und die Diskussion um Belastungen
Inzwischen ist das Schiff gesunken. Ich sehe das auf aktuellen Satellitenbildern. Was 2023 noch vollständig begehbar war, ist seit 2024 Teil des Wassers. Genau deshalb gehört dieser Ort für mich in ein Portfolio. Nicht, weil Katastrophen Klicks bringen, sondern weil Verfall Konsequenzen hat. Wenn Altöl und Ausrüstung mitgehen, ist das kein schönes Ende, sondern ein Problem, das man benennen muss.
Quelle: SIC Notícias, Kontext zum sinkenden Patrulha Cacine im Tejo
Die Kennung P1140 wird mit dem Patrulha Cacine aus der Classe Cacine geführt. Diese Patrouillenschiffe entstanden in den späten 1960er Jahren für maritime Aufgaben, damals noch im Kontext der portugiesischen Überseegebiete. Später wurden sie außer Dienst gestellt. Dass so ein Schiff am Ende nicht als sauberes Ausstellungsstück endet, sondern im Hafen langsam aufgibt, ist bitter, aber real.
Quelle: Marinha Portuguesa, historische Einordnung, Wikipédia, Classe Cacine
Ich war 2023 vor Ort, am späten Tag, als das Licht über dem Wasser weich wurde. Auf der Brücke lag der Hafen wie ein ruhiges Bild hinter Glas. Unten im Schiff war es das Gegenteil, eng, technisch, schwer. Und im Maschinenraum war dieses Öl, das sich in den Tanks bewegte, als würde das Schiff noch atmen. Heute ist es gesunken. Genau deshalb bleiben diese Fotos für mich nicht nur Erinnerung, sondern auch Dokumentation.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.