Dieses Marineschiff lag jahrelang unbewegt in einem stillen Hafen in Portugal. Von außen wirkt es wie ein vergessenes Arbeitsgerät am Rand der Stadt. Sobald ich an Bord war, wurde klar, dass hier nicht nur Metall altert, sondern Verantwortung mit.
Quelle: Marinha Portuguesa, Publikation zur Schultz Xavier
Beim Namen lohnt ein kurzer Blick: NRP Schultz Xavier trug die Kennung A 521 und wird in portugiesischen Unterlagen als navio balizador geführt, also als Schiff für Tonnen, Baken und Seezeichen, ein Arbeitstier für sichere Routen.
Quelle: Marinha Portuguesa, Schultz Xavier
Auch zur Laufbahn gibt es harte Eckdaten: In offiziellen Rückblicken wird die Indienststellung Anfang der siebziger Jahre genannt, später kamen Umbauten dazu, unter anderem eine Überdruckkammer in den neunziger Jahren. Das Schiff wurde schließlich außer Dienst gestellt.
Quelle: Marinha Portuguesa, Chronik und Umbauten
Ich habe Brücke, Gänge und Arbeitsräume dokumentiert. Vieles stand noch da, als wäre die Crew nur kurz weg. Genau das macht solche Orte so stark. Die Details erzählen mehr als jedes Schild.
Quelle: Wikipedia, Kontext zur Kennung A 521 und Nachfolger
Der Punkt, an dem es unangenehm wird, liegt nicht in der Ästhetik, sondern im Maschinenraum. Wenn Technik verrottet, wird sie zur Quelle. Und wenn ein Schiff über Jahre liegt, wird aus Stillstand ein Risiko.
Quelle: Marinha Portuguesa, Einordnung als Arbeitsschiff
Ich schreibe das bewusst klar, weil ich hier Journalismus betreibe. Als ich 2023 im Maschinenbereich war, habe ich Öl gesehen, das sich sichtbar in Bewegung hielt. Das war kein theoretisches Restrisiko, das war real. Und wenn so ein Schiff später sinkt, nimmt es genau diese Last mit ins Meer. Besonders kritisch ist das, wenn direkt daneben ein Fischerhafen arbeitet.
Quelle: Marinha Portuguesa, Schiff und Nutzung
Nach meiner Auswertung von Satellitenbildern war das Schiff seit 2019 dort und ist 2025 gesunken. Das ist der Moment, in dem aus einem Lost Place eine Umweltfrage wird. Wer hier nur über Rost spricht, lässt den wichtigsten Teil weg.
Ich war 2023 vor Ort und habe bewusst nicht nur die Außenansichten gemacht, sondern auch die Innenräume betreten und die Technik dokumentiert. In diesem Zustand war das Schiff bereits ein Warnsignal. Heute, nach dem Sinken, ist es genau die Art Geschichte, die man festhalten muss, auch wenn sie unbequem ist.
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