Im Norden Kroatiens befindet sich eines der eindrucksvollsten Bauwerke aus der späten Phase Jugoslawiens. Die Politische Schule Josip Broz Tito in Kumrovec war ein Ausbildungszentrum für Funktionäre des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens.
Das langgestreckte Gebäude verbindet monumentale Architektur mit großzügigen Gemeinschaftsbereichen. Nach dem Ende seiner politischen Funktion wurde der Komplex unter anderem militärisch genutzt und diente zeitweise als Unterkunft für Geflüchtete. Seit den frühen 2000er Jahren verfällt das Bauwerk.
Die politische Bildungseinrichtung in Kumrovec bestand bereits seit 1975. Auf Wunsch von Josip Broz Tito sollten Mitglieder der kommunistischen Partei dort eine umfassendere theoretische Ausbildung erhalten. Als die bisherigen Räume nicht mehr ausreichten, entstand ein wesentlich größerer Schulkomplex.
Der Neubau wurde von den Architekten Danilo Cvjetković und Miomir Lužajić entworfen. Finanziert wurde er vom Bund der Kommunisten Jugoslawiens. Die Fertigstellung und Eröffnung erfolgten 1981, ein Jahr nach dem Tod Titos.
Quellen: Architectuul: Political School Kumrovec | Spomenik Database: Kumrovec
Die politische Schule war als Wohn- und Bildungszentrum konzipiert. In dem Komplex befanden sich Unterrichtsräume, Konferenzbereiche, eine Bibliothek, ein Kino, Sportanlagen, ein Restaurant und zahlreiche Zimmer für die Teilnehmer.
Die Architektur folgt der abfallenden Landschaft und wirkt trotz der enormen Länge vergleichsweise flach. Sichtbeton, dunkle Metallflächen, Holzverkleidungen und große Fensterfronten bestimmten das Erscheinungsbild. Lange Korridore verbanden die privaten Zimmer mit den offenen Gemeinschaftsbereichen.
Das Gebäude sollte nicht nur der Ausbildung dienen. Seine Größe und Gestaltung vermittelten zugleich den politischen Anspruch und das Selbstverständnis des damaligen Jugoslawiens.
Quellen: Architectuul: Architektur der politischen Schule | Spomenik Database: SKJ Political School
Mit dem politischen Umbruch und dem beginnenden Zerfall Jugoslawiens verlor die Schule ihre ursprüngliche Aufgabe. Der Ausbildungsbetrieb wurde 1990 eingestellt.
Anschließend nutzte das kroatische Militär Teile der Anlage. Später wurden Menschen aus Vukovar aufgenommen, die infolge des Krieges ihre Heimat verlassen mussten. In dieser Zeit erhielt der ehemalige Schulkomplex den Namen Hotel Zagorje.
Die frühere politische Kaderschule wurde damit zu einer vorübergehenden Unterkunft für Menschen, deren Leben durch den Zerfall Jugoslawiens geprägt war. Nach dem Ende dieser Nutzung blieb das Gebäude leer und verfiel zunehmend.
Quellen: Architectuul: Nutzungsgeschichte | SOS Brutalism: Politička Škola Josip Broz Tito
Nach den letzten Nutzungen in den frühen 2000er Jahren setzte ein schneller Verfall ein. Große Teile der Fenster wurden zerstört, wertvolle Materialien entfernt und die Innenräume der Witterung ausgesetzt.
Zurück blieben lange Korridore, leere Zimmer und weitläufige Gemeinschaftsräume. Gerade der Kontrast zwischen dem früheren politischen Anspruch und dem heutigen Zustand macht die Politische Schule Josip Broz Tito zu einem außergewöhnlichen Zeugnis jugoslawischer Geschichte.
Als ich die politische Schule im Jahr 2016 besuchte, wirkte der riesige Gebäudekomplex beinahe vollkommen vergessen. Zahlreiche Fenster waren zerbrochen und die Natur begann bereits, sich Teile des Geländes zurückzuholen.
In den ehemaligen Unterrichts- und Gemeinschaftsräumen fand ich noch Spuren der politischen Vergangenheit. Verblasste Parolen waren an den Wänden zu erkennen, während ein beschädigtes Porträt Titos zwischen den Überresten des Gebäudes lag.
Besonders eindrucksvoll waren für mich die Dimensionen der Anlage. Die langen Flure, offenen Hallen und verlassenen Zimmer ließen noch erahnen, welche Bedeutung die Schule einst besessen hatte. Meine Fotografien dokumentieren diesen Zustand zwischen Architektur, Ideologie und fortschreitendem Verfall.
Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.
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