Mitten im Brander Wald bei Aachen stehen mehrere ausgediente Kampfpanzer zwischen Wiesen, Waldflächen und befestigten Wegen. Der Ort wird häufig als Panzerfriedhof Aachen bezeichnet. Tatsächlich wurden die Fahrzeuge jedoch nicht einfach vergessen. Sie gehören zu einem Standortübungsplatz und dienten als sogenannte Hartziele für militärische Übungen.
Der ungewöhnliche Kontrast zwischen rostendem Stahl und geschützter Natur macht diesen Ort besonders. Gleichzeitig ist der Brander Wald kein gewöhnlicher Lost Place. Teile des Geländes werden weiterhin zu Übungszwecken genutzt und dürfen nur unter festgelegten Bedingungen betreten werden.
Quellen: Digital Cosmonaut: Panzerfriedhof Aachen | Kölner Stadt-Anzeiger: Panzer im Brander Wald
Die Panzerwracks stehen auf dem Standortübungsplatz Aachen-Brand zwischen dem Aachener Stadtteil Brand und Stolberg-Münsterbusch. Das Gelände wird deshalb auch als Truppenübungsplatz Buschmühle oder Standortübungsplatz Brander Wald bezeichnet.
Mehr als die Hälfte des Naturschutzgebiets Brander Wald gehört gleichzeitig zum Übungsgelände. Diese besondere Doppelnutzung erklärt, warum Besucher dort sowohl militärischen Überresten als auch wertvollen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere begegnen.
Quellen: KuLaDig: Historische Kulturlandschaft im Aachener Land | Digital Cosmonaut: Standortübungsplatz Aachen-Brand
Die Fahrzeuge dienten als Hartziele. Darunter versteht man widerstandsfähige militärische Objekte, die bei Übungen als Ziel, Hindernis oder Anschauungsobjekt verwendet werden. Die Wracks wurden entmilitarisiert und konnten anschließend für Ausbildungszwecke auf dem Gelände verbleiben.
Einschläge, aufgebrochene Panzerungen und fehlende Fahrzeugteile sind daher nicht ausschließlich Folgen von Vandalismus und Verfall. Ein Teil der Schäden entstand während der militärischen Nutzung. Inzwischen haben Rost, Feuchtigkeit und Vegetation das Erscheinungsbild zusätzlich verändert.
Der Begriff Panzerfriedhof ist eingängig, aber nur bedingt korrekt. Die Fahrzeuge befinden sich weder auf einem aufgegebenen Schrottplatz noch auf einem vollständig verlassenen Militärgelände.
Quellen: Digital Cosmonaut: Hartziele im Brander Wald | Kölner Stadt-Anzeiger: Militärische Nutzung
Zu den bekannten Fahrzeugen im Brander Wald gehören amerikanische Panzer der Typen M41 Walker Bulldog und M47 Patton. Beide Modelle stammen aus der Zeit des Kalten Krieges und wurden auch von europäischen NATO-Streitkräften genutzt.
Bei der genauen Anzahl finden sich unterschiedliche Angaben. Ältere Beschreibungen nennen drei Fahrzeuge: einen M41 Walker Bulldog und zwei M47 Patton. Neuere Berichte sprechen teilweise von vier Wracks. Der Unterschied kann durch verschiedene Zählweisen, schwer erkennbare Überreste oder Veränderungen auf dem Übungsgelände entstanden sein.
Der M41 wurde als leichter Aufklärungspanzer entwickelt. Der wesentlich schwerere M47 war dagegen als mittlerer Kampfpanzer vorgesehen. Beide Typen wurden in den 1950er-Jahren eingeführt und später durch modernere Fahrzeuge ersetzt.
Quellen: Digital Cosmonaut: Panzerwracks im Brander Wald | Komoot: Panzerwracks bei Aachen
Die militärische Nutzung des Geländes begann in der Zeit des Nationalsozialismus. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der deutschen Westbefestigung entstanden ab den späten 1930er-Jahren im Raum Aachen militärische Anlagen, Schießstände und Munitionsbereiche.
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen zunächst alliierte Streitkräfte verschiedene Anlagen in der Region. Später nutzten belgische Truppen und die neu gegründete Bundeswehr Teile des Geländes. Die Lage nahe der belgischen Grenze prägte Aachen während des Kalten Krieges als bedeutenden Standort für NATO-Einheiten.
Der Standortübungsplatz wird bis heute für Ausbildungszwecke genutzt. Deshalb unterscheidet sich der Panzerfriedhof Aachen grundlegend von einer vollständig aufgegebenen Kaserne.
Quellen: Digital Cosmonaut: Geschichte des Standortübungsplatzes | Urbex.nl: Belgische Streitkräfte im Raum Aachen
Der Brander Wald ist gleichzeitig ein rund 225 Hektar großes Naturschutzgebiet. Durch die militärische Nutzung blieben große Flächen über Jahrzehnte von intensiver Landwirtschaft und dichter Bebauung verschont.
Auf dem Gelände entstanden dadurch unterschiedliche Lebensräume mit Wiesen, feuchten Bereichen, Waldflächen und Kleingewässern. Der Schutz dieser Natur ist heute ebenso wichtig wie die Beachtung der militärischen Sicherheitsregeln.
Besucher dürfen befestigte Wege nicht verlassen. Hunde müssen angeleint bleiben. Dadurch sollen empfindliche Flächen, wild lebende Tiere und mögliche militärische Gefahrenbereiche geschützt werden.
Quellen: Digital Cosmonaut: Naturschutzgebiet Brander Wald | Erkunde Deutschland: Natur und Panzerwracks
Der Brander Wald darf nur außerhalb der militärischen Übungszeiten betreten werden. Nach den veröffentlichten Regelungen ist der Zugang werktags zwischen 7 und 17 Uhr grundsätzlich nicht erlaubt. An Wochenenden, Feiertagen und außerhalb der Übungszeiten kann ein Betreten auf den freigegebenen Wegen möglich sein.
Bei gehissten roten Flaggen oder vorhandenen Sperrhinweisen ist das Betreten immer verboten. Die Beschilderung vor Ort hat Vorrang vor allen Angaben im Internet. Übungszeiten und Sperrungen können sich kurzfristig verändern.
Auch außerhalb der Übungszeiten erfolgt das Betreten auf eigene Gefahr. Die befestigten Wege dürfen nicht verlassen und die Panzerwracks nicht bestiegen werden. Alte Metallteile, beschädigte Panzerungen und mögliche militärische Hinterlassenschaften können Verletzungen verursachen.
Quellen: Kölner Stadt-Anzeiger: Zugangsregelungen im Brander Wald | Erkunde Deutschland: Betreten und Übungszeiten
Der Panzerfriedhof Aachen ist kein klassischer Lost Place. Die Fahrzeuge sind zwar ausgemustert und teilweise stark verfallen, aber sie stehen auf einem weiterhin genutzten Standortübungsplatz.
Auch das Gelände selbst ist nicht verlassen. Bundeswehr, Feuerwehr und weitere Organisationen können Bereiche für Übungen nutzen. Der Begriff Lost Place beschreibt hier vor allem das Erscheinungsbild der alten Panzer und ihre Wirkung innerhalb der Landschaft.
Im Unterschied zum vollständig abgesperrten Panzerfriedhof im Emsland können Teile des Brander Waldes außerhalb der Übungszeiten auf freigegebenen Wegen zugänglich sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass Besucher sich überall frei bewegen dürfen.
Quellen: Kölner Stadt-Anzeiger | Digital Cosmonaut
Weitere verlassene Orte findest du auf meiner Übersichtsseite über Lost Places in Deutschland. Entdecke außerdem den abgesperrten Panzerfriedhof im Emsland, die verlassene Kaserne Billig und den unterirdischen Bunker KLO 17.
Ich fotografierte den Panzerfriedhof Aachen im Jahr 2010. Damals standen die rostenden Fahrzeuge bereits seit vielen Jahren zwischen den offenen Flächen und Waldabschnitten des Übungsgeländes.
Besonders eindrucksvoll war der Gegensatz zwischen der massiven Bauweise der Panzer und der Natur, die sich langsam um sie herum ausbreitete. Rost bedeckte die Panzerungen, während Gras und Pflanzen bis an die Ketten und Laufwerke heranwuchsen.
Meine Aufnahmen dokumentieren den damaligen Zustand der Fahrzeuge. Seit meinem Besuch können sich sowohl die Panzer als auch Zugangsregeln und Übungszeiten verändert haben. Maßgeblich sind deshalb immer die aktuellen Absperrungen und Hinweise vor Ort.
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