Old Perithia auf Korfu liegt abgeschieden in einer Berglandschaft unterhalb des Pantokrator. Verwitterte Steinhäuser, schmale Wege und überwachsene Ruinen prägen große Teile des historischen Dorfes. Gleichzeitig kehrt zwischen den alten Mauern langsam neues Leben zurück.
Old Perithia wird häufig als Geisterdorf bezeichnet. Diese Beschreibung trifft heute jedoch nur noch teilweise zu. Neben zahlreichen verlassenen Gebäuden gibt es restaurierte Wohnhäuser, Unterkünfte und mehrere Tavernen. Dadurch befindet sich das Dorf in einem ungewöhnlichen Zustand zwischen Verfall, Bewahrung und Wiederbelebung.
Quellen: Offizielle Seite von Old Perithia | The Guardian: Die Wiederbelebung von Old Perithia
Das Dorf befindet sich im Nordosten von Korfu auf ungefähr 450 Metern Höhe. Über ihm erhebt sich der Pantokrator, der mit rund 900 Metern höchste Berg der Insel. Die Lage bot den Bewohnern Schutz und ermöglichte zugleich den Blick in Richtung Küste.
Old Perithia wurde so angelegt, dass es vom Meer aus kaum zu erkennen war. Gleichzeitig konnten die Bewohner mögliche Gefahren auf der Küste frühzeitig beobachten. Dadurch bot das Bergdorf einen geschützten Rückzugsort vor Piratenangriffen, die über Jahrhunderte eine Bedrohung für die Bevölkerung der Insel darstellten.
Die ersten schriftlichen Hinweise auf Perithia stammen aus dem 14. Jahrhundert. Die offizielle Seite des Dorfes nennt eine Gründung um das Jahr 1350. Old Perithia gilt deshalb als eine der ältesten dauerhaft bewohnten Siedlungen Korfus.
Quellen: Old Perithia: Geschichte und Lage des Dorfes | The Guardian: Old Perithia auf Korfu
Während seiner Blütezeit gehörte Old Perithia zu den wohlhabenden Dörfern Korfus. Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts entstanden ungefähr 130 überwiegend aus Stein errichtete Häuser. Außerdem verteilten sich acht Kirchen rund um die Siedlung.
Die Gebäude entstanden aus Materialien, die in der Umgebung verfügbar waren. Massive Steinwände schützten die Bewohner vor der sommerlichen Hitze und den kühleren Temperaturen in den Bergen. Viele Häuser besaßen zwei Stockwerke, kleine Innenhöfe, steinerne Eingänge und überdachte Terrassen.
Noch heute lassen einzelne architektonische Details den früheren Wohlstand erkennen. Zwischen beschädigten Mauern erscheinen verzierte Portale, alte Fensteröffnungen und Reste sorgfältig gebauter Fassaden. Einige Gebäude sind vollständig erhalten. Bei anderen stehen dagegen nur noch die Außenwände.
Quellen: Offizielle Seite von Old Perithia | The Guardian: Architektur und Geschichte von Old Perithia
Im Laufe des 20. Jahrhunderts verlor die geschützte Lage in den Bergen zunehmend ihre Vorteile. Gleichzeitig entwickelten sich die Küstenorte von Korfu zu neuen wirtschaftlichen Zentren. Besonders der wachsende Tourismus bot dort Arbeitsplätze und bessere Verdienstmöglichkeiten.
Während der 1960er-Jahre verließen deshalb immer mehr Bewohner das alte Bergdorf. Viele Familien zogen dauerhaft in die tiefer gelegenen Orte an der Küste. Häuser wurden verschlossen, landwirtschaftliche Flächen aufgegeben und die Natur breitete sich zwischen den Gebäuden aus.
Mit jedem verlassenen Haus verlor Old Perithia einen weiteren Teil seines früheren Lebens. Dächer stürzten ein, Pflanzen überwucherten die Wege und Feuchtigkeit beschädigte die unbewohnten Gebäude. Schließlich blieb von der einst bedeutenden Siedlung ein fast vollständig verlassenes Dorf zurück.
Quellen: Old Perithia: Entwicklung seit den 1960er-Jahren | The Guardian: Vom Bergdorf zum Geisterdorf
Seit 2010 werden in Old Perithia immer mehr Gebäude behutsam restauriert. Ein britisch-niederländisches Paar begann damit, mehrere Ruinen wiederaufzubauen und als Unterkunft zu nutzen. Das Projekt entwickelte sich zu einem wichtigen Impuls für die Wiederbelebung des Dorfes.
Inzwischen sind ehemalige Bewohner und ihre Familien zurückgekehrt. Einige alte Häuser wurden gerettet. Darüber hinaus öffneten mehrere Tavernen, kleine Unterkünfte und weitere Angebote für Besucher. Die Restaurierungen müssen sich an strengen Vorgaben orientieren, weil Old Perithia als historisches Denkmal geschützt ist.
Trotz dieser Entwicklung stehen noch immer zahlreiche Gebäude leer. Deshalb bleibt der Charakter des ehemaligen Geisterdorfes in vielen Teilen erhalten. Verlassene Häuser und eingestürzte Dächer liegen unmittelbar neben restaurierten Fassaden. Genau dieser Gegensatz macht Old Perithia heute besonders.
Quellen: Offizielle Seite: Die Wiederbelebung von Old Perithia | The Guardian: Restaurierung und Rückkehr der Bewohner
Die acht Kirchen verdeutlichen, welche Bedeutung Old Perithia früher besaß. Einige stehen am Rand der Siedlung, während sich andere zwischen den historischen Wohnhäusern befinden. Ihre Glockentürme ragen bis heute über die Dächer und Ruinen des Dorfes hinaus.
Besonders auffällig ist die rosafarbene Kirche Agios Iakovos Persis am Eingang des Dorfes. Sie wurde restauriert und steht symbolisch für die langsame Rückkehr des Lebens. Nach jahrzehntelanger Stille erklangen ihre Glocken wieder, als in Old Perithia erstmals seit mehr als 50 Jahren eine Hochzeit und eine Taufe gefeiert wurden.
Quelle: The Guardian: Die Kirchen von Old Perithia
Der Corfu Trail führt durch die Berglandschaft im Norden der Insel und verläuft direkt durch Old Perithia. Der Fernwanderweg verbindet abgelegene Dörfer, Olivenhaine, Küstenabschnitte und die Gebirgslandschaft Korfus miteinander.
Vom Dorf führen Wanderwege weiter zum Pantokrator. Dadurch ist Old Perithia nicht nur ein historisches Reiseziel, sondern auch ein markanter Punkt auf dem Weg zum höchsten Berg der Insel.
Quelle: The Guardian: Wandern auf dem Corfu Trail und zum Pantokrator
Ich erreichte Old Perithia während meiner Wanderung auf dem Corfu Trail. Der Weg führte mich durch die Berglandschaft im Norden Korfus und schließlich mitten durch das historische Dorf. Anschließend setzte ich meine Wanderung fort und stieg weiter hinauf zum Pantokrator.
Schon aus der Entfernung waren die verstreuten Steinhäuser zwischen den Bäumen und den trockenen Berghängen zu erkennen. Innerhalb des Dorfes wechselte das Bild jedoch ständig. Restaurierte Gebäude und geöffnete Tavernen lagen nur wenige Schritte von überwachsenen Ruinen und eingestürzten Häusern entfernt.
Besonders beeindruckten mich die stillen Wege abseits der bewirtschafteten Bereiche. Dort drang die Vegetation tief in die verlassenen Gebäude ein. Dächer fehlten, Holzbalken waren eingebrochen und hinter offenen Türen lagen Räume, die seit langer Zeit nicht mehr genutzt wurden.
Zwischen den alten Mauern entdeckte ich außerdem einen roten VW Käfer. Sein verwitterter Lack und die umgebende Vegetation passten beinahe zu gut in die Kulisse des Dorfes. Gleichzeitig erinnerte das Fahrzeug daran, dass Old Perithia nicht nur aus mittelalterlicher Geschichte besteht. Auch die Jahrzehnte des langsamen Niedergangs haben ihre eigenen Spuren hinterlassen.
Old Perithia war für mich kein vollständig verlassener Ort. Vielmehr zeigte sich hier ein Dorf zwischen zwei Zeiten. Während ein Teil weiterhin verfällt, wird ein anderer Teil vorsichtig zurück ins Leben geholt. Meine Fotografien dokumentieren genau diesen Übergang auf meinem Weg über den Corfu Trail zum Pantokrator.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.