Die Indonesische Residenz Bonn war keine Botschaftskanzlei, sondern der offizielle Wohnsitz des indonesischen Botschafters. Das Gebäude stand in Hanglage im Bonner Ortsteil Mehlem und gehörte zur diplomatischen Landschaft der damaligen Bundeshauptstadt.
Seine zurückhaltende äußere Gestaltung verbarg ein ungewöhnlich repräsentatives Interieur. Helle Wandvertäfelungen, goldfarbene Ornamente und großzügige Raumfolgen erinnerten an die frühere diplomatische Nutzung.
Quellen: Geschichte der indonesischen Botschaft und Residenz in Bonn | Liste der diplomatischen Vertretungen in Bonn
Das Gebäude entstand 1966 nach einem Entwurf des Bonner Architekten Dirk Denninger. Ursprünglich gehörte das Wohnhaus der in Mehlem ansässigen Firma Ringsdorff.
Im Jahr 1972 übernahm die Republik Indonesien das Anwesen als Residenz ihres Botschafters. Bis 1999 diente das Haus damit nicht nur als privater Wohnort, sondern auch als repräsentativer Rahmen für diplomatische Begegnungen.
Quellen: Botschaft der Republik Indonesien in Bonn | Werkverzeichnis des Architekten Dirk Denninger
Die Bundesrepublik Deutschland und Indonesien nahmen 1952 diplomatische Beziehungen auf. Bereits 1953 eröffnete Indonesien eine Botschaft am damaligen Regierungssitz Bonn.
Die Kanzlei, in der die diplomatischen Mitarbeiter arbeiteten, befand sich an anderen Standorten. Die Residenz in Mehlem war dagegen dem Botschafter und repräsentativen Aufgaben vorbehalten. Diese Unterscheidung ist wichtig, da beide Gebäude häufig allgemein als ehemalige indonesische Botschaft bezeichnet werden.
Quelle: Geschichte der indonesischen Botschaft in Bonn
Von außen zeigte sich die Residenz als moderner Flachdachbau der 1960er-Jahre. Die klare, horizontale Architektur wirkte sachlich und zurückhaltend. Im Inneren änderte sich dieser Eindruck jedoch deutlich.
Breite Türrahmen, kannelierte Wandvorlagen und goldfarbene Ornamente schmückten mehrere Räume. Besonders auffällig waren die hellen Wandvertäfelungen mit ihren symmetrischen Verzierungen. Ein langer Korridor verband zahlreiche Zimmer miteinander.
Eine spiralförmige Treppe bildete einen starken geometrischen Mittelpunkt. Von unten betrachtet entstanden konzentrische Kreise, die der ansonsten geradlinigen Architektur eine beinahe skulpturale Wirkung verliehen.
Mit der Verlegung des deutschen Regierungssitzes zog auch die indonesische Botschaft zwischen 1999 und 2000 nach Berlin. Die Nutzung der Residenz in Bonn-Mehlem endete bereits 1999. Anschließend stand das Gebäude leer, blieb jedoch weiterhin Eigentum der Republik Indonesien.
Während des Leerstands verschwanden Möbel und große Teile der Ausstattung. Erhalten blieben vor allem fest eingebaute Schränke, Wandvertäfelungen und dekorative Elemente. Dadurch ließ sich die frühere repräsentative Gestaltung weiterhin erkennen.
Quelle: Umzug und Leerstand der indonesischen Residenz
Am 12. Dezember 2016 wurde die ehemalige Botschafterresidenz gemeinsam mit dem früheren Kanzleigebäude versteigert. Damit endete die jahrzehntelange Verbindung des Anwesens zur Republik Indonesien.
In den Jahren 2019 und 2020 wurde die Residenz abgerissen. Der Lost Place existiert heute nicht mehr. Meine Fotografien dokumentieren somit nicht nur ein verlassenes Gebäude, sondern einen vollständig verschwundenen Teil der Bonner Diplomatiegeschichte.
Quellen: Liste der diplomatischen Vertretungen in Bonn | Dirk Denninger und der Abriss der Residenz
Ich besuchte die Indonesische Residenz Bonn im Jahr 2010. Zu diesem Zeitpunkt stand das Gebäude bereits seit mehr als einem Jahrzehnt leer. Die Räume waren weitgehend ausgeräumt, doch ihre ungewöhnliche Gestaltung war noch deutlich sichtbar.
Besonders beeindruckten mich die langen Korridore, die reich verzierten Wandflächen und die spiralförmige Treppe. Die Mischung aus sachlicher Architektur der 1960er-Jahre und beinahe klassisch wirkenden Ornamenten verlieh dem Gebäude einen ganz eigenen Charakter.
Von außen wirkte die Residenz vergleichsweise unscheinbar. Erst im Inneren wurde deutlich, dass dieses Haus einmal für diplomatische Repräsentation geschaffen worden war. Durch den späteren Abriss besitzen die Aufnahmen heute einen besonderen dokumentarischen Wert.
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