Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Immerather Mühle: Historische Turmwindmühle am Tagebau Garzweiler

Die Immerather Mühle war eine der markantesten historischen Windmühlen im Erkelenzer Land. Der weithin sichtbare Turm stand zwischen Immerath und Jackerath auf einem begrünten Erdwall. Im Jahr 2018 wurde das Baudenkmal für die Erweiterung des Tagebaus Garzweiler II abgerissen. Heute erinnern nur noch Fotografien an die mächtige Turmwindmühle.

Eine Windmühle mit langer Geschichte

Die Geschichte der Immerather Mühle reicht bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück. Als Bauherrin gilt die Jülicher Landesverwaltung unter Herzog Johann Wilhelm. Errichtet wurde der mächtige Turm aus ungefähr einer halben Million Ziegelsteinen.

Die Mühle war rund 15 Meter hoch. Ihre Flügel erreichten eine Spannweite von etwa 23 Metern. Weil der Turm auf einem künstlich aufgeschütteten Erdwall stand, wurde sie auch als Bergholländer oder Bergwindmühle bezeichnet.

Über viele Jahrzehnte prägte die Mühle die Landschaft rund um Immerath. Schon aus großer Entfernung war sie sichtbar. Gemeinsam mit der Blancken-Mühle in Erkelenz gehörte sie zu den letzten erhaltenen historischen Windmühlen im Erkelenzer Land.

Quellen: Stadt Erkelenz – Die Turmwindmühle in Immerath | Wikipedia – Immerather Mühle

Vom Mahlbetrieb zum technischen Denkmal

Ursprünglich versorgte die Windmühle die umliegenden Dörfer mit Mehl. Der sogenannte Mühlenbann verpflichtete die Bauern dazu, ihr Getreide in bestimmten Mühlen mahlen zu lassen. Erst 1802 wurde diese Regelung unter französischer Herrschaft aufgehoben. Im folgenden Jahr wurde die Immerather Mühle an Heinrich Lauterborn aus Jackerath verkauft.

Um 1830 übernahm die Familie Schruff die Mühle. Bis ungefähr 1930 blieb sie in Betrieb. Während des Zweiten Weltkriegs zerstörte eine Brandbombe die Dachhaube und Teile des hölzernen Mühlenwerks.

1959 kaufte die damals noch selbstständige Gemeinde Immerath den fast verfallenen Mühlenturm. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Mühle wieder hergerichtet. 1977 entstand eine neue Haube, 1979 erhielt sie neue Flügel. Ein beschädigter Flügel wurde nach einem Sturm im Jahr 2002 erneut ersetzt.

Im Inneren war zuletzt kein vollständiges Mahlwerk mehr erhalten. Zu sehen waren noch zwei alte Mühlensteine und Teile des historischen Turmgebälks. Die massiven Holzbalken, die Rundungen des Ziegelmauerwerks und die engen Öffnungen vermittelten dennoch einen guten Eindruck von der ursprünglichen Technik.

Quellen: Stadt Erkelenz – Die Turmwindmühle in Immerath | Rheinischer Mühlenverband – Immerather Mühle | Wikipedia – Immerather Mühle

Ein Symbol des Widerstands gegen Garzweiler II

Mit dem Fortschreiten des Tagebaus Garzweiler veränderte sich die Umgebung von Immerath grundlegend. Das alte Dorf wurde umgesiedelt und große Teile der gewachsenen Landschaft verschwanden. Auch die Mühle geriet dadurch unmittelbar in den Einflussbereich des Tagebaus.

Für viele Menschen war sie mehr als ein altes technisches Bauwerk. Die Immerather Mühle stand für Heimat, Erinnerung und den Verlust einer ganzen Kulturlandschaft. Eine Bürgerinitiative setzte sich bis zuletzt für ihren Erhalt ein. Ihrer Ansicht nach hätte die Mühle am Rand des geplanten Abbaugebietes bewahrt werden können.

Trotz der Proteste wurde die Mühle am 18. Oktober 2018 durch RWE Power abgerissen. Damit verschwand ein Baudenkmal, das die Landschaft rund um Immerath über Jahrhunderte geprägt hatte.

Quellen: Rheinischer Mühlenverband – Immerather Mühle | Wikipedia – Immerather Mühle

Baudenkmal und gescheiterter Wiederaufbau

Am 14. Mai 1985 wurde die Immerather Mühle in die Baudenkmalliste des Landes Nordrhein-Westfalen eingetragen. Sie trug dort die Denkmalnummer 160.

Nach der Umsiedlung von Immerath war sogar ein Wiederaufbau am neuen Ort geplant. Wichtige Bauteile sollten wiederverwendet werden. Außerdem war eine Nutzung als Heimatmuseum im Gespräch.

Diese Pläne wurden jedoch nicht verwirklicht. Ein geeigneter Verkauf kam nicht zustande. Schließlich gingen die Mühle und das dafür vorgesehene Grundstück an RWE. Mit dem Abriss im Jahr 2018 endete die Geschichte der Immerather Mühle endgültig an ihrem ursprünglichen Standort.

Geblieben sind historische Fotografien, Erinnerungen und einzelne Dokumente. Sie zeigen eine Mühle, die nicht nur durch ihre Bauweise, sondern auch durch ihre Bedeutung für die Menschen vor Ort einzigartig war.

Quellen: Wikipedia – Immerather Mühle | Stadt Erkelenz – Die Turmwindmühle in Immerath

Mein Besuch 2018

Ich habe die Immerather Mühle im Jahr 2018 noch selbst fotografiert. Schon von außen war die Größe des Turms beeindruckend. Die verwitterte Oberfläche, der grüne Bewuchs und die alten Flügel ließen deutlich erkennen, dass die Mühle ihre besten Zeiten längst hinter sich hatte.

Im Inneren wirkte der Turm gleichzeitig leer und eindrucksvoll. Zwischen den roten Ziegelwänden lagen alte Holzbalken und Reste der historischen Mechanik. Durch die Öffnungen fiel nur wenig Licht. Jeder Blick nach oben zeigte neue Details des gewaltigen Mühlengebälks.

Besonders bedrückend war das Wissen, dass dieser Ort nur noch wenige Monate existieren würde. Die Immerather Mühle war kein gewöhnlicher Lost Place. Sie war ein Teil der Landschaft und ein sichtbares Zeichen für das, was durch den Tagebau verloren ging.

Atmosphere / Atmosphäre
34%
Risk / Gefahr
0%
Vandalism / Vandalismus
11%
Decay / Verfall
46%

Germany, visited in 2018

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

Demolished 2018

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