Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Heilanstalt Bielefeld: Der verlassene Eichhof

Die auf dieser Seite als Heilanstalt Bielefeld bezeichnete Einrichtung ist der ehemalige Eichhof in Eckardtsheim. Das markante Fachwerkgebäude wurde 1886 als private Nervenheilanstalt eröffnet. Nach mehr als einem Jahrhundert wechselnder Nutzung schloss die Einrichtung 1998. Meine Fotografien entstanden im Jahr 2007, noch bevor mehrere Brände große Teile des Gebäudes zerstörten.

Der Eichhof in Eckardtsheim

Der Eichhof entstand auf dem Gelände des ehemaligen Hofes Obergassel. Die von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel eröffneten dort im Jahr 1886 eine Nervenheilanstalt und ein Pensionat.

Die Einrichtung war vor allem für nervenkranke Männer aus wohlhabenden Familien vorgesehen. Unter den Bewohnern befanden sich zahlreiche Männer mit Alkoholproblemen. Ihre Angehörigen bezahlten die Unterbringung privat. Die Einnahmen wurden wiederum für die soziale Arbeit der Anstalt Bethel verwendet.

Quelle: Hauptarchiv Bethel: Der Eichhof in Eckardtsheim

Das „feine Schlingelheim“

Wegen seiner wohlhabenden Bewohner erhielt der Eichhof im Volksmund den ungewöhnlichen Beinamen „feines Schlingelheim“. Im Gegensatz zu vielen anderen Einrichtungen jener Zeit richtete sich dieses Pensionat gezielt an zahlungskräftige Patienten.

Im Jahr 1905 verfügte die Heilanstalt über 30 Betten. Bereits ein Jahr später wurden eine Zentralheizung und elektrisches Licht installiert. Für die damalige Zeit besaß das Gebäude damit eine ausgesprochen moderne technische Ausstattung.

Quelle: Verlasszination: Heilanstalt und Pensionat Eichhof

Lazarett und Kindererholungsheim

Im Ersten Weltkrieg wurde der Eichhof als Lazarett genutzt. Während der Zwischenkriegszeit diente das Gebäude zeitweise als Kindererholungsheim.

Im Zweiten Weltkrieg befand sich dort eine psychiatrisch-neurologische Abteilung eines Reservelazaretts der Wehrmacht. Damit veränderte sich die Funktion des Hauses mehrfach, während seine medizinische und pflegerische Nutzung grundsätzlich bestehen blieb.

Die Heilanstalt nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach Kriegsende ließ die britische Militärregierung im Eichhof psychisch erkrankte Displaced Persons unterbringen. Dabei handelte es sich um Menschen, die infolge des Krieges ihre Heimat verlassen mussten und sich außerhalb ihrer Herkunftsländer befanden.

Ab 1950 wurde der Eichhof als Wohnheim für Männer mit geistiger Behinderung oder leichter psychischer Erkrankung genutzt. Zu dieser Zeit bot die Einrichtung ungefähr 60 Bewohnern Platz.

Quellen: Verlasszination: Geschichte des Eichhofs | Von Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel: Historische Zeitleiste

Die Schließung im Jahr 1998

Im Jahr 1998 verließen die letzten Bewohner den Eichhof. Zwei Jahre später wurde das ehemalige Heim verkauft. Eine dauerhafte neue Nutzung des Gebäudes kam jedoch nicht zustande.

Nach der Schließung verfiel die Anlage zunehmend. Feuchtigkeit beschädigte Wände und Decken, Fenster wurden zerstört und die umgebende Vegetation überwucherte große Teile des Grundstücks.

Vom Sanatorium zur Brandruine

Zwischen 2012 und 2014 kam es zu mehreren Bränden. Dabei wurden große Teile des Daches und der historischen Fachwerkkonstruktion zerstört. Das Gebäude entwickelte sich von einer verlassenen Heilanstalt zu einer schwer beschädigten Ruine.

Die Fotografien in dieser Galerie besitzen deshalb heute einen besonderen dokumentarischen Wert. Sie zeigen den Eichhof noch in einem deutlich vollständigeren Zustand vor den verheerenden Bränden.

Quelle: Verlasszination: Brände und Zustand des Eichhofs

Nicht das Teutoburgerwald-Sanatorium

Die Heilanstalt Eichhof wird gelegentlich mit dem ebenfalls in Bielefeld gelegenen Teutoburgerwald-Sanatorium verwechselt. Dabei handelt es sich jedoch um zwei unterschiedliche Einrichtungen.

Das Teutoburgerwald-Sanatorium wurde 1906 als Heilstätte für Frauenleiden erbaut und später zu Wohnungen umgebaut. Der hier dokumentierte Eichhof entstand bereits 1886 und befand sich in Eckardtsheim.

Mein Besuch 2007

Ich besuchte die Heilanstalt Bielefeld im Jahr 2007. Damals stand das Fachwerkgebäude bereits seit mehreren Jahren leer, war aber noch nicht durch die späteren Brände zerstört worden.

Die langen Flure, leeren Zimmer und beschädigten Wände vermittelten einen Eindruck von der früheren Nutzung. Besonders eindrucksvoll fand ich die historische Fachwerkfassade, die zwischen den Bäumen fast wie die Außenansicht eines alten Landhauses wirkte.

Meine Aufnahmen dokumentieren den Eichhof in einem Zustand, der heute nicht mehr existiert. Dadurch zeigen sie nicht nur einen verlassenen Ort, sondern auch ein inzwischen teilweise verlorenes Kapitel der Bielefelder Sozial- und Psychiatriegeschichte.

Atmosphere / Atmosphäre
37%
Risk / Gefahr
5%
Vandalism / Vandalismus
15%
Decay / Verfall
23%

Germany, visited in 2007

Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.

This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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