Im Wald bei Mehltheuer, einem Ortsteil der Gemeinde Rosenbach/Vogtl. in Sachsen, steht das Waldhaus Mehltheuer. Der Gebäudekomplex vereint einen historischen Gasthof, ein Ausflugslokal und einen Tanzsaal. Über Jahrzehnte war das Haus ein Ort für Einkehr, Veranstaltungen und Ferienaufenthalte. Heute erzählen die Räume von diesen wechselnden Nutzungen, während beschädigte Decken, leere Zimmer und zurückgelassene Beschriftungen den Verfall sichtbar machen.
Der Name des Hauses hängt mit seiner Lage zusammen: Der örtlichen Überlieferung zufolge lag der Gasthof einige hundert Meter außerhalb des Ortes im Wald. Das Waldhaus war damit nicht nur eine Gaststätte, sondern auch ein Ziel für Ausflüge und gesellige Treffen. Seine abgeschiedene Lage gab dem Gebäude einen eigenen Charakter, obwohl es mit Mehltheuer eng verbunden blieb.
Das sächsische Denkmalverzeichnis führt das Gebäude unter dem Namen Waldhaus Mehltheuer und datiert den Gasthof auf 1898. Als historische Bedeutung nennt das Landesamt für Denkmalpflege sowohl die Baugeschichte als auch die Heimat- und Sozialgeschichte des Hauses. Das Waldhaus ist damit ein Zeugnis dafür, wie Gaststätten und Ausflugslokale einst das gesellschaftliche Leben kleiner Orte prägten.
Quellen: Sächsisches Landesamt für Denkmalpflege: Denkmaldokument Waldhaus Mehltheuer | Rosenbacher Anzeiger 02/2016: Historisches aus Mehltheuer
Das Waldhaus besteht aus mehreren Gebäudeteilen, die im Denkmalverzeichnis getrennt beschrieben werden. Der Gasthof ist zweieinhalb Geschosse hoch. Seine Putzfassade besitzt segmentbogenartige Fensterstürze im Erdgeschoss und ein Drempelgeschoss mit Zierfachwerk. Auffällig sind außerdem der Mittelrisalit mit Zwerchhausgiebel, der weite Dachüberstand auf Holzstützen und die beiden Dachhäuschen.
Zum Ensemble gehört auch ein eingeschossiges Ausflugslokal mit aufwendiger Holzverschalung. Das Landesamt vermerkt, dass dort originale Fenster und Türen erhalten waren. Der Tanzsaal wurde als eigener Anbau errichtet: Rundbogenfenster mit roter Klinkergliederung und ein Giebel mit Zierfachwerk gaben ihm ein repräsentatives Erscheinungsbild. Auf den Fotografien wird der Gegensatz zwischen dieser früher sorgfältig gestalteten Architektur und dem heutigen Zustand besonders deutlich.
Quellen: Sächsisches Landesamt für Denkmalpflege: Beschreibung der Gebäudeteile
Auch die Geschichte des Hauses während des Zweiten Weltkriegs ist Teil seiner Vergangenheit. Ein Beitrag zur Ortsgeschichte berichtet, dass gegen Kriegsende 1945 Jungen aus Ostpreußen im Alter von etwa zwölf bis vierzehn Jahren im Waldhaus untergebracht waren. Sie gehörten zur Kinderlandverschickung. Der Artikel stützt sich unter anderem auf private Aufzeichnungen, Briefe ehemaliger Jungen und Augenzeugenberichte.
Diese Überlieferung gibt dem Ort eine zusätzliche historische Ebene. Das Waldhaus war nicht nur Ausflugslokal und späteres Ferienheim, sondern diente zeitweise auch als Unterkunft für Kinder in den letzten Kriegsmonaten. Die vorhandenen Quellen erzählen dabei vor allem von den Erlebnissen der Jungen und der Versorgungslage in Mehltheuer. Weitergehende Einzelheiten zur damaligen Nutzung des Gebäudes lassen sich daraus nicht sicher ableiten.
Quellen: Rosenbacher Anzeiger 04/2016: Erinnerungen an das Kriegsende in Mehltheuer
Nach dem Abzug der amerikanischen Truppen erhielt der frühere Betreiber Laukner seine Gaststätte zurück. In den folgenden Jahren fanden im Waldhaus zahlreiche Tanzveranstaltungen statt. Besucher kamen dafür auch aus Plauen und Mühltroff. Anfang der 1950er-Jahre endete der öffentliche Gaststättenbetrieb; das Haus wurde zunächst als Sportschule der SV Medizin genutzt.
Als diese Nutzung bereits 1954 wieder endete, erwarb die Deutsche Reichsbahn das Waldhaus und richtete ein Reichsbahnferienheim ein. Feriengäste verbrachten dort ihre Aufenthalte, während im Haus zugleich Veranstaltungen und schulische Aktivitäten stattfanden. Der örtliche Bericht nennt unter anderem Faschingsfeiern und Theateraufführungen. Bis 1971 leitete die Familie Wollmann das Heim; anschließend übernahmen die Eheleute Gruhle und führten die Einrichtung bis zur Wende.
Quellen: Rosenbacher Anzeiger 05/2016: Zur Nutzung des Waldhauses nach 1945 | Historische Ansichtskarte: Reichsbahnferienheim Waldhaus
Nach der politischen Wende wechselte das Waldhaus in private Hände. Laut der Ortsgeschichte sollte das Gebäude zu Wohnungen umgebaut werden. Diese Pläne wurden jedoch nicht umgesetzt. Danach wurde es ruhig um das Haus; seine frühere Rolle als Gaststätte und Ferienheim war vorbei.
Der Kontrast zwischen den historischen Nutzungen und dem Leerstand ist heute in den Innenräumen ablesbar. Der große Saal, einst für Tanz und Veranstaltungen gedacht, wirkt auf den Fotografien weitgehend entleert. Beschädigter Putz und Decken, offene Durchgänge und zurückgelassene Raumhinweise lassen erkennen, wie unterschiedliche Bereiche des Hauses einst genutzt wurden. Die Bilder dokumentieren einen Zustand, in dem die frühere Funktion noch an einzelnen Details ablesbar ist, während die Räume selbst zunehmend verfallen.
Quelle: Rosenbacher Anzeiger 05/2016: Ortsgeschichte und spätere Nutzung
Besonders eindrücklich sind die Innenaufnahmen des Tanzsaals. Die Rundbogenfenster und die verbliebenen Wand- und Deckenformen erinnern an die frühere Gestaltung. Gleichzeitig zeigen abgeplatzter Putz, beschädigte Deckenbereiche und Trümmer am Boden, wie stark der Verfall die Räume verändert hat. Im langen Saalanbau treten das hölzerne Dachtragwerk und die Fensterfront deutlich hervor.
Auch die kleineren Räume bewahren Hinweise auf den früheren Alltag im Gebäude: Türen mit den Beschriftungen „Damen“ und „Herren“, ein Flur mit Waschbecken, ein gekachelter Raum mit abgeteilten Bereichen und das Schild „Zimmer 11“. Solche Details machen die Geschichte des Hauses greifbar, ohne dass sie vollständig erklärt werden muss. Sie verweisen auf ein Gebäude, das über lange Zeit Gäste beherbergte und gemeinschaftlich genutzt wurde.
Als ich das Waldhaus Mehltheuer 2013 besuchte, begegnete mir ein Ort, an dem sich die verschiedenen Kapitel seiner Geschichte noch im Gebäude abzeichneten. Der Saal ließ die frühere Bedeutung als Treffpunkt erahnen, während Flure, Zimmer und Nebenräume bereits von Leerstand und Verfall geprägt waren. Besonders die erhaltenen Beschriftungen und die sichtbaren Spuren der früheren Ausstattung machten den Rundgang für mich eindrücklich.
Meine Fotografien halten den damaligen Zustand des Waldhauses fest: die Architektur des Ensembles, den Saalanbau und die still gewordenen Räume. Das Gelände ist kein regulärer Besichtigungsort. Bitte respektiert das Eigentum und betretet das Gebäude nicht ohne ausdrückliche Erlaubnis.
Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.
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