Direkt neben dem ersten Fort liegt eine zweite Stellung, die auf den ersten Blick fast im Gras verschwindet. Doch sobald man näherkommt, zeichnen sich Wälle, Gräben und Betonlinien ab. Hier oben wirkt die Landschaft offen und friedlich. Gleichzeitig bleibt das Gefühl, dass dieser Ort lange Zeit vor allem eins war: ein Aussichtspunkt mit Auftrag.
Fort Givat Orha II ist kein klassisches Ruinenmotiv mit Fassaden. Es ist ein Gelände, das man liest wie eine Karte. Wege führen in Sackgassen. Deckungen wirken geplant. Und unter der Oberfläche warten Räume, die gebaut wurden, um Zeit zu gewinnen.
In der unmittelbaren Umgebung liegen auch historische Spuren, die viel älter sind als die Betonstellungen. In der Region wird unter anderem der Tel mit dem Namen Tel Juhader genannt. Dort werden Funde aus mehreren Epochen beschrieben, und in der Nähe stehen Reste eines gut erhaltenen Karawansereis, das in Quellen dem 14. Jahrhundert zugeordnet wird. Das zeigt, wie lange dieser Korridor schon genutzt wurde, erst für Handel und Reisen, später für Beobachtung und Kontrolle.
Quelle: familytrips.co.il: Tel Juhader, Tel Orha, Givat Orha
Nicht weit entfernt liegt Ein Orha, und daneben Birkat Orha. Diese Betonlache wird in lokalen Beschreibungen als ehemalige Offizierslache bezeichnet. Sie soll von einer nahegelegenen Quelle gespeist worden sein und ist heute ein Ort, an dem man kurz vergisst, wie nah hier Geschichte und Konflikt beieinanderliegen. Außerdem werden in der Umgebung Gedenkorte erwähnt, die an Gefallene erinnern. Dadurch bekommt die Landschaft eine zweite Ebene. Sie ist nicht nur Naturraum, sondern auch Erinnerungsraum.
Quellen: tourgolan.org.il: Ein Orha und Birkat Orha, midrashat-hagolan.com: Ein Orha, Birkat Orha
Im zweiten Fort ist die Struktur klarer als erwartet. Gräben schneiden das Gelände. Niedrige Wälle führen den Blick. Betonwangen bilden schmale Korridore, die sich wie vorbereitete Laufwege anfühlen. In einigen Bereichen liegen Einstiege, die in geschützte Räume führen. Dort verändert sich sofort die Atmosphäre. Draußen ist Weite. Drinnen ist Enge, Rost und das Echo der eigenen Schritte.
Besonders auffällig sind die metallverkleideten Gänge und Türsysteme. Sie wirken wie eine spätere Verstärkung, gebaut für Schutz und für Bewegung unter Deckung. Genau das macht den Ort fotografisch stark. Die Oberfläche erzählt leise. Das Innere erzählt direkt.
An mehreren Stellen stehen Warnhinweise, die klar machen, dass die Landschaft nicht überall harmlos ist. In dieser Region gab und gibt es Minenfelder, und auch wenn sich vieles verändert hat, bleibt das Thema präsent. Israel hat dafür eine eigene nationale Stelle eingerichtet, die Räumung und Maßnahmen koordiniert. Trotzdem gilt hier: Wege sind nicht nur Orientierung, sie sind Sicherheitslinie.
Quelle: UNODA Dokument: Israel Bericht zur Minenräumung und INMAA
Ich war 2023 hier. Die Stimmung war eigenartig ruhig. Wind, Wolken und eine Weite, die fast zu groß wirkt für das, was in den Gräben steckt. Ich habe mir Zeit gelassen, weil dieser Ort nicht von einem Motiv lebt, sondern von Übergängen. Von der offenen Hochebene hinein in die schmalen Gänge. Von Licht zu Dunkel. Von Landschaft zu Konstruktion.
Fort Givat Orha II hat mir gezeigt, wie schnell ein Hügel seine Rolle wechseln kann. Erst Wegpunkt, dann Stellung, dann Ruine. Und am Ende wieder Landschaft, die langsam alles zurückholt.
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