Am Ortseingang des Kurorts Bärenfels im Osterzgebirge stand bis 2016 das Ferienhotel Sachsenhof. Ich habe das verlassene Haus 2014 besucht und fotografiert. Damals waren seine verschiedenen Nutzungsphasen noch in den Räumen und zurückgelassenen Gegenständen ablesbar: Aus dem Kurheim Kaiserhof war ein FDGB-Erholungsheim geworden, später das Ferienhotel Sachsenhof. Heute existiert das Gebäude nicht mehr. Diese Galerie zeigt seinen Zustand zwei Jahre vor dem Abriss.
Quellen: Urb3x: Ferienhotel Sachsenhof | Sächsische Zeitung: „Die Abrissbirne ist bestellt“
Im späten 19. Jahrhundert veränderte sich Bärenfels vom kleinen erzgebirgischen Dorf zum Erholungsort. Sommerfrische, Ausflüge und Wintersport brachten mehr Gäste in die Gegend. Mit der Fertigstellung der Weißeritztalbahn im Jahr 1883 verbesserte sich zudem die Verbindung mit Dresden. Für den Ort wurden Fremdenheime und Unterkünfte zu einem wichtigen Teil des örtlichen Lebens.
In diesem Zusammenhang entstand 1905 das Kurheim Kaiserhof. Historische Ansichtskarten zeigen, dass das Haus schon wenige Jahre später als Hotel bekannt war: Eine Karte aus dem Jahr 1908 trägt den Titel „Hotel Kaiserhof“. Für 1914 ist eine Ansichtskarte als „Pension Kaiserhof, Hotel Kaiserhof“ verzeichnet. Auch eine 1924 in Bärenfels ausgegebene Aktie der Kaiserhof Hotelbetriebs-AG dokumentiert den Hotelbetrieb in der Zwischenkriegszeit.
Quellen: Kurort Bärenfels: Geschichte | Ortschronik Bärenfels | Ansichtskarte des Kaiserhofs von 1914 | Historische Aktie der Kaiserhof Hotelbetriebs-AG
In der DDR wurde das Haus als FDGB-Erholungsheim Max Niklas genutzt. Der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund betrieb Ferienheime für Erholung und Urlaub. Der Sachsenhof gehörte laut einem Bericht der Sächsischen Zeitung zu den größeren FDGB-Ferienheimen der Region.
Der Name Max Niklas verweist auf die Geschichte des regionalen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Max Niklas war einer von drei Antifaschisten, die am 4. Juli 1935 nahe Altenberg in einen Hinterhalt der Gestapo gerieten und ermordet wurden. Heute erinnert dort ein Gedenkstein an die Ereignisse. So trug das ehemalige Ferienheim den Namen eines Mannes, dessen Geschichte eng mit der Umgebung verbunden ist.
Auch die Fotos aus dem Inneren geben Hinweise auf die Nutzung als Ferien- und Erholungsheim. In einem Raum sind zahlreiche Skier und Wintersportgeräte erhalten geblieben. Sie passen zur Bedeutung des Wintersports für Bärenfels, belegen für sich genommen aber nicht, welche konkreten Angebote das Heim seinen Gästen machte.
Quellen: Sächsische Zeitung: Geschichte des Max-Niklas-Heims | Urb3x: Ferienhotel Sachsenhof | AKuBiZ: Gedenken an die ermordeten Antifaschisten | Altenberger Bote: Gestapo-Hinterhalt an der Schneise 31
Nach der deutschen Wiedervereinigung erhielt das Haus den Namen Ferienhotel Sachsenhof. Der Hotelbetrieb konnte sich jedoch nur bis 1992 halten. Danach blieb das Gebäude ohne dauerhafte Nutzung zurück. Für ein Haus, das zuvor Gäste beherbergt hatte, begann damit eine lange Phase des Leerstands.
Es gab mehrere Versuche, eine neue Zukunft für das Gebäude zu finden. Im Gespräch waren ein Tagungshotel mit Konferenzräumen, eine Begegnungsstätte und ein Pflegeheim. Keine dieser Ideen wurde umgesetzt. Nach Darstellung der Quellen scheiterten die Vorhaben unter anderem an den Kosten und daran, dass sich die Beteiligten nicht auf eine tragfähige Lösung einigen konnten.
Quellen: Urb3x: Nutzungspläne nach 1992 | Sächsische Zeitung: gescheiterte Nachnutzungen
Während die Zukunft des Sachsenhofs offenblieb, verschlechterte sich der bauliche Zustand. Im Gebäude breitete sich Hausschwamm aus; außerdem stürzten Decken ein. Damit wurden die Möglichkeiten für eine spätere Nutzung immer geringer. Der Leerstand wurde zunehmend zu einem Problem für den Ortseingang von Bärenfels.
Die Stadt Altenberg einigte sich mit den Eigentümern und übernahm das Objekt, um den Rückbau zu ermöglichen. Ein Zeitungsbericht vom 31. Mai 2016 beschrieb die damals anstehenden Abrissarbeiten und nannte Fördermittel von insgesamt fast einer halben Million Euro für den Abriss zweier Ruinen. Der Sachsenhof wurde schließlich im Sommer 2016 abgerissen. Die Fotos aus dem Jahr 2014 halten somit einen Zustand fest, der nur kurze Zeit später endgültig verschwand.
Quellen: Sächsische Zeitung: Abrissplanung und Übernahme durch die Stadt | Urb3x: Abriss im Sommer 2016
Als ich 2014 durch das ehemalige Ferienhotel ging, war der Verfall bereits in vielen Räumen sichtbar. Putz löste sich von den Wänden, Decken waren beschädigt und auf den Böden lagen Reste der Ausstattung. Trotzdem ließen sich die früheren Raumfunktionen noch erahnen: lange Flure, große Aufenthaltsräume, ein Empfangsbereich, Küchen- und Funktionsräume sowie ein Abstellraum voller Skier.
Besonders die Mischung aus alltäglichen Hinterlassenschaften und den Spuren des früheren Hotelbetriebs machte den Besuch für mich eindrücklich. Vor den Fenstern hingen noch Gardinen, in einigen Räumen standen Möbel oder Schränke, und an anderer Stelle waren Unterlagen und Flaschen zurückgeblieben. Die Bilder zeigen keinen heutigen Zustand, sondern meine fotografische Dokumentation des Sachsenhofs im Jahr 2014, bevor das Haus abgerissen wurde.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.