Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

Flaschenhaus im Wald bei Lichtenfels

Das verlassene Flaschenhaus bei Lichtenfels

Mitten in einem Wald in Oberfranken steht ein ungewöhnliches Gebäude. Große Teile seiner Wände bestehen aus Weinflaschen, Schnapsflaschen und Einmachgläsern, die mit Mörtel zu einem erstaunlich stabilen Bauwerk verbunden wurden. Heute ist das Flaschenhaus bei Lichtenfels ein bekannter Lost Place in Bayern.

Das kleine Haus soll während der 1970er-Jahre in Eigenarbeit entstanden sein. Sein Erbauer verwendete offenbar Materialien, die günstig erhältlich waren. Gleichzeitig entwickelte er eine Konstruktion, die Licht durch die farbigen und transparenten Glasflaschen in das Innere fallen ließ.

Über die genaue Geschichte existieren nur wenige verlässliche Unterlagen. Viele Angaben wurden über Jahrzehnte mündlich weitergegeben oder in Berichten anderer Besucher wiederholt. Deshalb lassen sich heute nicht mehr alle Geschichten über den Erbauer zweifelsfrei bestätigen.

Meine Fotografien dokumentieren den Zustand des Flaschenhauses bei meinem Besuch im Jahr 2021. Einen genauen Standort oder eine Wegbeschreibung veröffentliche ich nicht.

Ein Haus aus Glasflaschen

Flaschenhäuser sind keine vollkommen neue Erfindung. An verschiedenen Orten der Welt wurden Glasflaschen als günstiges oder dekoratives Baumaterial verwendet. Beim Flaschenhaus in Oberfranken bilden sie große Teile der Außenwände.

Die Flaschen wurden waagerecht in den Mörtel eingesetzt. Ihre Böden und Öffnungen zeigen jeweils zu den beiden Seiten der Wand. Dadurch entstanden zahlreiche runde Glasflächen, durch die Tageslicht in unterschiedlichen Farben in die Räume gelangte.

Neben Wein- und Spirituosenflaschen wurden auch größere Gläser und andere wiederverwendete Materialien verbaut. Massive Betonbereiche und tragende Konstruktionselemente stabilisierten das Gebäude. Dass große Teile des Hauses nach mehreren Jahrzehnten noch stehen, zeigt, wie sorgfältig viele Bereiche ausgeführt wurden.

Gleichzeitig war das Gebäude kein gewöhnliches Recyclingprojekt. Seine Lage mitten im Wald, die ungewöhnlichen Formen und die Kombination verschiedener Materialien verleihen ihm einen sehr individuellen Charakter.

Quellen: Wuselgewusel: Das verlassene Flaschenhaus | Augenblicke Fotografie: Rudis Flaschenhaus im Wald

Wann wurde das Flaschenhaus gebaut?

Übereinstimmenden Besucherberichten zufolge entstand das Flaschenhaus zu Beginn oder im Verlauf der 1970er-Jahre. Als Erbauer wird häufig ein Mann mit dem Vornamen Rudi genannt. Sein vollständiger Name und viele Einzelheiten seines Lebens sind öffentlich nicht zuverlässig dokumentiert.

Der Erbauer soll das Gebäude mit möglichst geringen finanziellen Mitteln errichtet haben. Glasflaschen standen in großer Zahl zur Verfügung und konnten als Füllmaterial für die Wände genutzt werden. Gleichzeitig erzeugten sie den außergewöhnlichen optischen Effekt des Hauses.

Wie der Zement, die Flaschen und alle weiteren Materialien in den abgelegenen Wald transportiert wurden, ist nicht abschließend bekannt. Klar ist jedoch, dass die Errichtung ohne moderne Großmaschinen einen erheblichen Zeit- und Arbeitsaufwand erfordert haben muss.

Quellen: Augenblicke Fotografie: Überlieferte Geschichte des Flaschenhauses | Urbex-BB: Das Flaschenhaus

War das Flaschenhaus ein Schwarzbau?

In nahezu allen veröffentlichten Berichten wird das Gebäude als Schwarzbau bezeichnet. Demnach soll es ohne die erforderliche Baugenehmigung auf dem Waldgrundstück errichtet worden sein.

Eine öffentlich zugängliche behördliche Bauakte, mit der sich sämtliche Details überprüfen ließen, ist nicht bekannt. Auch Berichte über langjährige Auseinandersetzungen zwischen dem Erbauer und den Behörden beruhen überwiegend auf mündlichen Erzählungen.

Im Internet kursieren darüber hinaus dramatische Geschichten über Polizeieinsätze und bewaffnete Auseinandersetzungen. Für viele dieser Behauptungen fehlen nachvollziehbare Primärquellen. Sie sollten deshalb nicht als gesicherte Tatsachen betrachtet werden.

Als wahrscheinlich gilt lediglich, dass das Haus ohne reguläre Genehmigung entstand und die Behörden den Bau deshalb kritisch betrachteten. Trotz seines Alters und verschiedener Eigentümerwechsel blieb das Gebäude über Jahrzehnte erhalten.

Quellen: Wuselgewusel: Geschichte des Flaschenhauses | Urbex-BB: Überlieferungen zum Schwarzbau

Autarkes Leben mitten im Wald

Trotz seiner abgelegenen Lage verfügte das Flaschenhaus offenbar über erstaunlich umfangreiche Technik. Im Gebäude waren elektrische Leitungen und ein Sicherungskasten vorhanden. Der benötigte Strom soll mit einem Generator erzeugt worden sein.

Außerdem gibt es Hinweise auf eine eigene Wasserversorgung. Damit konnte der Erbauer zumindest zeitweise weitgehend unabhängig von öffentlichen Versorgungsleitungen leben. Verschiedene sanitäre Einrichtungen und technische Überreste waren auch Jahre nach der Aufgabe noch erkennbar.

Die Kombination aus handwerklicher Improvisation und technischer Planung zeigt, dass das Flaschenhaus mehr als eine einfache Waldhütte war. Es sollte offenbar als tatsächlich nutzbares Wohnhaus oder als längerfristiger Rückzugsort dienen.

Welche Systeme dauerhaft funktionierten und wie lange das Haus bewohnt wurde, lässt sich heute nicht mehr verlässlich rekonstruieren.

Quellen: Wuselgewusel: Strom und Wasser im Flaschenhaus | Urbex-BB: Autarke Versorgung des Hauses

Der angebliche geheime Raum

Zu den bekanntesten Geschichten gehört ein vermeintlich geheimer Raum. In einem Bereich neben dem Eingang scheint sich hinter einer Wand ein weiterer Hohlraum zu befinden. Ein eindeutig erkennbarer Zugang ist jedoch nicht vorhanden.

Einige Erzählungen sprechen von einem zugemauerten Eingang oder einem inzwischen eingestürzten Tunnel. Belastbare Baupläne oder andere Nachweise dafür existieren nicht. Deshalb bleibt offen, ob sich dort tatsächlich ein verborgener Raum befindet und welchem Zweck er gedient haben könnte.

Die Geschichte passt zur geheimnisvollen Atmosphäre des Hauses. Sie sollte trotzdem als unbestätigte Überlieferung und nicht als belegter Bestandteil seiner Baugeschichte verstanden werden.

Vandalismus und Verfall

Das Flaschenhaus ist seit vielen Jahren in der Lost-Places-Szene bekannt. Mit der steigenden Aufmerksamkeit nahmen auch die Schäden am Gebäude zu. Zahlreiche Flaschen wurden eingeschlagen, Fenster zerstört und zurückgelassene Gegenstände entfernt.

Eine Wand aus Glasbausteinen war bei meinem Besuch bereits stark beschädigt. Viele der ursprünglich vollständigen Flaschenwände wiesen Lücken auf. Im Inneren befanden sich kaum noch persönliche Gegenstände, die etwas über das frühere Leben des Erbauers hätten erzählen können.

Neben dem Vandalismus setzen Feuchtigkeit, Frost und Pflanzen dem Gebäude zu. Beschädigte Fenster und offene Bereiche lassen Regen eindringen. Dadurch verschlechtert sich der Zustand von Decken, Böden und Wänden zunehmend.

Gerade bei einem Haus aus Glasflaschen ist jede mutwillige Beschädigung dauerhaft sichtbar. Zerstörte Elemente lassen sich nicht ohne erhebliche Eingriffe in die historische Konstruktion ersetzen.

Quellen: Wuselgewusel: Zustand und Vandalismus | Urbex-BB: Fotografische Dokumentation des Flaschenhauses

Ist das Flaschenhaus öffentlich zugänglich?

Das Flaschenhaus befindet sich nicht in einem regulär geöffneten Museum oder auf einem offiziell ausgewiesenen Besichtigungsgelände. Auch wenn der Ort in Wanderportalen und sozialen Netzwerken erwähnt wird, entsteht daraus kein allgemeines Betretungsrecht.

Das Gebäude steht auf fremdem Grund und ist durch seinen Zustand nicht als sicher einzustufen. Zerbrochenes Glas, beschädigte Bauteile und mögliche Probleme mit Decken und Böden können erhebliche Gefahren darstellen.

Aus diesem Grund veröffentliche ich weder die genaue Position noch eine Wegbeschreibung. Meine Bilder sollen das Flaschenhaus dokumentieren und nicht zusätzlichen Vandalismus oder ein unbefugtes Betreten fördern.

Ein außergewöhnlicher Lost Place in Bayern

Das Flaschenhaus unterscheidet sich deutlich von gewöhnlichen verlassenen Wohnhäusern. Seine Bedeutung liegt nicht in Größe oder luxuriöser Ausstattung. Entscheidend sind die ungewöhnliche Bauweise, die abgelegene Lage und die Geschichte eines Menschen, der offenbar weitgehend nach eigenen Vorstellungen leben wollte.

Die Wände aus Flaschen verbinden Architektur, Improvisation und Wiederverwendung. Gleichzeitig zeigen die heutigen Schäden, wie schnell ein außergewöhnliches Gebäude durch Bekanntheit und fehlenden Schutz verloren gehen kann.

Weitere verlassene Gebäude, Industrieanlagen und ungewöhnliche Konstruktionen findest du in meinem Archiv über Lost Places in Deutschland.

Mein Besuch im Flaschenhaus 2021

Ich besuchte das Flaschenhaus im Jahr 2021. Bereits von außen fiel auf, wie unterschiedlich die verwendeten Glasgefäße waren. Zwischen klassischen Flaschen steckten größere Gläser und farbige Elemente im Mörtel. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall entstanden dadurch immer neue Muster.

Im Inneren wurde die Wirkung der Flaschenwände noch deutlicher. Tageslicht fiel durch das Glas und erzeugte helle Punkte auf den dunklen Oberflächen. Gleichzeitig zeigten eingeschlagene Flaschen und zerstörte Bauteile, wie stark der Ort bereits gelitten hatte.

Persönliche Gegenstände waren kaum noch vorhanden. Deshalb erzählte vor allem das Gebäude selbst von seinem Erbauer. Die selbst verlegten Leitungen, der Sicherungskasten, die Wasserversorgung und die ungewöhnlichen Wände ließen erkennen, wie viel Arbeit in diesem Rückzugsort steckte.

Für mich war das Flaschenhaus kein klassisches verlassenes Herrenhaus und keine monumentale Industrieanlage. Trotzdem gehört es durch seine Konstruktion zu den ungewöhnlichsten verlassenen Orten in Deutschland, die ich fotografiert habe.

Atmosphere / Atmosphäre
77%
Risk / Gefahr
8%
Vandalism / Vandalismus
62%
Decay / Verfall
46%

Germany, visited in 2021

Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.

This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

lost-places.com - Menu
Right Menu Icon