Das Château de la Mothe-Chandeniers liegt bei Les Trois-Moutiers in der französischen Region Nouvelle-Aquitaine. Wassergräben, neogotische Türme und eine von Pflanzen eroberte Schlossruine verleihen dem Anwesen sein außergewöhnliches Erscheinungsbild.
Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1932 blieb das Schloss jahrzehntelang dem Verfall überlassen. Eine internationale Crowdfunding-Aktion rettete die Ruine schließlich vor dem endgültigen Untergang.
Die Geschichte des Anwesens reicht bis ins Mittelalter zurück. Ursprünglich trug die Festung den Namen La Motte-Bauçay und gehörte der regional einflussreichen Familie de Bauçay.
Während des Hundertjährigen Krieges wurde die Anlage mehrfach von englischen Truppen erobert und anschließend von französischen Streitkräften zurückgewonnen. Durch Heirat und Erbschaft gelangte das Anwesen später an die Familie de Rochechouart.
Der Name La Mothe-Chandeniers setzte sich im 17. Jahrhundert endgültig durch. Danach wechselte das Schloss mehrfach den Besitzer.
Quelle: Château de la Mothe-Chandeniers – Historische Geschichte
Im Jahr 1809 erwarb der Pariser Unternehmer François Hennecart das Anwesen. Er ließ das Schloss restaurieren und die umgebende Landschaft mit Kanälen, Wegen und neuen Pflanzungen gestalten.
Ab Mitte der 1850er-Jahre wurde das Gebäude nach Entwürfen des Architekten Adolphe Gaumont umfassend neu errichtet. Die Architektur verband romantische Vorstellungen des Mittelalters mit Elementen der Renaissance und der Neogotik.
Das Schloss wurde von Wasser umgeben und erhielt seine charakteristischen Türme, Erker und reich verzierten Fassaden. Dadurch entstand das märchenhafte Erscheinungsbild, für das La Mothe-Chandeniers heute bekannt ist.
Quellen: Offizielle Schlossgeschichte | Tourisme Vienne – La Mothe-Chandeniers
Am 13. März 1932 brach kurz nach der Installation einer neuen Zentralheizung ein schweres Feuer aus. Trotz des Einsatzes mehrerer Feuerwehren konnten die Flammen nicht unter Kontrolle gebracht werden.
Das Dach, die Innenräume und fast die gesamte Ausstattung des Schlosses wurden zerstört. Eine bedeutende Bibliothek, Möbel, Gemälde und Wandteppiche gingen verloren. Lediglich die Kapelle, einige Nebengebäude und der Taubenturm blieben weitgehend verschont.
Nach dem Brand wurde das Hauptgebäude nicht wiederaufgebaut. Ohne ein schützendes Dach waren die Mauern fortan Regen, Frost und eindringender Vegetation ausgesetzt.
Quellen: Château de la Mothe-Chandeniers – Der Brand von 1932 | The Guardian – Brand und Rettung des Schlosses
In den folgenden Jahrzehnten verfiel das Château de la Mothe-Chandeniers zunehmend. Bäume und Pflanzen wuchsen innerhalb der ungeschützten Räume. Wurzeln drangen in das Mauerwerk ein und beschleunigten dessen Zerstörung.
Gleichzeitig entstand aus Architektur, Wasser und Vegetation eine außergewöhnliche romantische Ruinenlandschaft. Fotografien des überwucherten Schlosses verbreiteten sich weltweit und machten das nahezu vergessene Anwesen international bekannt.
Mehrere Eigentümer versuchten, die Ruine zu retten. Die erforderlichen finanziellen Mittel überstiegen jedoch lange Zeit die Möglichkeiten einzelner Besitzer.
Am 6. Oktober 2017 starteten die Plattform Dartagnans und der Verein Adopte un Château eine internationale Kampagne zum gemeinschaftlichen Erwerb des Schlosses.
Menschen aus zahlreichen Ländern beteiligten sich an dem Projekt und wurden über eine gemeinsame Gesellschaft zu Miteigentümern. Die Kampagne sammelte genügend Geld für den Kauf des Anwesens und die ersten dringend notwendigen Sicherungsarbeiten.
Damit entstand ein neuartiges Modell der Denkmalrettung: Das Schloss gehörte nicht mehr einem einzelnen Eigentümer, sondern einer internationalen Gemeinschaft von Menschen, die seinen Erhalt gemeinsam finanzierten.
Quelle: Château de la Mothe-Chandeniers – Das Gemeinschaftsprojekt
Nach dem gemeinschaftlichen Erwerb untersuchten Fachleute den Zustand der Ruine. Besonders gefährdete Mauern und Türme wurden abgestützt und gesichert. Gleichzeitig begannen Restaurierungsarbeiten an verschiedenen Bereichen der Anlage.
Das Ziel besteht nicht darin, sämtliche Spuren des Feuers und des Verfalls zu beseitigen. Vielmehr soll der besondere Charakter der romantischen Ruine erhalten und mit einer sicheren Nutzung verbunden werden.
Heute kann das Château de la Mothe-Chandeniers offiziell besucht werden. Im Schlosspark entstanden zusätzliche Angebote wie Veranstaltungen und Übernachtungsmöglichkeiten. Die Restaurierung wird weiterhin schrittweise fortgeführt.
Das Anwesen ist deshalb heute kein verlassener Lost Place mehr, sondern ein gesichertes Kultur- und Gemeinschaftsprojekt.
Quellen: Offizielle Projektgeschichte | Tourisme Vienne – Heutige Nutzung
Ich besuchte das Château de la Mothe-Chandeniers im Jahr 2018. Das internationale Crowdfunding-Projekt war damals gerade erst angelaufen und die umfangreichen Sicherungsarbeiten standen noch am Anfang.
Besonders eindrucksvoll war das Zusammenspiel aus Wasser, neogotischer Architektur und dichter Vegetation. Durch die fehlenden Dächer wuchsen Pflanzen unmittelbar innerhalb der ehemaligen Schlossräume.
Meine Fotografien dokumentieren einen entscheidenden Übergang: Das Schloss war bereits vor dem endgültigen Verfall gerettet, besaß aber noch weitgehend das Erscheinungsbild der jahrzehntelang vergessenen Ruine.
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