Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Central Térmica de Aliaga in Aragón: Ein verlassenes Kohlekraftwerk

Am Ufer des Embalse de Aliaga erhebt sich die Central Térmica de Aliaga vor einer kargen Berglandschaft. Das Wasser spiegelt die massive Fassade, Schornsteine ragen über das Dach. Aus der Entfernung wirkt die Anlage fast ruhig. Im Inneren zeigen hohe Hallen, offene Schächte und verrostete Bauteile, wie groß das ehemalige Kohlekraftwerk tatsächlich war.

Die Central Térmica de Aliaga war einst ein bedeutender Teil der Energieversorgung in Aragón. Mit ihr veränderten sich auch die umliegenden Minen, die Infrastruktur und das Leben der Menschen in Aliaga. Heute stehen die Gebäude still, während der Stausee und die Berge die Industrieanlage langsam wieder in die Landschaft einbinden.

Ein Kraftwerk für die spanische Nachkriegszeit

Im Jahr 1943 erhielt Eléctricas Reunidas de Zaragoza, kurz ERZ, die Genehmigung zum Bau eines Wärmekraftwerks in Aliaga. Die Arbeiten am Hauptgebäude begannen ungefähr 1947. Das Rathaus nennt 1950 als Beginn des Betriebs, während das Inventar der aragonesischen Denkmalpflege die Anlage auf 1952 datiert. Sicher ist das Ende der Geschichte: 1982 wurde das Kraftwerk geschlossen.

Die Central Térmica de Aliaga entstand in einer Zeit, in der Spanien dringend zusätzliche Elektrizität benötigte. In späteren Darstellungen wird sie als größte und modernste Wärmekraftanlage des Landes zu ihrer Zeit beschrieben. Hunderte Menschen arbeiteten im Kraftwerk und in den damit verbundenen Bereichen.

Quellen: Museo de Ciencias Naturales de la Universidad de Zaragoza: Geschichte der Central Térmica de Aliaga | Ayuntamiento de Aliaga: La Aldehuela | Cadena SER: Apaga y vámonos

Von 20 auf 45 Megawatt

Zur ersten Ausstattung gehörten zwei Turbinen mit jeweils 10 Megawatt Leistung. 1958 kam eine dritte Turbine mit 25 Megawatt hinzu. Damit stieg die installierte Gesamtleistung auf 45 Megawatt. In der anschließenden Hochphase erreichte die jährliche Stromproduktion laut dem Museo de Ciencias Naturales etwa 280 Gigawattstunden.

Die Kessel und Generatoren standen in einem gewaltigen Gebäudekomplex. Besonders eindrucksvoll war die Kesselhalle: Das Inventar der aragonesischen Denkmalpflege gibt ihre Maße mit 76 Metern Länge und 36 Metern Höhe an. Die weitläufigen Hallen, hohen Fenster und mächtigen Betonstrukturen sind auf den Bildern noch heute zu erkennen.

Quellen: Museo de Ciencias Naturales de la Universidad de Zaragoza: technische Entwicklung und Stromproduktion | SIPCA: Gebäude der Central Térmica de Aliaga

Kohle aus den umliegenden Minen

Das Kraftwerk wurde zunächst mit Kohle aus der Region versorgt. Zu den wichtigen Förderstätten gehörten Hoya Marina, Las Eras und Campos. Hängende Loren transportierten die Kohle über ein weitläufiges System aus Seilen und Stützen zur Anlage. Einige dieser Transportstützen sind in der Landschaft bis heute erhalten.

Mit dem Ausbau des Kraftwerks stieg der Brennstoffbedarf stark an. Die lokalen Minen konnten ihn nicht dauerhaft decken. Nach Angaben des Rathauses wurde die Anlage bis 1964 mit lokaler Kohle versorgt. Später kam Brennstoff per Straße aus anderen Kohlebecken der Provinz Teruel. Das Museo de Ciencias Naturales beziffert den Bedarf in der Hochphase auf rund 900 Tonnen Kohle täglich.

Quellen: Ayuntamiento de Aliaga: Central Térmica de Aliaga | Ayuntamiento de Aliaga: La Aldehuela | Museo de Ciencias Naturales de la Universidad de Zaragoza: Bergbau und Brennstoffversorgung

Stausee, Kraftwerk und Arbeitersiedlung

Die Anlage war auf mehr als Kohle angewiesen. Am Fluss Guadalope entstand ein Stausee, dessen Wasser für das Kühlsystem des Kraftwerks genutzt wurde. Auch die Siedlung La Aldehuela gehörte zum industriellen Umfeld. Sie wurde Ende der 1940er-Jahre errichtet, um Beschäftigte des Kraftwerks unterzubringen.

Kraftwerk, Stausee, Kohletransport und Wohnsiedlung bildeten zusammen eine neue Industrielandschaft. Die Industrialisierung veränderte Aliaga und den Alltag der Menschen deutlich. Das frühere Kraftwerk ist deshalb nicht nur ein einzelnes verlassenes Gebäude, sondern Teil einer größeren Geschichte aus Energiegewinnung, Bergbau und Arbeit.

Quellen: Ayuntamiento de Aliaga: Central Térmica de Aliaga | Ayuntamiento de Aliaga: La Aldehuela | Museo de Ciencias Naturales de la Universidad de Zaragoza: Landschaft und soziale Folgen

Monumentale Industriearchitektur

Die aragonesische Denkmalpflege beschreibt die Anlage als mehrere miteinander verbundene Hallen aus Beton, Zement und Ziegel. Die große Kesselhalle überragt die übrigen Gebäudeteile. An der Fassade sind noch die Schriftzüge „Central Térmica de Aliaga“ und „Eléctricas Reunidas Zaragoza S.A.“ dokumentiert.

Im Inneren passten sich die Räume den verschiedenen Arbeitsschritten und Maschinen an. Nach der Stilllegung wurde ein Großteil der technischen Ausstattung abgebaut. Laut SIPCA sind vor allem die drei Schornsteine als markante technische Überreste erhalten geblieben. Die offenen Hallen, gewaltigen Fensterflächen und zurückgelassenen Räume lassen dennoch die Dimension des früheren Betriebs erahnen.

Quellen: SIPCA: Architektur, Hallen und erhaltene Bauteile | Archivos de Aragón: Inventar der Central Térmica de Aliaga

Seit 1982 außer Betrieb

Mit der Schließung 1982 endete die Stromproduktion. Für das Kraftwerk wurde anschließend keine neue Nutzung gefunden. Die Anlage verfiel, während sich rund um den Stausee Vegetation ausbreitete und die Gebäude zunehmend den Witterungseinflüssen ausgesetzt waren.

Der aragonesische Denkmalschutzverein APUDEPA sieht die Central Térmica de Aliaga als wichtiges Zeugnis der Industriegeschichte und fordert den Schutz des Gebäudes und seiner Landschaft. Zugleich weist der Verein auf die Gefahren des ruinösen Zustands hin. Der Ort beeindruckt daher nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch die offene Frage, wie dieses Industriedenkmal künftig erhalten werden kann.

Quellen: APUDEPA: Central Térmica de Aliaga | Cadena SER: Zustand der Anlage nach der Schließung

Mein Besuch

Beim Fotografieren hat mich vor allem der Kontrast zwischen der stillen Landschaft und der gewaltigen Anlage beschäftigt. Von außen spiegelt sich das Kraftwerk im Wasser des Stausees. Innen öffnen sich hohe Hallen mit großen Fensterflächen, tiefen Bodenschächten und massiven Betonstrukturen.

Auch die kleineren Räume erzählen ihre eigene Geschichte: ein blauer Tankanhänger in einem Lagerbereich, ein Saal mit beschrifteten Tafeln, verstreute Unterlagen und lange Korridore. Für mich zeigen diese Bilder, dass Aliaga weit mehr ist als eine Industrieruine. Die Central Térmica war einst mit den Minen, dem Kohletransport, dem Stausee und dem Leben der Beschäftigten verbunden. Heute stehen diese Spuren still inmitten der Berge.

Atmosphere / Atmosphäre
83%
Risk / Gefahr
44%
Vandalism / Vandalismus
45%
Decay / Verfall
35%

Spain, visited in 2023

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