Das Atomkraftwerk Lemóniz – auf Baskisch Lemoiz – steht an der Küste von Bizkaia im spanischen Baskenland. Obwohl die Anlage weitgehend errichtet wurde, erzeugte sie niemals Strom und erhielt auch keinen Kernbrennstoff. Über Jahrzehnte blieb der massive Gebäudekomplex als eines der bekanntesten Beispiele eines verlassenen Atomkraftwerks in Spanien zurück.
Der Bau begann 1972 in der Cala de Basordas. Geplant waren zwei Reaktorblöcke, die einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung der stark industrialisierten Region leisten sollten.
Für die Anlage entstanden massive Reaktorgebäude, technische Betriebsbereiche und eine umfangreiche Infrastruktur mit direktem Zugang zum Meer. Trotz des weit fortgeschrittenen Baus wurde das Kraftwerk niemals in Betrieb genommen.
Quelle: RTVE: Lemoiz – la central nuclear que será una piscifactoría
Das Bauprojekt löste im Baskenland eine breite gesellschaftliche und politische Auseinandersetzung aus. Bürgerinitiativen und Teile der Umweltbewegung protestierten gegen die Nutzung der Kernenergie und den Standort an der Küste.
Gleichzeitig verübte die Terrororganisation ETA mehrere Anschläge auf das Kraftwerksprojekt. Dabei starben Arbeiter. Außerdem wurde der leitende Ingenieur José María Ryan entführt und ermordet. Die Geschichte von Lemóniz ist deshalb nicht nur mit der spanischen Energiepolitik, sondern auch mit einer gewaltsamen Phase des baskischen Konflikts verbunden.
Quelle: RTVE: Geschichte des Kernkraftwerks Lemoiz
Die Bauarbeiten wurden zu Beginn der 1980er-Jahre eingestellt. Die spanische Atompolitik veränderte sich und die 1984 beschlossene Moratoriumspolitik bestätigte schließlich den Baustopp.
In die Reaktoren wurde niemals Kernbrennstoff eingebracht. Damit war Lemóniz zwar als Kraftwerksanlage weit fortgeschritten, wurde jedoch nie zu einem betriebenen Kernkraftwerk. Technische Einrichtungen wurden später teilweise entfernt, während die großen Betonbauten erhalten blieben.
Quellen: Baskische Regierung: Plan de Energía Oceánica | RTVE: Das niemals gestartete Kernkraftwerk
Im April 2026 stellte die baskische Regierung Pläne für eine neue Nutzung des Geländes vor. Teile der ehemaligen Kraftwerksanlage sollen in einen großen Aquakulturstandort für die Zucht und Verarbeitung von Seezungen umgewandelt werden.
Für das über mehrere Jahre geplante Projekt ist eine öffentlich-private Investition von mehr als 170 Millionen Euro vorgesehen. Die ersten dort gezüchteten Fische sollen nach den veröffentlichten Planungen um 2030 verfügbar sein. Damit könnte die jahrzehntelange Geschichte von Lemóniz als ungenutzte Industrieruine enden.
Quellen: Baskische Regierung: Aquakulturprojekt in Lemoiz | RTVE: Umwandlung zur Fischzucht
Ich besuchte das Atomkraftwerk Lemóniz im Jahr 2009. Bereits die Fahrt über die Bergstraßen entlang der baskischen Küste machte deutlich, wie abgeschieden und zugleich landschaftlich eindrucksvoll der Standort liegt.
Vor Ort traf ich auf einen hohen Zaun mit Sicherheitsdraht, Überwachungskameras, Sensoren und einen aktiven Sicherheitsdienst. Eine Erkundung des abgesperrten Kraftwerksgeländes kam deshalb nicht infrage. Als ich mich entlang der Klippen in Richtung Meer bewegte, wurde ich vom Sicherheitsdienst aus dem Bereich verwiesen.
Meine Fotografien zeigen Lemóniz zu einer Zeit, als der massive Komplex noch ohne konkrete neue Nutzung an der Küste stand. Der Kontrast zwischen den grauen Kraftwerksbauten, den bewaldeten Hängen und dem Meer machte diesen Besuch dennoch zu einer außergewöhnlichen Dokumentation.
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