Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Antiga Central de Captação de Água da Foz do Sousa in Gondomar in Portugal

Am Ufer des Rio Sousa in Foz do Sousa steht eine Anlage, die über Jahrzehnte für die Wasserversorgung der Stadt Porto entscheidend war. Die Antiga Central de Captação de Água bildete das Herzstück des ersten industriellen Systems, das Haushalte in Porto regelmäßig mit Wasser versorgte. Von hier aus wurde Flusswasser gefiltert und in Richtung Stadt gepumpt.

Schon von außen fallen die langen Fassaden mit ihren hohen Rundbogenfenstern und den roten Ziegelrahmen auf. Im Inneren wird deutlich, wie groß die technische Anlage war: Zwischen massiven Pumpen, Zahnrädern, Leitungen und Wasserkanälen entstand eine Maschinenhalle, deren Dimensionen man der Lage am Fluss kaum ansieht.

Quelle: Águas e Energia do Porto: Antiga Central de Captação de Foz do Sousa

Geschichte und Architektur

Die Planungen für eine moderne Wasserversorgung Portos reichen in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Nach mehreren frühen Vorschlägen fiel die Entscheidung auf Wasser aus den Flüssen Sousa und Ferreira. Die Stadt schrieb 1880 den Betrieb und Ausbau der Wasserversorgung aus. Den Zuschlag erhielt die französische Compagnie Générale des Eaux pour l’Étranger, mit der 1882 der Vertrag unterzeichnet wurde.

Die Bauarbeiten am Versorgungssystem begannen im März 1884. Das technische Projekt entstand unter der Leitung der Ingenieure Max Schmidt und Gustave Marchand. Für die Bauausführung war die Pariser Firma Casa Delune zuständig. Im Juni 1886 erreichte Wasser aus dem Rio Sousa erstmals die Stadt Porto. Der reguläre Betrieb begann am 1. Januar 1887.

Die Central do Sousa war mehr als ein Pumpenhaus. Das Wasser wurde am Fluss entnommen, gefiltert und in der Anlage angehoben. Von dort gelangte es über ein weit verzweigtes System in die Stadt. Dazu gehörten unter anderem der Tunnel und Speicher von Jovim, eine Siphonbrücke über den Rio Tinto sowie mehrere Reservoirs in Porto. Das Reservoir Santo Isidro nahm das Wasser aus Foz do Sousa auf und versorgte die mittleren Stadtbereiche. Weitere Speicher leiteten es in höher gelegene und tiefer liegende Viertel weiter.

Zum Anlagenkomplex gehörten die Maschinenhalle mit Pumpen, ein Kesselhaus, Werkstätten und Lager. Hinzu kamen ein Schornstein, das Wohnhaus mit Büro des Betriebsleiters sowie ein Wehr mit Schleusen. Ein Transformatorgebäude wurde später ergänzt. Die erhaltenen Ziegelbögen, hohen Fenster und die funktionalen Innenräume zeigen, wie eng Architektur und Technik aufeinander abgestimmt waren. Die Maschinen waren Teil eines zusammenhängenden Systems aus Wasseraufnahme, Filterung und Förderung.

Die Compagnie Générale des Eaux betrieb das Versorgungssystem bis 1927. Danach übernahmen die städtischen Wasser- und Abwasserdienste Portos den Betrieb. Bei Hochwasser erwies sich die Anlage als anfällig. Deshalb wurden Ende der 1920er-Jahre Verbesserungen vorgenommen. Die Central blieb dennoch bis 1985 in Betrieb. Mit dem Aufbau neuer Infrastruktur bei Lever verlor sie ihre Funktion und wurde stillgelegt.

2010 wurde die Antiga Central als Monumento de Interesse Público, als Denkmal von öffentlichem Interesse, klassifiziert. Der Schutz umfasst neben dem Gebäude auch die technische Ausstattung, darunter Maschinen zur Wasseraufnahme und Förderung, Filter sowie Turbinenkanäle. Die Bedeutung des Ortes liegt damit sowohl in seiner Architektur als auch in seiner technischen Rolle für die Entwicklung Portos.

Quelle: Águas e Energia do Porto: A Água da Companhia | Portugiesisches Denkmalregister | Diário da República: Portaria n.º 268/2010

Nutzung, Denkmalstatus und Zugang

Nach fast einem Jahrhundert endete 1985 der Betrieb der Central do Sousa. Seitdem ist die Anlage nicht mehr Teil der aktiven Wasserversorgung. Ihr Denkmalstatus bewahrt nicht nur die äußere Hülle, sondern auch wichtige Teile ihrer technischen Ausstattung. Gerade die noch vorhandenen Maschinen machen den Ort zu einem seltenen Zeugnis der frühen industriellen Wasserversorgung.

2021 kündigten die Stadtverwaltungen von Porto und Gondomar gemeinsam mit Águas do Douro e Paiva an, die Anlage zu einem Zentrum für Wissen und Innovation rund um Wasser und Energie umzubauen. Vorgesehen waren Bildungsangebote, wissenschaftliche Arbeit und eine museale Vermittlung der Geschichte. Die damalige Planung nannte eine Eröffnung im Jahr 2025. Eine Mitteilung der Águas do Douro e Paiva aus dem August 2025 dokumentiert jedoch noch die Vergabe einer fachlichen Bewertung des historischen Ensembles. Ob der Umbau inzwischen abgeschlossen ist oder das Zentrum geöffnet wurde, ist in den auffindbaren offiziellen Informationen nicht bestätigt.

Die touristische Information der Área Metropolitana do Porto beschreibt einen Besuch von außen. Die Innenräume sind demnach nicht öffentlich zugänglich. Vor einem Besuch sollten aktuelle Hinweise der zuständigen Stellen beachtet werden.

Quelle: Município de Gondomar: geplantes Wasserzentrum | Águas do Douro e Paiva: Verwaltungsratssitzung vom August 2025 | Área Metropolitana do Porto: Besucherinformation

Mein Besuch 2023

Im Rahmen eines offiziellen Besuchs konnte ich das Gebäude auch von innen besichtigen. In der Maschinenhalle fällt zuerst die Größe der technischen Anlagen auf. Rostige Zahnräder, große Maschinenräder und Pumpenkörper stehen zwischen Betonstützen und offenen Kanälen. Überall liegen Leitungen, während hohe Rundbogenfenster Licht auf die verblassten Wandflächen und alten Fliesen fallen lassen. Die Maschinen stehen noch an ihrem Platz, inzwischen von Rost, Feuchtigkeit und Verfall gezeichnet.

Auch draußen bleibt die frühere Funktion des Kraftwerkes sichtbar. Wasser läuft durch die Kanäle und über das Wehr am Fluss. Innen und außen liegen dicht beieinander: die schweren Maschinen der Anlage auf der einen Seite, das ruhige Flussufer auf der anderen. Gerade dieser Zusammenhang macht den Ort so eindrücklich. Man kann sich vorstellen, wie hier Wasser aus dem Sousa aufgenommen, aufbereitet und in Richtung Porto weitergeleitet wurde. Das Wasserkraftwerk ist damit nicht bloß eine verlassene Industrieanlage, sondern ein erhaltenes Stück Stadt- und Technikgeschichte.

Atmosphere / Atmosphäre
35%
Risk / Gefahr
5%
Vandalism / Vandalismus
10%
Decay / Verfall
65%

Portugal, visited in 2023

Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.

This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.

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