Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Ehemaliger Abschiebeknast Zweibrücken-Birkhausen: Geschichte, Leerstand und Abriss

Der ehemalige Abschiebeknast Zweibrücken-Birkhausen war offiziell eine Gewahrsamseinrichtung für Ausreisepflichtige. Hinter hohen Zäunen, vergitterten Fenstern und schweren Metalltüren wurden hier Menschen bis zur geplanten Abschiebung festgehalten. Die Anlage wurde später aufgegeben, durch einen Brand schwer beschädigt und schließlich vollständig abgerissen.

Quellen: Landtag Rheinland-Pfalz, Drucksache 13/2093 | Bistum Mainz, Abschiebungshaft in Rheinland-Pfalz

Eine Gewahrsamseinrichtung für Ausreisepflichtige

Am 1. Dezember 1996 nahm die Gewahrsamseinrichtung Zweibrücken-Birkhausen ihren Betrieb auf. Die Einrichtung verfügte über eine Kapazität von 70 Plätzen und war speziell für den Vollzug der Abschiebungshaft vorgesehen. Im alltäglichen Sprachgebrauch wurde daraus schnell der Begriff Abschiebeknast.

Die Bezeichnung beschreibt dabei nicht einfach ein gewöhnliches Gefängnis. Abschiebungshaft sollte die Durchführung einer Abschiebung sichern und war rechtlich von einer Strafhaft zu unterscheiden. Die Bilder zeigen jedoch deutlich, wie stark die Anlage baulich von Kontrolle und Einschluss geprägt war: doppelte Zäune, Gittertore, vergitterte Fenster und voneinander getrennte Innenbereiche.

Quellen: Landtag Rheinland-Pfalz, Drucksache 13/2093 | § 62 Aufenthaltsgesetz

Haft zur Sicherung der Abschiebung

Die damalige Einrichtung war Teil eines Systems, in dem Menschen auf richterliche Anordnung in Abschiebungshaft genommen werden konnten. Im Unterschied zur Strafhaft sollte die Unterbringung nicht auf eine Bestrafung, sondern auf die Sicherung einer geplanten Rückführung gerichtet sein. Trotzdem bedeutete sie für die Betroffenen einen erheblichen Freiheitsentzug.

Wie häufig die Einrichtung genutzt wurde, zeigen die offiziellen Landesdaten für 1998. In diesem Jahr wurden 251 Personen aus der Gewahrsamseinrichtung Zweibrücken-Birkhausen abgeschoben. Die durchschnittliche Verweildauer lag bei 49 Tagen. Hinter den nüchternen Zahlen standen persönliche Schicksale, deren Spuren heute nur noch indirekt in den erhaltenen Räumen sichtbar sind.

Quellen: Landtag Rheinland-Pfalz, Drucksache 13/3989 | § 62 Aufenthaltsgesetz

Schließung und Leerstand

Im Jahr 2005 wurde der Standort Zweibrücken-Birkhausen geschlossen. Rheinland-Pfalz konzentrierte die Abschiebungshaft anschließend stärker in der Gewahrsamseinrichtung in Ingelheim. Das Gebäude verlor damit seine Funktion und blieb als ehemaliger Haftstandort zurück.

Der Leerstand veränderte die Wirkung des Ortes. Die institutionelle Ordnung war noch überall vorhanden, gleichzeitig setzte der Verfall ein. Nummerierte Türen, Durchreichen, Gitter und die Beschriftungen einzelner Räume blieben zurück, obwohl die Menschen, für die diese Räume geschaffen worden waren, längst nicht mehr dort untergebracht wurden.

Quellen: Bistum Mainz, Abschiebungshaft in Rheinland-Pfalz | Abandoned Kansai, Deportation Prison Birkhausen

Brand und Abriss

Am 24. August 2009 brannte der ehemalige Abschiebeknast. Ein zeitgenössischer Bericht meldete, dass das Gebäude durch das Feuer weitgehend zerstört worden sei. Die genaue Ursache des Brandes lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht zuverlässig ableiten und wird deshalb hier nicht als Tatsache dargestellt.

Die letzten Reste der Anlage wurden anschließend abgerissen. Eine dokumentierte Aufnahme vom 6. Februar 2011 beschreibt das ehemalige Abschiebehaftgefängnis bereits als Ort, der ab 2011 abgetragen wurde. Damit war das Ende des Gebäudes besiegelt, bevor es zu einem dauerhaft erhaltenen Lost Place werden konnte.

Quellen: Zeitgenössischer Bericht zum Brand 2009 | Wikimedia Commons, ehemaliges Abschiebehaftgefängnis Birkhausen | Abandoned Kansai, Deportation Prison Birkhausen

Heute kein leerer Haftbau mehr

Der Abschiebeknast Zweibrücken-Birkhausen steht heute nicht mehr. Das Gelände ist deshalb kein klassischer, noch bestehender Lost Place, sondern ein verschwundener Haftstandort, der nur noch durch historische Berichte und Fotografien nachvollziehbar ist.

Der genaue Standort wird in diesem Beitrag bewusst nicht veröffentlicht. Hinweise zum unerlaubten Betreten ehemaliger Haft- und Sicherheitsanlagen gehören nicht in eine Dokumentation. Die Galerie hält stattdessen den Zustand fest, den die Anlage während des Leerstands noch zeigte.

Quellen: Wikimedia Commons, ehemaliges Abschiebehaftgefängnis Birkhausen | Saarfuchs, ehemaliger Abschiebeknast Zweibrücken-Birkhausen

Mein Besuch 2011

Mein Besuch 2011 führte mich durch eine Anlage, deren ursprüngliche Funktion auch im Leerstand sofort spürbar war. Schon der Weg durch den verschneiten Außenbereich war von hohen Doppelzäunen und nach innen gerichteten Überkletterungsschutz geprägt. Dahinter lag ein schmales, unscheinbares Gebäude, dessen vergitterte Fenster kaum erahnen ließen, wie viele Menschen hier festgehalten worden waren.

Im Inneren bestimmten schwere Gittertore, nummerierte Metalltüren und kleine Durchreichen das Bild. Auf einer Tür war noch die Beschriftung „TV-Raum“ zu erkennen, daneben verwies ein Schild auf „WC-Dusche“. Andere Aufnahmen zeigen dunkle Flure mit blauem Lichtschein, offene Türen und zurückgelassene Bauteile. Besonders bedrückend war der Gegensatz zwischen dem winterlichen Wald außerhalb und der vollständig kontrollierten Innenwelt hinter den Gittern.

Die Fotos entstanden in einer letzten Phase des Ortes. Der Betrieb war längst beendet, der Verfall hatte eingesetzt und der Abriss stand unmittelbar bevor. Heute existiert das Gebäude nicht mehr. Umso wichtiger sind die Aufnahmen als Erinnerung an einen Ort, der nicht nur architektonisch, sondern auch gesellschaftlich eine schwierige Geschichte erzählt.

Atmosphere / Atmosphäre
46%
Risk / Gefahr
0%
Vandalism / Vandalismus
0%
Decay / Verfall
3%

Germany, visited in 2010

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

Demolished 2011

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