Varosha auf Zypern, auf Deutsch auch Varoscha und auf Türkisch Maraş genannt, war einst eines der bekanntesten Urlaubsviertel des östlichen Mittelmeers. Heute prägen verlassene Hotels, Apartmenthäuser und Geschäfte den Küstenstreifen bei Famagusta. Meine Fotografien zeigen die Geisterstadt während meines Besuchs im Jahr 2022.
In den 1960er- und frühen 1970er-Jahren entwickelte sich Varosha zu einem internationalen Urlaubsziel. Entlang des Sandstrandes entstanden große Hotels und Apartmentanlagen. Restaurants, Geschäfte, Kinos und Nachtclubs machten den Stadtteil zu einem Zentrum des zyprischen Tourismus.
Hinter der modernen Ferienkulisse befand sich ein lebendiges Wohnviertel. Die heutigen Ruinen waren deshalb nicht nur Hotels, sondern auch Wohnhäuser und Arbeitsplätze zahlreicher Menschen. Diese Geschichte unterscheidet Varosha von vielen gewöhnlichen Ferienanlagen, die lediglich aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben wurden.
Quelle: Deutschlandfunk: Die Teilung Zyperns und Varosha
Im Juli 1974 putschten griechisch-zyprische Offiziere mit Unterstützung der damaligen Militärjunta in Griechenland gegen die Regierung Zyperns. Darauf folgte die militärische Intervention der Türkei. Als türkische Truppen im August auf Famagusta vorrückten, flohen die griechisch-zyprischen Einwohner Varoshas aus der Stadt.
Das Viertel wurde anschließend vom türkischen Militär abgeriegelt. Gebäude, Hotels und Geschäfte blieben über Jahrzehnte unbewohnt. Die 1983 ausgerufene Türkische Republik Nordzypern wird international nur von der Türkei als eigenständiger Staat anerkannt.
Quelle: Deutschlandfunk: Chronologie des Zypernkonflikts
Der Status von Varosha ist ein zentraler Bestandteil des weiterhin ungelösten Zypernkonflikts. In der Resolution 550 aus dem Jahr 1984 bezeichnete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen Versuche, Teile Varoshas durch andere Personen als die ursprünglichen Bewohner zu besiedeln, als unzulässig.
Die Vereinten Nationen forderten außerdem, das Gebiet unter ihre Verwaltung zu stellen. Auch die spätere Resolution 789 aus dem Jahr 1992 behandelt den besonderen Status der abgesperrten Stadt. Die früheren Eigentumsverhältnisse und die Rückkehr der vertriebenen Bewohner gehören bis heute zu den umstrittenen Fragen.
Quellen: UN-Sicherheitsrat: Resolution 550 | Rat der Europäischen Union: Erklärung zu Varosha
Am 8. Oktober 2020 wurden ausgewählte Straßen und ein Strandabschnitt erstmals wieder für zivile Besucher geöffnet. Weitere Schritte zur Öffnung wurden 2021 angekündigt. Dabei handelte es sich jedoch nicht um eine vollständige Freigabe der ehemaligen Stadt.
Der UN-Sicherheitsrat und die Europäische Union verurteilten die einseitigen Maßnahmen. Sie forderten die Rücknahme der seit Oktober 2020 unternommenen Schritte und verwiesen erneut auf die bestehenden Resolutionen. Auch in aktuellen UN-Dokumenten bleibt der besondere Status Varoshas weiterhin bestehen.
Quellen: UN-Sicherheitsrat: Erklärung vom 23. Juli 2021 | Europäische Union: Erklärung zur teilweisen Öffnung | Vereinte Nationen: Bericht zu Zypern 2026
Besucher dürfen sich nur in den ausdrücklich geöffneten Bereichen bewegen. Die freigegebenen Hauptstraßen können zu Fuß oder teilweise mit Fahrrädern erkundet werden. Die verlassenen Gebäude, Innenräume und weiterhin abgesperrten Nebenstraßen dürfen nicht betreten werden.
Varosha ist deshalb kein frei zugänglicher Lost Place. Das Viertel ist ein politisch sensibles Gebiet und zugleich die frühere Heimat vertriebener Menschen. Aktuelle Absperrungen, Fotografierverbote und Anweisungen des Sicherheitspersonals müssen unbedingt respektiert werden.
Bei meinem Besuch im Jahr 2022 fotografierte ich die verlassenen Hotels und Straßen von Varosha ausschließlich aus den geöffneten Bereichen. Die neu hergerichteten Wege standen in einem starken Kontrast zu den zerfallenden Fassaden, leeren Balkonen und überwucherten Grundstücken dahinter.
Besonders eindrucksvoll war die Größe des verlassenen Stadtviertels. Hinter beinahe jeder Straßenkreuzung erschienen weitere Hotels, Geschäfte und Wohnhäuser. Meine Bilder dokumentieren Varosha nicht nur als Geisterstadt, sondern als sichtbares Ergebnis eines Konflikts, der das Leben vieler Menschen bis heute beeinflusst.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.