In La Colonia de Santa Eulalia stehe ich vor einem Theater, das nicht einfach nur ein Gebäude war, sondern ein Statement. Hier sollte Kultur Teil des Alltags sein, mitten in einer geplanten Siedlung, die Arbeit, Wohnen und Versorgung an einem Ort bündeln wollte. Heute ist das Teatro Antiguo ein stilles Fragment, aber seine Idee lässt sich noch lesen.
La Colonia de Santa Eulalia ist ein besonderer Ort in der Provinz Alicante, gelegen an der Grenze der Gemeinden Sax und Villena.
Die Kolonie wurde als landwirtschaftliche Kolonie erster Klasse am 1. Juli 1887 eingestuft. Ziel war nicht nur der Anbau, sondern auch die Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte. Die Anlage wurde als weitgehend autarke Einheit gedacht, mit Industrie, Dienstleistungen und Wohnraum.
Quelle: es.wikipedia.org/wiki/La_Colonia_de_Santa_Eulalia , listaroja.hispanianostra.org/ficha/colonia-santa-eulalia/
Die Colonia de Santa Eulalia wurde als Bien de Interés Cultural eingestuft, als Espacio Etnológico. Damit ist sie offiziell als Kulturerbe anerkannt. Genau das macht den Zustand so bitter, weil man hier sieht, wie schnell ein komplexes Ensemble verschwindet, wenn Erhalt und Nutzung ausbleiben.
Quelle : cvcultura.es/wp-content/uploads/Informe_BIC_Colonia_Santa_Eulalia.pdf
In kleinen Siedlungen ist ein Theater mehr als Unterhaltung. Es ist ein sozialer Knotenpunkt, ein Ort für Aufführungen, Musik, Versammlungen und gemeinsames Erleben. In einer Kolonie, die bewusst als Modell für Arbeit und Alltag geplant wurde, gehört so ein Haus zur Grundidee. Kultur war hier kein Luxus, sondern Teil des Systems, das die Menschen binden und die Gemeinschaft stärken sollte.
Quelle: es.wikipedia.org/wiki/La_Colonia_de_Santa_Eulalia
Das Theater wird in Quellen auch als Teatro Cervantes geführt. Es ist als italienisches Theater angelegt, mit Bühne, Proszenium und Logenring. Besonders spannend sind die akustischen Elemente: In den Seitenwänden werden insgesamt 16 Akustikgefäße beschrieben, die Echo und Schallreflexion mindern sollten. Innen gab es Wandmalereien mit Alltagsszenen und Porträts bekannter Namen, darunter Miguel de Cervantes, der dem Theater den Namen gab.
Quelle: es.wikipedia.org/wiki/Teatro_Cervantes_%28Santa_Eulalia%29
Die Kolonie hatte bis etwa 1925 wirtschaftliche Bedeutung, danach setzte ein langsamer Niedergang ein, der durch den Bürgerkrieg beschleunigt wurde. 1937 wurde der Name im Zuge politischer Umbenennungen in Colonia de Lina Odena geändert. Das Theater selbst gilt als spätestens vor den 1940er Jahren aufgegeben und ist heute teilweise eingestürzt.
Quelle: es.wikipedia.org/wiki/La_Colonia_de_Santa_Eulalia, es.wikipedia.org/wiki/Teatro_Cervantes_%28Santa_Eulalia%29
Ich merke hier, wie eng Kultur und Alltag früher verbunden waren. Das Theater steht nicht isoliert, es gehört zu einem ganzen Set aus Fabriken, Versorgung, Verwaltung und Wohnen. Genau diese Gesamtheit macht den Ort so selten. Selbst im Verfall bleibt die Idee sichtbar, dass Menschen hier leben sollten, arbeiten sollten und auch gemeinsam feiern sollten.
Quelle: es.wikipedia.org/wiki/La_Colonia_de_Santa_Eulalia
Ich war 2025 hier und habe mir Zeit genommen, die Details zu lesen. Ich schaue bei Kulturorten immer auf die Dinge, die man nicht nachbauen kann. Blickachsen, die Lage von Logen und Bühne, die Art, wie der Saal geführt wurde. In so einem Raum steckt eine Absicht, und selbst wenn alles bricht, bleibt diese Absicht als Form erhalten.
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